Geheimfavorit: Hofherrnweiler II und die neue Rolle

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Nico Schoch

Aalen - Will denn niemand Meister der Fußball-Bezirksliga werden? Landesliga-Absteiger Bargau und Vizemeister Bettringen weisen die ihnen zugesprochene Favoritenrolle entschieden von sich und verweisen dabei auf den eigenen personellen Umbruch. Die beiden Ligaurgesteine aus Unterkochen und Waldhausen sowie die TSG Hofherrnweiler II in ihrem zweiten Jahr nach dem Aufstieg zählen deshalb umso mehr zu den aussichtsreichen Kandidaten auf die Spitzenplätze.

„Vorne mitspielen“ - so lautet das von den ambitionierten Vereinen meist genannte Saisonziel. Vom Aufstieg selbst will zumindest nach außen hin niemand sprechen. Mit der SG Bettringen allerdings scheint der Top-Favorit der neuen Runde ausgemacht. Gleich elf Konkurrenten nennen den amtierenden Vizemeister, der in der Aufstiegsrelegation zuletzt nach Elfmeterschießen gegen Köngen scheiterte, als Meisterschaftstipp.

Bettringen mit Umbruch

Die Bettringer allerdings wollen in erster Linie ihren eingeleiteten Umbruch mit acht Abgängen und 17 Neuzugängen meistern. „Wir haben einige Führungsspieler verloren, das verkraftet keine Mannschaft so einfach“, stapelt SGB-Teammanager Oliver Glass tief. Ganz ähnlich äußert sich Slobodan Pajic, der nach Trainerstationen unter anderem in Hofherrnweiler und Schwäbisch Hall nun beim Absteiger FC Bargau angeheuert hat: „Mittelfristig sehen wir uns natürlich in der Landesliga. In diesem Jahr aber hat es einen großen Umbruch gegeben, alles muss sich erst einmal finden.“

Als heißer Aufstiegskandidat gilt aber auch der Vorjahresdritte TSG Nattheim. Understatement überwiegt beim TV Neuler, vergangene Saison als Tabellenvierter das erfolgreichste Team aus dem Aalener Raum. Bis zuletzt konnte man beim Kampf um den Relegationsplatz ein kleines Wörtchen mitreden und die großen Favoriten ärgern. Das Ziel Klassenerhalt wurde bei weitem übertroffen und dennoch erwartet Salem Bevab vor seinem achten Jahr auf der TV-Trainerbank „nur“ einen einstelligen Tabellenplatz, würde sich aber sicherlich auch gegen mehr nicht wehren. Ihren erfolgreichen Weg gehen sie in Neuler unvermittelt weiter, alle vier Neuzugänge entstammen der eigenen Jugend.

Drei Vereine setzen auf Hofherrnweiler II

Gleich drei Vereine haben die TSG Hofherrnweiler II als Titelkandidat auf dem Zettel.

Ist das mit einem Durchschnittsalter von 22,75 Jahren jüngste Team der Bezirksliga damit der Geheimfavorit? „Ganz nett“, findet TSG-Trainer Christoph Merz diese neue Rolle, stellt aber klar: „Das Ziel, wir müssen in die Landesliga aufsteigen, gibt es nicht. Wir wollen unsere jungen Spieler so voranbringen, dass sie es in die Erste Mannschaft schaffen.“ Der Sprung in die Verbandsliga sei natürlich ein recht großer, einige der talentierten jungen Spieler könnten diesen aber sicherlich meistern.

Im Vergleich mit den umliegenden höherklassigen Vereinen hält Merz seine TSG ohnehin für hervorragend aufgestellt: „In Zusammenarbeit mit unserer A-Jugend in der Verbandsstaffel verfügen wir über einen guten Unterbau. Wir als U 23 wollen uns positiv weiterentwickeln und einen guten Fußball spielen, dann kommt der Erfolg von ganz alleine. Der Tabellenplatz ist am Ende dann eigentlich nebensächlich.“ Die Blickrichtung bei der TSG II geht dennoch weiterhin nach oben und so würde Merz den sechsten Platz der Vorsaison nur allzu gerne übertreffen.

Auch wenn niemand öffentlich die Meisterschaft als Ziel nennt, so streben doch gleich acht Mannschaften in die Top Fünf. Dazu gehören mit dem SV Waldhausen und dem FV 08 Unterkochen zwei der üblichen Verdächtigen, die seit über zehn Jahren ununterbrochen zum Inventar der Bezirksliga gehören. Nach dem fünften Platz in der Vorsaison sieht SVW-Trainer Jens Rohsgoderer seine Mannen nur im Schatten eines Spitzentrios: „Der breite Kader machen Bargau, Bettringen und Hofherrnweiler aus meiner Sicht zu den Top-Favoriten. Wir reihen und direkt danach ein, wollen wieder um die ersten Plätze mitspielen und bis zum Schluss oben dabei sein.“

Kompensieren müssen die Waldhäuser dabei allerdings den Verlust dreier Stammspieler, wobei insbesondere der Abgang des besten Torschützen Fatih Yildiz (16 Saisontreffer) schwer wiegt. Gelingen soll das mit sechs Neuzugängen, die allesamt unter 24 Jahre jung sind. Rohsgoderer sieht „großes Potenzial für die Zukunft“ und hofft zugleich, dass der SVW dieses Jahr vom Verletzungspech verschont bleibt. „Um bis zum Schluss vorne mitmischen zu können, wäre es wichtig, dass erfahrene Spieler wie Jan Hasenmaier und Kevin Mayer dieses Jahr permanent dabei sein können.“

Unterkochen will mehr

Beim benachbarten FV 08 Unterkochen steht Coach Stefan Rettenmaier vor seinem zweiten Amtsjahr. Im Häselbachtal überdeckte der Bezirkspokalsieg zuletzt eine mit dem neunten Tabellenplatz eher durchwachsene Ligasaison. „Nach der Vorrunde waren wir als Vierter absolut im Soll, in der Rückrunde war die Luft dann aber relativ schnell raus“, resümiert Rettenmaier und fügt an: „Wir wollen mehr.“ Die Unterkochener wollen ins obere Drittel, doch viel wird davon abhängen inwieweit die Spieler verletzungsfrei bleiben.

„Die vergangene Saison war eine einzige Misere. Wenn wir dieses Jahr davon befreit bleiben und mehr Konstanz in unser Spiel bekommen, kommt die bessere Platzierung von ganz alleine“, ist der Trainer überzeugt.

Die Offensive sei in der Breite besser aufgestellt, in der Abwehr allerdings habe man mit Stephan Schmid (Karriereende) einen „tollen Allrounder“ verloren. Der FVU startet übrigens mit zwei echten Kracherspielen in die neue Runde: Zum Auftakt geht es nach Hofherrnweiler, eine Woche darauf kommt Bettringen. Rettenmaier: „Das sind Teams, mit denen wir uns auf Augenhöhe bewegen und mit denen wir uns messen wollen – mit gesundem Respekt, aber ohne Angst.“

Lauchheim bleibt bescheiden

Bescheidener geht es der SV Lauchheim an, der unter der Regie von Olaf Saur in den vergangenen Jahren jeweils zweimal den vierten und achten Rang erreichte.

Im Unterschied zur Vorsaison ist der Kader komplett beisammen geblieben und so hoffen die Grün-Weißen einmal mehr auf eine sorgenfreie Saison im gesicherten Mittelfeld. Für den Nachbarn SGM Kirchheim/Trochtelfingen hingegen zählt auch im vierten Jahr der Ligazugehörigkeit einzig und allein der Klassenerhalt. Die vergangene Runde verlief mit drei Trainerwechseln und Zittern bis zum vorletzten Spieltag äußerst turbulent, so dass sich die Verantwortlichen vor allen Dingen mehr Konstanz auf der Trainerposition erhoffen.

Hierfür wurde mit Karl-Heinz Schüler ein Mann verpflichtet, der bereits auf höherklassige Stationen beim TSV Essingen und TSV Nördlingen zurückblicken kann. Während gleich vier Spieler ihre aktive Laufbahn beendet und Torspieler Timo Hirschmann nach Nattheim abgewandert ist, steht mit Keeper Paul Engelmann vom TV Bopfingen nur ein externer Neuzugang zu Buche.

Vier Neulinge

Zu den Hauptkonkurrenten der SGM im Tabellenkeller gesellen sich neben den Sportfreunden Lorch und dem VfL Gerstetten vier spannende Neulinge, die ihre Rolle in der neuen Umgebung aber erst noch finden müssen. Ihrer Bezirksliga-Rückkehr nach zehnjähriger Abstinenz fiebert die DJK-SG Schwabsberg-Buch entgegen und verlässt sich dabei insbesondere auf Erfolgscoach Branko Okic. Der Ex-Profi hat die Rainauer innerhalb von nur eineinhalb Jahren aus dem Tabellenkeller an die Spitze der Kreisliga A geführt – keiner hatte die DJK-SG zuvor auf dem Schirm. Gleiches gilt auch für den TSV Großdeinbach, den Überraschungsmeister der Gmünder A-Klasse.

Maß aller Dinge im Heidenheimer Raum war die SGM Heldenfingen/Heuchlingen, die sich im Angriff auf die ehemaligen Neresheimer Markus Gassner und Manuel Illenberger verlassen kann. Und zu guter Letzt ist da auch noch der SC Hermaringen, der sich im Relegationskrimi gegen den SV Wört durchsetzte und dabei seine Bezirksliga-Tauglichkeit bereits eindrucksvoll unter Beweis stellte.

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