Endlich mehr Zeit für die Familie haben

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Endlich mehr Zeit für die Familie haben (Foto: Sascha Baumann I all4)
Schwäbische Zeitung
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Nach einer Berufstätigkeit von 49 Jahren möchte er nun endlich mehr Zeit für die Familie haben, zumal er seit wenigen Tagen stolzer Großvater von inzwischen zwei Enkelsöhnen ist: Georg Brunnhuber. Wann genau allerdings sich der Cheflobbyist der Bahn und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete von der Ostalb, der nach wie vor in Oberkochen wohnt, diesen Wunsch erfüllen kann, ist offen. Denn Brunnhubers Aufgaben soll der seitherige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla übernehmen – und diese Personalie wird bekanntlich momentan sehr kontrovers diskutiert.

Brunnhuber wird am 18. Februar 66 Jahre alt und wäre schon längst im Ruhestand. Sein Vertrag wäre schon vor einem knappen Jahr ausgelaufen, bestätigte er gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Angesichts der damals bevorstehenden Bundestagswahl habe ihn Bahnchef Rüdiger Grube jedoch gebeten, noch etwas zu bleiben, und so habe man sich darauf geeinigt, den Vertrag bis Jahresende 2013 zu verlängern. Als die Nachfolgefrage im Dezember immer noch nicht geregelt gewesen sei, habe man das Vertragsverhältnis erneut verlängert – bis Ende März 2014. Brunnhuber geht nun davon aus, dass der Aufsichtsrat der Bahn im ersten Quartal 2014 über die Personalie entscheidet. Und wenn nicht? „Ich laufe dem Herrn Grube nicht davon und lasse ihn nicht im Stich.“ Soll heißen: Dann muss der Ruhestand noch etwas länger warten.

Aber kommen soll er schon, der dritte Lebensabschnitt. Denn als 17-Jähriger habe er seine Zimmermannslehre angefangen, blendet Brunnhuber zurück, und seither sei er immer berufstätig gewesen und darüber hinaus politisch aktiv als Kreisvorsitzender der Jungen Union und später der CDU.

In Minutenschnelle reagieren

Vor allem, seit der damalige Wirtschaftsbeauftragte des Ostalbkreises 1990 in den Bundestag einzog, war er die Woche über in der Regel weg. 2010 übernahm er als Abteilungsleiter und Cheflobbyist den Bereich „Wirtschaft, Politik und Regulierung“ bei der Bahn mit 45 Mitarbeitern. „Wir formulieren den politischen Auftritt der Bahn nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und weltweit“, beschreibt er seine Aufgaben. „Wir müssen in Minutenschnelle auf Tagesereignisse reagieren, auch am Wochenende, und den Vorstand sofort sprachfähig machen. Da sind wir auch stark.“ Dies bedeute für ihn aber auch, dass er ständig quer durch die Republik auf Achse sein müsse und die Woche über aus dem Koffer lebe. Auch momentan sei er voll ausgelastet, weil es gelte, sich auf die neue Koalition einzustellen.

Über die Arbeit des früheren CDU-Abgeordneten von der Ostalb bei der Bahn schreibt etwa die „Giessener Zeitung“, bei Brunnhuber sei es nicht um „Peanuts“ wie Regionalverkehre in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Bayern gegangen, deren Vergabe an die Bahn kurze Zeit später der Rückzug der jeweils unterzeichnenden Landesverkehrsminister aus der Politik und ein bezahltes Arbeitsverhältnis bei der DB AG gefolgt sei. Bei Brunnhuber sei es um den großen Wurf, die Privatisierung der Bahn und Stuttgart 21, gegangen.

Nicht über Nachfolger diskutieren

Brunnhuber war bis 2009 als Bundestagsabgeordneter Sprecher der CDU/CSU-Landesgruppen, Mitglied im Verkehrsausschuss und als solcher von 2006 bis 2010 im Aufsichtsrat der Bahn. Im März 2010 wurde bekannt, dass er politischer Berater Grubes bei der Bahn werden soll. Aufgrund der öffentlichen Empörung sei dieser Posten jedoch nicht formell im Vorstand angesiedelt worden.

Dass Brunnhuber schon im Spätsommer das Interesse Pofallas an seinem Posten ins Gespräch gebracht haben soll, kontert er so: „Ich werde niemals öffentlich über meinen Nachfolger diskutieren.“ Dass er selbst nach seiner Zeit bei der Bahn sich nur die Hände in den Schoss legt, daran mag Brunnhuber noch nicht so recht glauben. „Was dann wird, das lasse ich in aller Ruhe auf mich zukommen.“

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