Gemeinderat fordert "Kampf mit Zähnen und Klauen" für Kinderklinik

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 Der Gemeinderat und OB Thilo Rentschler sollen „mit Zähnen und Klauen“ für den Erhalt der Aalener Kinderklinik kämpfen, lautet
Der Gemeinderat und OB Thilo Rentschler sollen „mit Zähnen und Klauen“ für den Erhalt der Aalener Kinderklinik kämpfen, lautete am Mittwoch der Appell in einer Sitzung des Gremiums. (Foto: Archiv: Peter Gercke / dpa)

„Mit Zähnen und Klauen für den Erhalt der Aalener Kinderklinik zu kämpfen – diesen Appell hat Stadträtin Uschi Barth (CDU) am Mittwoch an Oberbürgermeister Thilo Rentschler und den Gemeinderat gerichtet. In der Sitzung des Gremiums hatte ihr Grünen-Kollege Thomas Battran als Erster das Thema aufgegriffen. Für alle hier sei die aktuelle Situation völlig unklar, sagte er. Weshalb das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung müsse.

Wie in den „Aalener Nachrichten“ bereits berichtet, geht derzeit die Sorge um, im Zuge der Neukonzeption der Kliniken Ostalb könnte von den derzeit zwei Kinderklinik-Standorten in Aalen und Mutlangen am Ende nur noch einer übrig und die Aalener Kinderklinik dabei auf der Strecke bleiben. Der Verwaltungsrat der Kliniken Ostalb, so antwortete dessen Mitglied und Kreisrat Thilo Rentschler auf Battrans Einwurf, werde demnächst in Klausur gehen. Bis dahin, so der OB, sollten alle Fakten nicht nur zum Thema Kinderklinik auf den Tisch kommen. Vorher werde man allerdings kaum offiziell Auskunft bekommen, vermutete Rentschler. Dennoch seien schon jetzt alle Kreisräte dazu aufgerufen, darüber nachzudenken, „mit welchen guten Argumenten wir die gute Entwicklung der Kinderklinik an zwei Standorten weiterverfolgen können“.

„Fakten, die unsnicht egal sein können“

Uschi Barth, selbst über zwei Jahrzehnte lang Mitglied des einstigen Krankenhausausschusses des Kreistags und als ehemalige Krankenhauslehrerin auch an der Kinderklinik tätig, redete Tacheles: Befürchtungen um den Bestand der Aalener Kinderklinik habe man ja schon gehabt, als es um das Thema Frühchen gegangen sei. Schon damals habe die Frage gelautet, ob der Stadort Aalen sukzessive abgekoppelt werden solle. Wenn jetzt an der Aalener Kinderklinik Ärzte und in Mutlangen das Pflegepersonal fehlten, „muss man kein Hellseher sein, um zu überlegen, ob man da Fakten schaffen will, die uns im Aalener Gemeinderat nicht egal sein können – und auch nicht der Bevölkerung bis in den Ellwanger Raum hinein“, so Barth weiter. Ihren Appell, mit aller Macht für die Aalener Kinderklinik zu kämpfen, ergänzte sie durch die Aufforderung an Rentschler, alles, was er wisse und sagen dürfe, an den Gemeinderat zu übermitteln, „damit der Partei ergreifen kann für die Aalener Kinderklinik“.

Er höre, so der OB, dass die freien Arztstellen an der Aalener Kinderklinik relativ schnell besetzt werden sollen. Er höre aber auch, dass es sehr schwer sei, für die Mutlanger Kinderklinik das nötige, hoch qualifizierte Fachpersonal zu finden. Deshalb gehe es jetzt vor allem darum, gute Argumente so in die Diskussion zu bringen, „dass sie konstruktiv wirken“. Er habe natürlich schon eine Reihe an Gesprächen geführt. Aber ohne Unterstützung sei selbst eine einzelne Kreisstadt im Kreistag nicht so schlagkräftig unterwegs wie wenn sich ganze Raumschaften auf eine Lösung einigen könnten.

„Transparenz gefragtstatt alter Geheimbund“

„Wir müssen uns rechtzeitig und deutlich zur Sache äußern“, forderte Grünen-Fraktionsvorsitzender Michael Fleischer. Sein Kollege von der Frakion Die Linke/Pro Aalen, Roland Hamm, meinte, „wir werden auch mit einem breiten Bündnis unterliegen, wenn wir die falschen Forderungen stellen“. Die Mitglieder der anderen Parteien forderte er dazu auf, auf Bundesebene die Verknüpfung von Fallzahlen und Standorten in der Krankenhauspolitik zu kippen. Und wenn man in der Krankenhauslandschaft auf der Ostalb Dezentralität stärken und erhalten wolle, so Hamm weiter, „müssen wir uns darauf einigen, welche Indikationen in Aalen, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen und auch Heidenheim mit Blick auf die Fallzahlen gestärkt werden sollen“.

Nachdem der frühere Krankenhausausschuss des Kreistags eher ein Geheimbund gewesen sei, so sagte Hamm weiter, sei jetzt Transparez gefordert. Und mit der dürfe man nicht unter Kirchturmsaspekten diskutieren, sondern unter dem Aspekt der regionalen Schwerpunkte bei gleichzeitiger Sicherung der Grundversorgung an allen Klinikstandorten.

Uschi Barths abschließende Bemerkung war eindeutig: Es gelte, als Aalener Gemeinderat klar Farbe zu bekennen „für die Disziplinen, die in Aalen sitzen“. Zunächst wolle man aber einfach wissen, „was der Verwaltungsrat mit der Aalener Kinderklinik vorhat“. Denn die sei schließlich einmal Alleinstellungsmerkmal für das Ostalb-Klinikum als Haus der Zentralversorung gewesen – „und sie muss in Aalen bleiben, auch im Interesse des Ellwanger Raums.“

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