Emotional und dramatisch

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Das Gastspiel des Stuttgarter Balletts in Aalen setzet immer wieder ein kulturelles Glanzlicht.
Das Gastspiel des Stuttgarter Balletts in Aalen setzet immer wieder ein kulturelles Glanzlicht. (Foto: Thomas Siedler)
Schwäbische Zeitung
Edwin Hügler

Das Stuttgarter Ballett von Intendant Reid Anderson genießt international einen ausgezeichneten Ruf. Die regelmäßigen Gastspiele der Compagnie in Aalen setzen immer wieder ein kulturelles Glanzlicht. Nicht anders ist es am Freitag gewesen, als das Ensemble mit den meisterhaften Choreografien von John Cranko das Publikum in der ausverkauften Stadthalle begeisterte. Die vielen Zuschauer hatten zweifellos die Gelegenheit, die hohe Schule der Ballettkunst zu bewundern.

John Cranko hat 1961 die Stuttgarter Compagnie gegründet, auch 45 Jahre nach seinem Tod 1973 ist sein choreografisches Werk lebendiger denn je und wird gerade vom Stuttgarter Ballett mit spürbarer Freude, viel Enthusiasmus und großem Einfühlungsvermögen inszeniert. Die tanzenden Figuren auf der Bühne versprühen eine einzigartige Eleganz, dramatische Elemente wechseln sich ab mit romantischen Szenen und verbinden sich zu einem optischen Kunstwerk. Das Stuttgarter Ballett bietet einfach Genuss pur.

Voller Melancholie und Komik

Beim Auftritt in Aalen bildeten Auszüge aus Brouillards den Pogrammauftakt. Zur Klaviermusik von Claude Debussy, gespielt von Pianistin Maria Kiosseva, entwickelten die Akteure bei „La Puerto del vino“ oder bei „Bruyères“, den „Feuilles mortes“ und bei „General lavine eccentric“ Motive wie Freundschaft, Melancholie und Komik. Pantomimische Elemente unterstrichen den überwiegend fröhlichen Charakter dieser impressionistischen Darbietung. Der mit Musik von Johannes Brahms inszenierte dritte Satz auf John Crankos Initialien R.B.M.E. bot spektakuläre Bilder menschlicher Gefühle mit einer ergreifenden Schlussszene.

Im zweiten Teil des Abends widmete sich das Stuttgarter Ballett der künstlerischen Ausdrucksform des Pas de deux, ein Duett im ewig jungen Spiel und in der Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau.

Das hoch emotionale Repertoire reichte dabei vom Klassiker aus dem zweiten Akt von Peter Tschaikowskis „Schwanensee“ über die romantische Balkonszene aus Romeo und Julia bis hin zum Tanz aus „Der Widerspenstigen Zähmung“ – eine spannungsgeladene Szenerie, in der schließlich die Dame nachgibt und ihren Verehrer küsst. Das Publikum war spürbar hingerissen von diesem Feuerwerk der Gefühle.

Dramatische Akzente setzten auch der Tanz „Aus Holbergs Zeit“ auf die Musik von Edvard Grieg und zum guten Schluss der Pas de deux aus dem dritten Akt von Peter Tschaikowskis „Onegin“.

„Es war wieder wunderschön“

Die Besucher belohnten mit lang anhaltendem Applaus die hervorragende Leistung des Stuttgarter Balletts. „Es war wieder wunderschön“, kommentierte eine Zuschauerin.

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