Familienstreit endet vor Gericht

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 Wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung musste sich eine 20-Jährige vor Gericht verantworten.
Wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung musste sich eine 20-Jährige vor Gericht verantworten. (Foto: Frank Rumpenhorst)
Edwin Hügler

Glimpflich davongekommen ist eine 20-jährige Aalenerin, die sich wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Aalen verantworten musste. Amtsgerichtsdirektor Martin Reuff verurteilte die Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu 60 Tagen Sozialarbeit und zu einem sozialen Trainingskurs.

Zum Hintergrund der Tat war zu erfahren, dass es eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gegeben hat und insbesondere die Angeklagte mit dem Partner ihrer Mutter nicht zurecht gekommen sei. Die Folge waren öfter Beleidigungen und verbale Auseinandersetzungen.

Eskaliert ist die angespannte Situation den Ausführungen von Staatsanwältin Andrea Koller zufolge am 5. Juli 2018. Die Angeklagte hat ihre Mutter in deren Wohnung aufgesucht und sie als „Schlampe und Hure“ bezeichnet.

Außerdem hat sie elektronische Geräte wie zwei Laptops, einen Fernseher, eine Stereoanlage und ein Handy beschädigt. Der entstandene Sachschaden wurde auf 2625 Euro beziffert.

Angeklagte soll Mann gebissen haben

Als die Mutter ihren Lebensgefährten angerufen hat und dieser dann am Tatort erschienen ist, kam es neben weiteren Beleidigungen zu einem heftigen Gerangel. Dem Mann ist es gelungen die Angeklagte zu fixieren, doch nachdem diese den Anschein gemacht hat, dass sie gehen wolle, hat er sie losgelassen. Daraufhin hat die Angeklagte dem Mann mit einem Kerzenständer einen Schlag am Kopf versetzt und ihn in den Oberarm gebissen.

Involviert in die ganze Auseinandersetzung waren auch die Großeltern der Angeklagten. Erst als die Polizei mit sechs Beamten aufgetaucht ist es, beruhigten sich die erhitzten Gemüter.

Verfahren gegen Lebensgefährten eingestellt

Die Ermittlungen haben ergeben, dass auch die Angeklagte bei der Tat sich Verletzungen zugezogen hat. Ein entsprechendes Verfahren gegen den Mann wurde jedoch eingestellt, da sein Eingreifen als Notwehr gewertet wurde.

Die Angeklagte räumte die Tat ein und entschuldigte sich dafür, einen Kerzenständer eingesetzt zu haben. Täter-Opfer-Ausgleichsgespräche haben zu dem Ergebnis geführt, dass sich die 20-Jährige inzwischen mit ihrer Mutter versöhnt hat. Mit dem Partner der Mutter war dies nicht möglich.

Angeklagte will im September eine Lehre beginnen

Im Hinblick auf die persönlichen Verhältnisse der derzeit arbeitslosen Angeklagten wurde ihr zugutegehalten, dass sie nicht vorbestraft ist und im Herbst eine Ausbildung als Friseurin beginnen will. Staatsanwältin Andrea Koller und Rechtsanwalt Hartmut Zobel waren sich darin einig, dass in diesem Fall Jugendstrafrecht anzuwenden sei.

Dies sah auch Amtsgerichtsdirektor Martin Reuff so und verurteilte die Angeklagte zu 60 Tagen Sozialarbeit und zu einem sozialen Trainingskurs. Den materiellen Schaden, der dem Partner ihrer Mutter entstanden ist, soll sie nach besten Kräften ersetzen.

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