Gerlach macht den Weg für Aalen frei

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Oberbaºrgermeister von Aalen, Martin Gerlach. (Foto: an)
Schwäbische Zeitung
Claudia Heller

Wenn die Aalener im Sommer einen neuen Oberbürgermeister wählen, dann werden sie auf ihrem Wahlzettel kein Kreuz bei Martin Gerlach machen können. Das amtierende Stadtoberhaupt wird nämlich für eine zweite Amtszeit nicht mehr kandidieren. Diesen Entschluss gab er beim Neujahrsempfang der VR-Bank Aalen am Sonntag bekannt.

In seiner Rede blickte er auf seine erste Amtszeit zurück. Die vergangenen Jahre seien für die Stadtpolitik sehr schwer gewesen, die Gemeinderäte und der Oberbürgermeister seien nicht geschont gewesen. Auch sei die Stadtpolitik nach außen hin nicht bekannt für ein freundliches Miteinander. Es sei für ihn jeden Tag eine Herausforderung gewesen, alle nach allen Seiten hin bis zum Ende zusammenzuhalten. Dennoch habe er die Ziele für Aalen in den vergangenen Jahren konsequent verfolgt und fast alles erreicht, was er sich für sein Amt als Oberbürgermeister bei der Wahl 2005 vorgenommen hatte. Nun habe er sich dazu entschlossen, den gemeinsamen Weg zu verlassen und zu neuen Ufern aufzubrechen: „Für eine erneute Kandidatur stehe ich nicht zur Verfügung.“ Resignation sei nicht der Grund für seinen Rückzug, sagte der OB gegenüber dieser Zeitung. Diese Phase habe es im vergangenen Jahr wohl einmal gegeben.

Gemeinsam mit seiner Familie möchte der 47-Jährige noch einmal etwas Neues anpacken, „einen neuen großen Schritt wagen“, sich über seine berufliche Zukunft Gedanken machen. Was er anstrebt, ließ Gerlach offen. Möglicherweise zunächst ein Sabbatjahr, sagte er. Auf keinen Fall in Zusammenhang bringen will er seinen Abschied, mit der seit geraumer Zeit gehandelten Kandidatur von Bürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher.

Doch sei die Entscheidung, nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren, keine gegen Aalen. „Aalen bleibt meine Heimat“, betonte Gerlach. Nun sei es an den Fraktionen, eigene Kandidaten für die OB-Wahl aufzustellen. Die große Aufgabe hierbei sei es, solche Kandidaten zu finden, „die für die Stadt gut sind“. Und er wisse, dass es schwer werden wird, „ gute und engagierte Bewerber für das Amt zu finden“. Aus diesem Grund mache er den Weg rechtzeitig frei, „denn die Zukunft meiner Heimatstadt liegt mir am Herzen“. Bei der Suche nach einem neuen Stadtoberhaupt sei es nicht nur so, dass sich Kandidaten um die Stadt bewerben, sondern auch die Stadt bewerbe sich um Kandidaten. Potenzial nach oben gebe es.

„Manche Veranstaltungen bringen überraschende Erkenntnisse“, kommentierte Landrat Klaus Pavel im Anschluss Gerlachs Rede. Diese hielt er für bemerkenswert – „bis auf den Schluss“. Und auch der Vorstandssprecher der VR-Bank Aalen, Hans-Peter Weber, zeigte sich überrascht. „Damit habe ich nicht gerechnet.“ Er dankte Gerlach für dessen „klare Entscheidung“, die er mit dem Zünden einer Bombe verglich.

Ein genauer Termin für die Oberbürgermeisterwahl in Aalen steht noch nicht fest, sie wird aber voraussichtlich im Juli stattfinden. Der Amtsantritt des neuen Stadtoberhaupts wird dann im Herbst sein.

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