Eltern mit Behinderung ziehen ihr Baby in der Samariterstiftung groß

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 Catharina Söll geht in der Mutterrolle mit ihrem Wonneproppen Amadeus auf.
Catharina Söll geht in der Mutterrolle mit ihrem Wonneproppen Amadeus auf. (Foto: Wesner)
Angelika Wesner

„Ich glaube, ich bin die stolzeste Mama von ganz Aalen“, sagt Catharina Söll. Überglücklich hält sie ihr Baby im Arm. Das Leben der 27-jährigen und ihres Lebensgefährten hat sich mit der Schwangerschaft und der Geburt des kleinen Amadeus komplett verändert. Früher arbeitete Catharina in der Werkstatt an der Hochbrücke der Samariterstiftung Behindertenhilfe Ostalb. Jetzt genießt sie ihre Elternzeit und geht in ihrer Mutterrolle auf. „Schön“ sei diese Erfahrung, schwärmt sie. „Es gibt so viel zu tun: wickeln und baden, füttern, spielen, singen, spazieren gehen.“ Seit Amadeus auf der Welt ist, kennen sie und ihr Freund keine Langeweile mehr.

Catharina Söll und ihr Lebensgefährte haben sich bei der Arbeit in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung kennengelernt. Sie bezogen eine gemeinsame Wohnung und lebten ein weitgehend selbstständiges Leben im Ambulant Betreuten Wohnen (ABW). Amadeus war ein Wunschkind. „Die Schwangerschaft stellte uns alle vor Herausforderungen“, erinnert sich die Bereichsleiterin Wohnen der Behindertenhilfe Ostalb, Gisela Graf-Fischer. Das Kindswohl habe von Anfang an im Fokus gestanden. „Bisher wurden Kinder von kognitiv eingeschränkten Eltern in eine Pflegefamilie vermittelt.“ In diesem Fall jedoch habe man alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den jungen Eltern das Familienglück zu ermöglichen.

Eine Menge Fragen mussten bereits während der Schwangerschaft geklärt werden. An erster Stelle stand eine größere Wohnung. Bisher organisierte Catharina Söll ihren Alltag in vielen Bereichen selbst. Der Jugend- und Heimerzieher Manuel König-Peuker sowie die Sozialpädagogin Jana Hintermeier schauten regelmäßig vorbei, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dieses Betreuungskonzept passte nun nicht mehr, denn der kleine Amadeus benötigt verlässliche Versorgung rund um die Uhr und seine Eltern brauchen eine kompetente Begleitung. Dies sei im ABW nicht zu leisten, weil die Mitarbeiter der Behindertenhilfe nur stundenweise zu den Eltern kommen und die finanziellen Mittel der Jugendhilfe entsprechend beschränkt seien, so Graf-Fischer.

Die werdenden Eltern zogen schließlich in das Appartementhaus für Menschen mit Behinderung in der Aalener Gartenstraße. Hier ist eine 24-Stunden-Versorgung durch Fachpersonal der Behindertenhilfe gewährleistet, während die Eltern trotzdem in größtmöglicher Selbstständigkeit leben können. „Wir mussten Sicherheit schaffen, wo eigentlich keine Sicherheit war“, blickt Manuel König-Peuker auf die vergangenen Monate zurück. „Keiner wusste, wie die Schwangerschaft und die Geburt verlaufen würden. Niemand konnte vorhersagen, wie sich das Baby entwickeln würde.“

Amadeus erblickte im September 2018 das Licht der Welt. Er landete sanft in einem dicht geknüpften Sicherheitsnetz. „Das zu schaffen war ein Kraftakt“, sagt Gisela Graf-Fischer. Seitdem entwickelt sich das Familienleben positiv. „Besser, als wir erwartet haben“, räumt Manuel König-Peuker ein und lobt die jungen Eltern. „Sie bekommen das alles ganz toll hin.“

Ab November hat der Kleine einen KiTa-Platz. Von Anfang an war er ein unkompliziertes Baby. Tagsüber besucht Catharina Söll mit ihm häufig die Seniorentagesstätte im Erdgeschoss des Appartementhauses in der Gartenstraße. „Wenn er da ist, geht ein Lächeln auf“, erzählt die stellvertretende Teamleiterin in der Gartenstraße, Tatjana Ulber. „Der Amadeus ist unser Therapiebaby.“

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