Fast vergessen: Wilhelm Jedele erster Ehrenbürger Aalens

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Das Bild zeigt ein Porträt des Aalener königlich-württembergischen Forstdirektors Wilhelm Jedele auf einem Ölgemälde, das sich (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Johannes Müller

Keine Ehrentafel am Rathaus, kein Denkmal und keine Straße erinnern an ihn. Und doch ist Wilhelm Jedele als erster Ehrenbürger in Aalen nicht ganz vergessen. Als königlich-württembergischer Revierförster hat er von 1845 bis zu seinem Tod 1872 Unvergessliches geleistet: Er hat das beliebte Tannenwäldle beim Grauleshof, den Wald am Langert und den heute noch existierenden Eibenbestand beim Fürsitz in Attenhofen angelegt. Auch der Charakter der Streuobstwiesen rund um Aalen geht auf sein Wirken zurück.

Nicht wenige seiner Nachkommen sind angesehene Bürger Aalens und können ihren Stammbaum auf die sechs Söhne und sechs Töchter von Wilhelm Jedele zurückführen. 1810 als Georg Wilhelm Jedele in Denkendorf geboren hat er an der Akademie Stuttgart-Hohenheim Forstwirtschaft studiert. Am 29. Oktober 1845 wurde ihm von der Finanzkammer Stuttgart das Amt eines königlich-württembergischen Revierförsters in Aalen übertragen.

Über ihren Urgroßvater weiß Gisela von Querfurt, geb. Jedele noch Vieles zu berichten. „Sein Amtssitz war das Forsthaus in der Friedrichstraße gegenüber dem heutigen Postamt, unweit vom Gaulbad.“ Erkennbar war das Forsthaus durch ein großes, respektables Hirschgeweih an der Fassade zur Friedrichtraße.

Hier wuchs die kinderreiche Familie auf. Von den zwölf Kindern blieb nur der Sohn Julius in Aalen, der Stammvater der heute noch in Aalen ansässigen Jedeles. Er wurde Uhrmacher und hatte sein Geschäft am Marktplatz, heute Juwelier Mallwitz. Auch Otto Jedele, der Inhaber der ehemaligen Eisengießerei Jedele, zählt zu den zahlreichen Nachfahren von Wilhelm Jedele.

Der frühere Kreisarchivar Bernhard Hildebrand hatte angeregt, die Aalener Ehrenbürger nicht zu vergessen und sie auf einer Ehrentafel im Foyer des Aalener Rathauses zu erwähnen. Die von ihm zitierte Ehrenbürgerreihe begann mit Wilhelm Jedele und setzte sich fort mit Moritz Mohl, Heinrich Bosch, Julius Bausch, Jakob Schweiker, Wilhelm Merz, Christian Oesterlein, Heinrich Rieger, Friedrich Schwarz, Roland Ayßlinger, Johannes Uhlmann, Erwin Rommel, Franz Josef Fischer (Weihbischof), Carl Schneider, und Karl Schübel. Heute wäre noch Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle als vorläufig letzter Ehrenbürger hinzuzufügen.

Allerdings weist auf unsere Anfrage Dr. Roland Schurig, Leiter des Stadtarchivs, auf einen seit dem 19. Jahrhundert eingetretenen Wandel des Begriffes Ehrenbürgerschaft hin. Im Fall Wilhelm Jedeles sei die Ehrenbürgerschaft nicht mit der später offiziell zu Ehrenbürgern Ernannten vergleichbar. Wilhelm Jedele sei als von außerhalb nach Aalen Zugezogenem und wegen seiner Verdienste um den städtischen Waldbestand die Rechte eines „Bürgers von Aalen ehrenhalber“ verliehen worden. Dazu habe der Stadtrat seine Zustimmung gegeben.

Weil dies nicht mit der Ehrenbürgerwürde der später dazu Ernannten vergleichbar wäre, so argumentiert Dr. Schurig, wäre es problematisch und nicht angebracht, ihn in einem Atemzug mit den später ernannten Ehrenbürgern etwa auf einer Ehrentafel im Rathaus zu nennen oder ihm eine Straße widmen. Vergessen sollte man Wilhelm Jedele schon wegen seiner unstreitbaren Verdienste um die Stadt jedoch nicht.

Wilhelm Jedele hatte auf dem Sankt-Johann-Friedhof unweit der Johanniskirche ein Ehrengrab. Es wurde von der Stadt in den Jahren 1944/45 geräumt und das Gußkreuz der Frau Ruckh-Jedele, einer Urenkelin Wilhelm Jedeles ausgehändigt. Das Kreuz ist heute noch auf dem Familiengrab Ruckh-von Elpons.

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