Fein ziselierte Miniaturen im Pianissimo

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Deutschland-Premiere feierte das Wiener Ensemble 5 zur Konzertring-Saisoneröffnung in der Aalener Stadthalle.
Deutschland-Premiere feierte das Wiener Ensemble 5 zur Konzertring-Saisoneröffnung in der Aalener Stadthalle. (Foto: Thomas Siedler)
Johannes Müller

Mit einer Deutschland-Premiere hat der Konzertring der Oratorienvereinigung Aalen seine neue Saison 2018/2019 am Sonntag in der Stadthalle eröffnet. Dass dies zu einem glanzvollen Ereignis wurde, dafür sorgte ein kammermusikalisches Spitzenensemble aus Wien, das Ensemble 5, das nach erfolgreichen Aufführungen im Ausland erstmals in Deutschland konzertierte.

Fünf Musikerinnenund Musiker aus vier Ländern

Das Ensemble besteht aus fünf international renommierten Musikerinnen und nennt sich deshalb Ensemble 5. Alle haben einen Bezug zur Wiener Musikszene, obwohl sie aus vier verschiedenen Ländern kommen. Die Solistin Séverine Payet (Klarinette) stammt aus Kanada, ebenso Lena Fankhauser (Viola).Die Heimat der ersten Geigerin Anne Harvey-Nagl ist Melbourne (Australien). Zweite Violine spielt Anais Tamisier aus Avignon in Frankreich und Mara Achleitner aus USA ist Cellistin.

Nach Studium und Ausbildung in ihren Heimatländern trafen sich alle in Wien und musizieren dort an der Volksoper, der Kammerphilharmonie und beim Radio Symphonie Orchester. Seit 2013 haben sich die Fünf zum Ensemble 5 zusammengeschlossen und begeisterten das Konzertpublikum bei Festivals und Tourneen durch Österreich, Italien, die Schweiz und Frankreich.

Beim Konzert in der vollen Aalener Stadthalle durften nun erstmals auch deutsche Zuhörer die besondere Art dieser Kammermusik kennenlernen.

Außergewöhnlich sind die fein ziselierten Klang-Miniaturen, mit denen dieses Ensemble ihr Pianissimo zum Leuchten bringt. Da erhält der Kontrast zum Forte ein viel stärkeres Gegengewicht und gewinnt an erhöhter Achtsamkeit. Da klingt der Melodiebogen am Schluss eines Stücks nicht einfach aus, sondern wird empfindsam gestaltet und eigens hinaus begleitet.

Das fällt schon in Schuberts Streichquartett Nr. 12 in c-Moll auf, mit dem das Ensemble den Reigen startet. Die besondere Pianissimo-Gestaltung stört die Homogenität keineswegs, sondern führt zu reizvollem Wechselspiel, das noch vielseitiger wird, wenn bei Mozarts Klarinettenquintett in A-Dur (KV 581) eine neue Partnerin dazu kommt. Den warmen Ton der A-Klarinette, die einen halben Ton unter dem helleren B-Instrument liegt, weiß Séverine Payet voll zur Wirkung zu bringen.

Ihre Klangkaskaden passt die Kanadierin präzise in das Gefüge der Streicher ein, die der Solistin einfühlsam den Vortritt bei den Solopassagen einräumen.

Dafür darf das Quartett Mendelssohns Capriccio in e-Moll ganz nach eigenem gusto gestalten, was die erste Geigerin zu faszinierenden Soli nutzt. Längst vergessen sind die kleinen verhuschten Achtel, die bei Schubert etwas gestört hatten. Die Sensibilität des Andante con moto und die Brillanz des Allegro fugato machen alles wieder wett. Die pikanten Pizzicati des Cellos und die schmeichelnden Passagen der zweiten Violone und der Viola verleihen Würze und Struktur.

Krönender Schluss ist das Klarinettenquintett in h-Moll Op. 115 von Johannes Brahms. Überbordende Melodienseligkeit und Musizierfreude, mit denen das viersätzige Werk mitreißend interpretiert wird, belohnt das Publikum mit langanhaltendem begeisterten Beifall. Die Wiener revanchieren sich mit einem glitzernden Larghetto affetuoso des englischen Komponisten Samuel Coleridge-Taylor.

Im Namen des Konzertrings überreichte dessen Geschäftsführerin Simone Fürst-Adriaans Geschenke an das gefeierte Ensemble. Den Musikfreunden, deren Konzert-Abonnements deutlich zugenommen hätten, versprach sie noch viele schöne musikalische Genüsse in der so erfolgreich begonnenen Saison.

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