Farbenfroher Empfang in Indien

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Delegation des Vereins Freundeskreis Indienhilfe zu Gast in Indien, rechts Dekan B. Marreddy. (Foto: Freundeskreis Indienhilfe)
Aalener Nachrichten

Bei hochsommerlichen Temperaturen hat eine Delegation des Aalener Vereins Freundeskreis Indienhilfe für zehn Tage in Indien den Bundesstaat Andhra Pradesh besucht. Zweck der Reise war es, die vom Freundeskreis unterstützten Projekte in der Umgebung von Nandyal zu besichtigen und sich von der Wirkung der geförderten Maßnahmen zu überzeugen.

Die 22-köpfige Gruppe unter der Leitung des Vereinsvorsitzenden Friedrich Hägele aus Hofherrnweiler war in der vom Verein finanzierten Schule Navajeevan (Neues Leben) für taubstumme Kinder in Nandyal untergebracht. Von dort aus ging es jedem Morgen mit dem Schulbus zu einer anderen Einrichtung, die Geld vom Verein erhält. Die Organisation vor Ort lag in den Händen des indischen Dekans B. Marreddy, der in über 30-jähriger Zusammenarbeit mit Friedrich Hägele unzählige Einrichtungen für benachteiligte Kinder gebaut und betreut hat. „Ehrenamtlich und ohne jegliche Verwaltungskosten für deutsche Spender“, betonen die beiden Initiatoren der Indienhilfe.

Farbenfroh, ausgelassen und mit viel Musik und Tanz wurden die deutschen Gäste in den verschiedenen Schulen für blinde oder andere behinderte Kinder begrüßt sowie in der English-Medium-School für Kinder, die ohne deutsche Zuwendung keine Schulbildung erhalten würden.

Leitung wird an indische Ordensgemeinschaft übergeben

„Inzwischen beschulen wir in den Einrichtungen über 3300 Kinder und betreuen sie, wenn nötig, in den angegliederten Internaten“, berichtet der Vereinsvorsitzende Friedrich Hägele. „Sobald eine Einrichtung auf festen Beinen steht, wird die Leitung an eine indische Ordensgemeinschaft übergeben, deren Schwestern einen bewundernswerten und selbstlosen Einsatz leisten.“

In Gopavaram durften einige Reiseteilnehmer die ersten fünf Zimmer eines Wohnheims für erwachsene Behinderte einweihen, indem sie eine Kokosnuss auf der Schwelle zerschlugen und die Kokosmilch darauf verspritzten – ein indischer Brauch, der dem Haus Glück verspricht. Insgesamt 100 Behinderte werden ab 2020 in dem Wohnheim mit angeschlossener Werkstatt ein neues Zuhause finden.

68 Häuser eingeweiht

Mit einem Festumzug und viel Tamtam auf großen Pauken verbunden war die Einweihung von 68 Häusern in einem Dorf südlich von Nandyal. Anders als die ärmlichen Hütten, die oft nur von ein paar Folien zusammengehalten werden und im Monsun regelrecht untergehen, wurden die neuen Häuser erhöht gebaut, betoniert und mit regenfestem Dach ausgestattet. Die Baumaterialen werden durch deutsche Spender finanziert, bauen muss die Familie in Eigenleistung.

Beeindruckt war die Delegation vor allem von der Nachhaltigkeit der deutschen Hilfe für Bildung und Ausbildung: Die trennenden Kastengrenzen werden außer Kraft gesetzt, behinderte und nichtbehinderte Kinder aller Religionen, Jungen und Mädchen, lernen und leben gemeinsam, die eingesetzten Lehrkräfte und Sonderpädagogen werden vor Ort ausgebildet und die Schulen werden mit viel Hingabe kompetent und zukunftsorientiert geleitet. In weiterführenden Projekten wie Nähkursen erhalten vor allem Mädchen die Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren.

Besonders eindrücklich kam dies in der Examensfeier junger Krankenschwestern zum Ausdruck. Nach zweijähriger Lehrzeit, die von den katholischen Sankt Anna Schwestern getragen wird, haben über 100 Mädchen die Chance, ihren Lebensunterhalt eigenständig zu verdienen. „Jeder Cent meiner Spende ist gut angelegt und vervielfacht seinen Wert durch die fruchtbare Arbeit der Schwestern und Lehrkräfte“, urteilt eine Teilnehmerin am Ende der Projektreise.

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