Gemeinderat versucht Radwege in Aalen zu planen

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 Sowie für diesen Radfahrer auf der schneebedeckten Straße ist es auch für den Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung kein Le
Sowie für diesen Radfahrer auf der schneebedeckten Straße ist es auch für den Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung kein Leichtes gewesen, auf Anhieb durch die künftige Radverkehrsplanung für Aalen zu steigen. (Foto: Paul Zinken/DPA)

Mit der Vergabe der Erarbeitung eines Radverkehrskonzepts an das Darmstädter Planungsbüro VAR Ende November 2017 hatte sich die Stadt Aalen auf den Weg gemacht, ihre Radinfrastruktur zukunftsfähig zu machen. Dass dies allerdings kein leichtes Unterfangen ist, hat sich in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung des Gemeinderats gezeigt. Wünsche und Idealvorstellungen scheinen schnell an die Grenzen der Realität zu stoßen. „Wir haben einen großen Haufen an Aufgaben vor uns, und wir werden nie alle überall dabei glücklich machen“, sagte denn auch Verkehrsplaner Uwe Petry vom Büro VAR.

Auf dem Tisch des Ausschusses lagen nicht nur ein Sachstandsbericht zur Aalener Radwegeverkehrsstruktur, sondern auch die Genehmigung des von Petry für die Stadt erarbeiteten und eruierten Radverkehrsnetzes. Das hat eine Länge von gut 400 Kilometern, unterteilt in fünf klassifizierte Routentypen: von den Basis- und Pendlerrouten über Verdichtungs- und Verbindungsstrecken bis hin zu jenen Teilen, die dem übergeordneten Radnetz Baden-Württemberg zuzuordnen sind.

Baubürgermeister Wolfgang Steidle listete auf, mit welchen Maßnahmen in jüngster Zeit die Aalener Radinfrastruktur verbessert worden sei beziehungsweise welche Maßnahmen konkret in Vorbereitung sind. So sei die Zahl der Fahrradabstellanlagen erhöht worden, die alten grünen Fahrradbügel seien durch neue Rundrohrbügel vom Typ Aalen ersetzt worden. In diesem Jahr solle mit dem Aufbau interkommunaler Fahrrad- und Verleih sowie E-Bike-Stationen an mehreren Stellen im Stadtgebiet begonnen werden.

Blick auf den Altstadtring

Petry legte sein Augenmerk vor allem auf verschiedene Punkte innerhalb des Aalener Altstadtrings, der im Rahmen des Konzepts radfahrtauglich gemacht werden soll. Unter anderem geht es dabei um die Weiterführung des Kocher-Radwegs vom Kaufland in Richtung Altstadt beziehungsweise Hauptbahnhof, um eine Radwegeführung entlang der Stuttgarter Straße, wo für Petry großer Handlungsbedarf besteht, und um die Situation der Radler in der 20er-Zone von Bahnhofstraße und Nördlichem Stadtgraben. Mit neuen Piktogrammen als „Aalener Modell“ solle hier auf sie aufmerksam gemacht werden, denn in einer 20er-Zone fahre ein Radfahrer als vollwertiger Verkehrsteilnehmer im Straßenraum einfach mit, so Petry.

Skepsis bei Schutzstreifen

Außer, dass er die vielen vorgesehenen Schutzstreifen für Radfahrer sehr skeptisch sehe, konnte Grünen-Fraktionschef Michael Fleischer mit all dem nicht viel anfangen. Man brauche eine konkrete Maßnahmen- und Mängelbewertung, bevor man irgendetwas beschließen könne. Claus Albrecht (Freie Wähler) sah schon jetzt auf dem Altstadtring „erhebliche Probleme“, die es punktuell zu beheben gelte. Er schlug vor, für die weiteren Planungen eine Arbeitsgruppe mit je einem Fraktionsvertreter einzurichten, wie es der OB im November 2017 schon einmal selbst angeregt hatte.

Bevor sich die Räte in weiterer Detailarbeit verloren, gab ihnen Planer Petry ein paar grundsätzliche Anmerkungen mit auf den weiteren Weg. Straßenräume, so meinte er, seien begrenzt. „Wir können nicht beliebig Straßen verbreitern und Schutzräume schaffen.“ In Zukunft werde das Funktionieren eines innerstädtischen Verkehrs entscheidend von einem gemeinsamen niedrigen Tempo aller Verkehrsteilnehmer abhängen. Unter dieser Prämisse werde man das Miteinander von Autos, Radfahrern und Fußgängern regeln müssen, wobei dann wirklich Schutzräume eine große Rolle spielten. Seine Aufgabe sehe er darin, gemeinsam ein definiertes Radverkehrsnetz zu schaffen, „das wir langfristig ertüchtigen wollen“.

„Wir kommen um die Lösung kniffliger Fragen nicht herum“, stellte OB Thilo Rentschler fest. So, wie die Diskussion jetzt laufe, schreie es danach, „dass wir in der Tat pro Fraktion einen Beauftragten brauchen“. Fleischer wie auch seine SPD-Kollegin Senta D’Onofrio bezeifelten allerdings die Sinnhaftigkeit einer weiteren Arbeitsgruppe innerhalb des Gemeinderats. Am Ende einigte man sich darauf, dass sich der Ausschuss Anfang März erneut mit dieser ganzen Thematik befasst.

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