Esperanto-Bibliothek in Aalen wird 100 Jahre alt

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Deutsche Presse-Agentur

Auch den Klang der Sprache findet er einfach nur schön. Schaeffer ist Geschäftsführer der Deutschen Esperanto-Bibliothek in Aalen (Ostalbkreis), die dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Die Bibliothek entstand aus der im August 1908 gegründeten Bibliothek des Sächsischen Esperanto-Instituts. Sie gehört weltweit zu den fünf größten Esperanto-Bibliotheken.

Der polnische Augenarzt Ludwig Zamenhof erfand Esperanto 1887. „Hoffender“ bedeutet der Name der Kunstsprache. Esperanto besteht zu 50 Prozent aus romanischen Wörtern, 40 Prozent der Wörter sind germanischen und zehn Prozent slawischen Ursprungs. Zamenhofs Ziel war es, eine Weltsprache zu entwickeln, die jeder sprechen und relativ leicht erlernen kann. „Schon Hildegard von Bingen versuchte, so eine Sprache zu entwickeln“, sagt Schaeffer. „Aber keiner dieser Versuche hat überlebt, nur Esperanto ist geblieben.“

Mehr als 21 000 Bücher stehen in den Regalen der Bibliothek, die selber wiederum in der Bibliothek der Stadt Aalen untergebracht ist. Katalogisiert wurden die Bücher von einem Pfarrer in Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen). Als dieser sein Pfarrhaus räumte, kamen die Bücher und damit die ganze Bücherei 1989 nach Aalen. Klassiker der Weltliteratur wie Schiller, Shakespeare und Goethe haben in der Bibliothek genauso ihren Platz gefunden wie der Struwwelpeter oder Asterix und Obelix.

Und dennoch: Die Kunstsprache konnte sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht durchsetzen. „Sprachen werden von Regierungen durchgesetzt. Wenn die Politik nicht dahintersteht, setzt sich eine Sprache auch nicht durch“, sagt Schaeffer überzeugt und bedauert es zugleich. Würden alle Menschen eine Sprache sprechen, gebe es wohl auch weniger Kriege und Krisen, vermutet er.

Englisch ist für ihn nicht die Lösung. In China etwa werde die leicht erlernbare Sprache Esperanto in riesigen Sporthallen unterrichtet. Nach Ansicht von Schaeffer sollte Esperanto aber nur eine Zweitsprache sein. „Jeder soll seine Heimatsprache und zusätzlich Esperanto als neutrale Verständigungssprache sprechen.“

Zumindest sollte jeder, der Schaeffer telefonisch erreichen möchte, Bruchstücke der Sprache beherrschen. Denn auf seinem Anrufbeantworter meldet er sich mit dem Satz: „Mi estas bedaurinde ne hejme“ (Ich bin leider nicht zu Hause).

Esperanto-Bibliothek in Aalen: esperanto-bibliothek.gmxhome.de

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