Galgenbergfans feiern das Leben

Lesedauer: 6 Min
Die Aalen-All-Star-Band Das Vereinsorchester ist Kult. Beim Galgenberg-Festival nahm die Truppe ihre Fans mit ins pulsierende Le
Die Aalen-All-Star-Band Das Vereinsorchester ist Kult. Beim Galgenberg-Festival nahm die Truppe ihre Fans mit ins pulsierende Leben. (Foto: Peter Schlipf)
Schwäbische Zeitung

Es war ein Fest der Rekorde, das 18. Galgenberg-Festival am Wochenende auf dem ehemaligen Gaskesselgelände: Rekorde bei den Temperaturen, den Zuschauerzahlen – und auch musikalisch war einiges rekordverdächtig.

Im Kern ist Rockmusik wohl nur eine von wahrscheinlich vielen Möglichkeiten, sich den Alltag aus den Knochen zu schütteln. Zwei Abende mit ähnlichen, aber keinesfalls identischen Konzepten, wie das zu bewerkstelligen ist, haben die über 3000 Besucher des Galgenberg-Festivals erlebt. Freitagabend Vereinsorchester und Gallow Mountain Express – 1400 Zuschauer, Samstagabend „SWR1 Pop & Poesie in Concert“ – 1800 Zuschauer.

Und alle haben gerne geschwitzt. Der erste Abend: Das Thermometer zeigt noch weit über 20 Grad. Die Bierbänke sind gefüllt, jeder kennt jeden. Coldplays Hit „Viva la Vida“, also „Lebe das Leben“, fasst es wohl am besten zusammen, was die Aalen-All-Star-Band Das Vereinsorchester ihren Zuhörern mitgegeben will: das pulsierende Leben. Die fast 30 Musiker unter der Leitung von Matthias Kehrle haben erneut ein buntes Sammelsurium an Rock-, Pop-, Reggae- oder Soulstücken ausgewählt, das wunderbar in diese heiße Sommernacht passt. Von Dire Straits bis Rolling Stones, von Tower of Power bis Deep Purple („Hush“), von der Spider Murphy Gang („Schickeria“) bis zu den legendären Doors – breiter kann ein Repertoire nicht aufgestellt sein.

Ein Alleinstellungsmerkmal Aalens

Ein reichhaltiges Angebot auch bei den Akteuren: Ralf Meiser, Norbert Botschek, Timo Schaal, „Flex“ Flechsler, Axel Nagel, Sonja Müller-Felkel, und, und, und... Die Band ist sicher ein Alleinstellungsmerkmal Aalens: Eine solche konzertierte Aktion, bei der sich Musiker unterschiedlicher Bands gemeinsam auf einen großen Abend vorbereiten (und freuen) – das hat nicht jede Stadt zu bieten. Höhepunkt und Schlussakkord: „Hotel California“ von den Eagles, fürwahr eine angemessene Zugabe, bevor die Musiker ihr Publikum in eine heiße Sommernacht verabschiedeten.

Als Auftakt hatten sich die Nachwuchsmusiker des Gallow Mountain Express, seit Jahren betreut von Chrischi Steiner, vom Festival verabschiedet. Studium, Auslandspraktika und andere Verpflichtungen zwingen die Band zur Auflösung. Es blieb der einzige Abschied, denn auch im kommenden Jahr wird das Galgenberg-Festival an gewohnter Stelle stattfinden.

Was steckt eigentlich hinter den Texten der Rockklassiker?

Während das Galgenberg-Vereinsorchester am Freitagabend mit Verve, Spaß und Spielfreude bewies, dass man auch Songs aus den hinteren Ecken des Rockarchivs Leben einhauchen kann, verfolgte Pop & Poesie dann am Samstag einen anderen Ansatz. Was steckt eigentlich hinter den Texten all der vielen Rockklassiker?

Pop & Poesie, manchmal liebevoll „PoPo“ abgekürzt, ist ein Gesamtkunstwerk, eine Mischung aus Schauspiel, Lesung und Rockkonzert. Das Publikum am Samstag ist etwas gesetzter. Der veranstaltende Verein Kulturfreunde Galgenberg hatte weit über 1000 Klappstühle aufgebaut, um Konzertatmosphäre zu schaffen. Denn bei der Show um Kultmoderator Matthias Holtmann gilt es, an manchen Stellen genau zuzuhören.

Die Übersetzungen von Klassikern von Abba bis AC/DC bringen manchmal Banales, manchmal Nachdenkliches ans Licht: Etwa beim Hit der Boomtown Rats „I don't like Mondays“. Wer weiß schon, dass hinter dem Text nicht die Angst vor dem ersten Arbeitstag der Woche, sondern ein Massaker in San Diego von 1979 steckt, das die damals 16-jährige Schützin Brenda Ann Spencer mit „Ich mag eben keine Montage“ als Motiv zu erklären versuchte.

Holtmann nuschelt sich mit Humor durchs Programm

Aber Pop & Poesie will nicht zu ernst sein. Holtmann nuschelt sich mit intelligentem Humor, mit Wissenswertem, mit Anekdötchen und Geschichtchen durchs Programm mit dem Titel „Feelin' Allright“, spricht mit Selbstironie über seine Parkinson-Krankheit, an der er seit 16 Jahren leidet („Ihr dürft gerne Witze drüber machen.“), outet sich als Bester unter denen, „die gar nicht singen können“. Braucht er auch nicht zu können, denn dafür hat er ja seine spektakuläre Band. Unter der Leitung von Pianist Peter Grabinger sticht vor allem Sängerin Britta Medeiros heraus, ein wahrer Vulkan auf der Bühne. Und natürlich Sänger und Gitarrist Patrick Schwefel. Der Essinger ist seit dem Start von Pop & Poesie vor zehn Jahren mit dabei und liefert mit John Denvers „Leaving on a Jet Plane“ einen der Höhepunkte des Abends.

Und von denen gab's wahrlich einige, bis die Nacht schließlich in einer Bombast-Version von Prince' „Purple Rain“ und dem Klassiker unter den Klassikern, Deep Purples „Smoke on the Water“, endete.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen