Ein Prinz aus Kamerun in Aalen

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Das historische Foto zeigt Prinz Rudolf Manga Bell (rechts), den Sohn eines Provinzkönigs in Kamerun, sowie Tube Metom (links),
Das historische Foto zeigt Prinz Rudolf Manga Bell (rechts), den Sohn eines Provinzkönigs in Kamerun, sowie Tube Metom (links), den zweiten jungen Kameruner in Aalen, im Kreise der Familie des Aalener Rektors Gottlob Oesterle zusammen mit dessen Frau K (Foto: Archiv Gerhard Kayser)
Schwäbische Zeitung
Johannes Müller

Bei einigen Aalener Familien unvergessen ist die Geschichte von Prinz Rudolf Manga Bell aus Kamerun. Er ging von 1891 bis 1895 auf Aalens Lateinschule (neben der Stadtkirche, heute „Ramba Zamba“), erlitt aber 1914 in seiner Heimat während der deutschen Kolonialzeit ein tragisches Schicksal. Der Berliner Jurist und Journalist Christian Bommarius hat es erforscht. Er berichtet darüber beim Geschichtsverein am Donnerstag, 22. März, um 19 Uhr im Rettungszentrum Aalen.

Unter den Klängen einer Musikkapelle, so berichtet Hermann Stützel in seinem Aalener Heimatbuch, wurden im Jahr 1891 von einer ungeheuren Menschenmenge zwei afrikanische Jugendliche auf dem Bahnhof willkommen geheißen. Zwei echte Dunkelhäutige aus Kamerun waren damals noch eine Sensation. Vor dem Bahnhof wartete in einer Landauer-Kutsche der berühmte Aalener Bürger Gustav Adolf Pahl auf seine Schützlinge. Pahl war seit 1888 Kaiserlicher Finanzrat in Kamerun. Sein Grabstein mit einer Weltkugel ist heute noch auf dem Aalener Friedhof Sankt Johann zu sehen.

In der Stadtkirche getauft und konfirmiert

Pahl brachte die beiden jungen Afrikaner zur Familie Oesterle, die sich zur Aufnahme der Gäste bereit erklärt hatte. Einer der beiden war Prinz Manga Bell, der Sohn eines Provinzkönigs in Kamerun. Während seiner Aalener Schulzeit ließ sich der Prinz in der Stadtkirche taufen und konfirmieren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat übernahm er das Königreich seines Vaters. Im Gegensatz zu ihm, der noch in der traditionellen Vielehe lebte, erwies sich Manga Bell als Christ, lebte mit nur einer Frau und pflegte ein christliches Familienleben.

Er hatte die deutsche Mentalität angenommen und versuchte, die Anliegen des Deutschen Reiches so gut wie möglich zu vertreten. In Verteidigung der Interessen seines Volkes gegen Gebietsansprüche der deutschen Kolonialverwaltung geriet er aber in Konflikt mit deren Vertretern. Zerrissen zwischen Loyalität und Solidarität einerseits sowie Verantwortung andererseits entschied er sich für sein Volk und wurde schließlich wegen Hochverrats zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet.

Christian Bommarius hat über das tragische Schicksal des Prinzen vor zwei Jahren ein Buch herausgebracht mit dem Titel „Der gute Deutsche“, das derzeit vergriffen ist. Bommarius wurde für seine literarische Arbeit mit dem Heinrich-Mann-Preis 2018 ausgezeichnet, der mit 8000 Euro dotiert ist. Der Preis wird ihm am 27.März dieses Jahr in Berlin verliehen.

Gerhard Kayser, der vom Geschichtsverein Aalen mit der Vorbereitung und Organisation der Vortragsveranstaltung betraut wurde, steht mit dem Großneffen des Prinzen, Jean-Pierre Félix-Eyoum, in Verbindung. Kayser berichtete in einem Gespräch mit unserer Zeitung, dass es ihm gelungen sei, den Großneffen nach Aalen einzuladen. Er unterrichtete als Lehrer an einer Behindertenschule in der Nähe von München.

Vor dem Hintergrund des hundertjährigen Gedenkens der deutschen Kolonialzeit, die 1916 zu Ende ging, und des unvergessenen Bezugs zu Aalen wird der Vortrag über das packende Schicksal des Prinzen von Kamerun sicher auf großes Interesse stoßen. Alle daran Interessierten sind eingeladen.

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