Evangelische Kirchengemeinde: Jahr der Veränderungen

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In diesem Jahr heißt es endgültig Abschied nehmen von der Martinskirche im Zebert (unser Bild) und der Markuskirche im Hüttfeld
In diesem Jahr heißt es endgültig Abschied nehmen von der Martinskirche im Zebert (unser Bild) und der Markuskirche im Hüttfeld. (Foto: Thomas Siedler)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Von einem Jahr der Veränderungen in der evangelischen Kirchengemeinde spricht Dekan Ralf Drescher. Dafür hat er viele Gründe: Die Umsetzung des Pfarrplans beginnt, die Parochien entfallen, die Pfarrbezirke werden neu zugeschnitten und die Pfarrämter neu benannt. Vor allem aber: Die Fertigstellung des evangelischen Gemeindehauses in der Stadtmitte rückt näher. Die Einweihung ist für 16. September vorgesehen, eine Woche nach den Reichsstädter Tagen.

Die Freude darauf ist jedoch nicht ungetrübt. Denn diesem Fest voraus geht der Abschied von den Gemeindezentren Martin und Markus. „Wir wollen uns Zeit nehmen für den Schmerz des Abschieds und für den Dank, den wir mit diesen Häusern verbinden“, sagt der Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderates. In beiden Gemeindezentren werden deswegen Bücher ausgelegt, in denen jeder seine Gedanken niederschreiben kann, die ihn mit diesem Gemeindezentrum verbinden, in dem man aber auch seine Trauer ausdrücken kann. Diese empfinden auch Drescher und der zweite Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats, Thomas Hiesinger. „Eine Kirche gibt man nicht einfach so auf“, sagt der Dekan. Und Hiesinger bekennt: „Diese Entscheidungen haben mir manche schlaflose Nacht bereitet!“

Die beiden Zentren aufzugeben ist ein wesentlicher Teil des Immobilienkonzepts, das der Kirchengemeinderat vor ziemlich genau fünf Jahren beschlossen hat. Das Gremium reagierte damit darauf, dass die evangelische Kirche Mitglieder verliert und die verbleibenden immer älter werden und dass absehbar ist, dass in einigen Jahren die Einnahmen aus der Kirchensteuer deutlich einbrechen werden.

Die Areale der bisherigen Gemeindezentren hat die Kirchengemeinde, wie mehrfach berichtet, an die städtische Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Bei der Gestaltung der Kaufverträge sei man bewusst nicht aufs Äußerste gegangen, unterstreicht der Dekan, denn den Verantwortlichen der Kirchengemeinde sei wichtig gewesen, dass bei der Neubebauung der Grundstücke Wohnraum entsteht, den sich Familien mit kleinen und mittleren Einkommen leisten können.

Gemeindekonzept für 700 Gläubige

Noch wichtiger als das Immobilien- ist das Gemeindekonzept für die knapp 7000 Gläubigen, dessen Umsetzung jetzt ebenfalls anläuft, unterstreicht Hiesinger. Damit verbunden sind erhebliche Eingriffe in die Struktur. Der Dekan sieht’s positiv: „Damit werden wir vollends eine Kirchengemeinde.“

Mit dem Pfarrplan reagiert die Landeskirche auf die aktuellen Entwicklungen. In Aalen bedeutet dies konkret, dass die Kirchengemeinde in diesem Jahr zwei 50-Prozent-Stellen einsparen muss. Bereits aufgelöst ist die Pfarrstelle Peter und Paul. Die Vollzeitstelle an der Markuskirche wird spätestens bis zum Jahresende um 50 Prozent reduziert. Betroffen ist davon Pfarrer Marco Frey, der dann allerdings zusätzlich den 25-Prozent-Anteil des Bezirksjugendpfarramts und zu weiteren 25 Prozent Vertretungsaufgaben übernimmt. Veränderungen wird es auch bei der Hochschulseelsorge geben, während die Stelle in der Krankenhausseelsorge neu ausgeschrieben wird.

Angesichts dieser umfangreichen Veränderungen sei es notwendig geworden, die Pfarrbezirke neu zuzuschneiden, sagt Drescher weiter. Die seitherigen Parochien, also die Gemeindebezirke, wurden aufgelöst, um Mehrfachstrukturen abzubauen. Der Dekan: „Die personellen Ressourcen ehren- und hauptamtlicher Mitarbeiter sollen künftig stärker der inhaltlichen Arbeit zugute kommen.“ Auch die unechte Teilortswahl wurde abgeschafft und das Gremium des Kirchengemeinderates von 16 auf zwölf Sitze verkleinert.

Geändert wurden schließlich auch die Namen der Pfarrämter: Sie lauten jetzt: Aalen Stadtmitte I mit Dekan Ralf Drescher, Aalen Stadtkirche Mitte II mit Pfarrer Bernhard Richter, Aalen Stadtkirche Ost mit Pfarrerin Caroline Bender und Aalen Stadtkirche West mit Pfarrer Marco Frey. Bleiben werden die Gottesdienste im Christhaus in Waldhausen, in Peter und Paul, in der Johanneskirche und im Krankenhaus. Drescher stellt außerdem klar: „Peter und Paul stand nie zur Disposition, denn da soll die Ökumene sichtbar werde!“

Abschiede stehen an

Am Sonntag, 17. Juni, nimmt die evangelische Kirchengemeinde Abschied von der Markuskirche. Ab 14 Uhr gibt es Beiträge sowie einen Imbiss. Um 15.30 Uhr beginnt der letzte Gottesdienst. Die Seniorkantorei, die in diesem Gotteshaus fünf Jahre geprobt hat, gestaltet ihn mit. Am Samstag, 30. Juni, ist der Abschied in der Martinskirche. Die Feier beginnt um 14 Uhr mit Beiträgen bei Kaffee und Kuchen. Um 18.30 Uhr wird der letzte Gottesdienst gefeiert. Die Aalener Kantorei, die fünf Jahre in dieser Kirche geprobt hat, gestaltet ihn mit. In beiden Gottesdiensten predigt die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz. Die Kirchenleitung mache damit deutlich, sagt Dekan Ralf Drescher, dass sie hinter der Entscheidung stehe, die Gemeindezentren aufzugeben. Am Sonntag, 1. Juli, feiert die Kirchengemeinde einen gemeinsamen Gottesdienst in der Stadtkirche.

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