Erwin Rommel: Umstrittener Ehrenbürger Aalens

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Die „Heimatstadt Aalen“ machte den Stolz auf den berühmten Heerführer öffentlich und zeichnete Erwin Rommel als Ehrenbürger aus
Die „Heimatstadt Aalen“ machte den Stolz auf den berühmten Heerführer öffentlich und zeichnete Erwin Rommel als Ehrenbürger aus. (Foto: Bildrechte: Stadtarchiv Aalen)
Schwäbische Zeitung
Redakteurin/DigitAalen

Auf der Urkunde ist Erwin Rommel in dicken, verschnörkelten Buchstaben als Ehrenbürger der Stadt verzeichnet. Fast so, als könnten die Schnörkel und Ornamente beschönigen, wofür der Mann im Jahr 1940 ausgezeichnet wird: Für seine Kriegsführung unter Adolf Hitler. In der öffentlichen Wahrnehmung ist er allerdings eine umstrittene Person.

In Aalen hatte der spätere Generalfeldmarschall zwölf Jahre gelebt, er kam 1898 als Sechsjähriger mit seiner Familie aus Heidenheim. Sein Vater hatte in Aalen eine Stelle als Realschulrektor angetreten. Die Familie Rommel wohnte zeitweise in einem Haus an der Ecke Pahl-/Zapfstraße. In dieser Zeit soll der junge Erwin Rommel an dem ersten bemannten Segelflug im Kälblesrain beteiligt gewesen sein.

Diese zwölf Jahre nahm der damaligen NSDAP-Bürgermeister Karl Schübel zum Anlass im Juni 1940 einen Brief an Rommel zu schreiben, der zu diesem Zeitpunkt eine Division in Frankreich anführte. Schübel schrieb Rommel, dass er als Ehrenbürger seiner „Heimatstadt Aalen“ ausgezeichnet werde. Die Stadt wolle den „Generalmajor als Kommandant der Panzerdivision für seine umsichtige Führung, den persönlichen Schneid“ ehren. Es ist von Tapferkeit und Ritterlichkeit die Rede.

Ein Aushängeschild der NS-Propaganda

Rommel war zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Höhepunkt seiner Karriere, allerdings feierte ihn die nationalsozialistische Propaganda bereits für seine Erfolge im Frankreichfeldzug. „Er trat so auf, wie sich die Nationalsozialisten den deutschen Soldaten vorstellten“, sagt der Aalener Stadthistoriker Georg Wendt. Und Rommel habe sich gern der Propagandamaschinerie zur Verfügung gestellt.

Angesichts dieses Bekanntheitsgrades war für die „Heimatstadt Aalen“ eine Ehrenbürgerschaft also naheliegend. Für Wendt ist die Ehrung im damaligen Kontext absolut nachvollziehbar ist. „Er hat in das System hinein gepasst.“

Das Verhältnis zu Hitler war eng: Für Hitler war Rommel der Vorzeigegeneral – er wiederum sah in Hitler den Führer, der dem Militär wieder zu dem Staus verhalf, den es seiner Meinung nach verdiente. „Ohne den Nationalsozialismus und den Krieg hätte Rommel nicht so eine Karriere gehabt“, sagt der Historiker. Ideologisch schien Rommel allerdings keine starke Meinung zu vertreten. Im Gegenteil: „Ihm wird unterstellt, dass er politisch sehr naiv war.“ Rommel soll beispielsweise Hitler 1943 empfohlen haben, einen Juden als Gauleiter einzusetzen, um die Außenwirkung Deutschlands zu verbessern.

Nach seinem Tod wurde Rommel immer wieder in Zusammenhang mit dem Widerstand genannt. Immer wieder wurde er auch im Zusammenhang mit den Widerständlern vom 20. Juli 1944 um Stauffenberg genannt. Und tatsächlich taucht sein Name in einigen Dokumenten der Hitlergegner auf. Die Folge: Die NS-Führung stellte Rommel im Oktober 1944 vor die Wahl, „ehrenhaft“ Selbstmord zu begehen oder samt seiner Familie gerichtlich verfolgt zu werden. Was damals bedeutet hätte, sich in die mörderischen Fänge der NS-Justiz zu begeben. Rommel, der zu diesem Zeitpunkt mit einer Kriegsverletzung zu kämpfen hatte, schluckte die Zyankalikapsel.

Versuche vom Widerstand, Rommel zu gewinnen

Beteiligt am Widerstand war Rommel also nicht – zumindest ist nur historisch erwiesen, dass es vorsichtige Versuche von Oppositionellen gab, Rommel auf ihre Seite zu ziehen. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass er aktiv beteiligt war“, sagt Wendt. „Er hat sich nach dem 20. Juli nicht positiv über das Attentat geäußert. Soldatische Treue und Ehre gingen ihm über alles. Aber immerhin hat er auch nicht die Widerständler verraten.“

Positiv für Rommels Image nach dem Tod sei sicher auch gewesen, dass der „Wüstenfuchs“ stets an Fronten kämpfte, wo Kriegsverbrechen nicht so alltäglich waren wie an der Ostfront. Auch deswegen feierten viele Deutsche Rommel nach dem Krieg als weltbekannten Offizier mit weißer Weste und Nazigegner.

Wie Aalen mit der Ehrenbürgerschaft umgeht, sieht Wendt als die Aufgabe der Politik. Aus städtischer Sicht ist der Heerführer heute nicht mehr Ehrenbürger der Stadt, die Auszeichnung wird nur auf Lebzeiten vergeben und ist mit seinem Tod erloschen. Daher sieht Wendt es als symbolische Entscheidung, die Auszeichnung im Nachhinein zu entziehen. Eine andere Sache sei die Erwin-Rommel-Straße, die im Hüttfeld noch heute so heißt. Man müsse überlegen, was 1955 die Beweggründe für diese Straßenbenennung waren und wie weit diese von unserem heutigen Wissensstand und Wertesystem entfernt sind.

 

Das sei aber die Aufgabe der Gemeinderäte. Seiner persönlichen Meinung nach seien Namensänderung die Ultima Ratio. Man müsse sich gut überlegen, ob man „dieses scharfe Schwert“ bei Erwin Rommel einsetzt. Wendt selbst sei ein Freund von Kommentierungen. „Ich fände es gut, vor Ort über den Menschen Rommel zu informieren und zu erklären, warum diese Straße damals so benannt worden ist.“

Menschenleben seien eben nie schwarz-weiß und selten eindeutig.

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