Ein magischer Moment der Stille

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 Das Silvesternachtskonzert mit Maximilian Sutter (Trompete) und Thomas Haller (Orgel) in der evangelischen Stadtkirche Aalen ha
Das Silvesternachtskonzert mit Maximilian Sutter (Trompete) und Thomas Haller (Orgel) in der evangelischen Stadtkirche Aalen hat die Zuhörer bezaubert. (Foto: Thomas Siedler)
Gerhard Krehlik

Mit ihren rund 950 Sitzplätzen zählt die Stadtkirche ja nicht gerade zu den kleinsten der Kirchen und dennoch mussten auch in diesem Jahr wieder zwei Dutzend Besucher mit einem Platz auf den Treppen oder einem Stehplatz im Eingangsbereich vorlieb nehmen. So groß war der Andrang zum Konzert in der Silvesternacht.

Nachdem Mesner Fritz Walter das elektrische Licht ausgeschaltet hatte, lag der Kirchenraum im Halbdunkel, nur noch von den aufgestellten Kerzen und den Lichtern am großen Weihnachtsbaum erleuchtet und das leise Gemurmel der vielen Menschen verstummte. In diesem magischen Moment der Stille stimmten Thomas Haller und Maximilian Sutter oben auf der Orgelempore die prachtvolle Musik an – Einzug der Königin von Saba, aus dem Oratorium „Salomon“ von Georg-Friedrich Händel. Dass der junge Trompeter Maximilian Sutter aus Wasseralfingen mittlerweile auf professionellem Niveau musikalisch unterwegs ist, das ist nicht erst seit dem letzten Silvesterkonzert in der Stadtkirche durchaus bekannt. Und dennoch ließ vor allem seine Interpretation des eher selten gespielten Konzerts Nr. 3, D-Dur von Johann Wilhelm Hertel aufhorchen. Stabiler Ansatz und Tonqualität in höchster Lage auf der Piccolo-Trompete, dazu absolute Treffsicherheit und geschmeidige, virtuose Grifftechnik in den zahlreichen Trillern und Verzierungen der beiden raschen Ecksätze dieser höchst anspruchsvollen Komposition, prägten das Spiel von Maximilian Sutter.

Zwischen dem musikalischen Feuerwerk der Ecksätze spielte er im langsamen Mittelsatz eine zauberhaft schöne Kantilene. Aber auch in zeitgenössischen Werken wie einer „Elegy“ von Rolf Wallin oder der romantischen Liebesballade „For you“ aus der Feder von Enrico Pasini konnte Sutter auf der B-Trompete mit gefühlvollem, ausdrucksstarkem Spiel überzeugen.

Ein souveränder Begleiter

Thomas Haller war dem Trompeter ein sensibler Begleiter auf der Orgel und spazierte als Solist in einer Choralfantasie über den „Morgenstern“ von Dietrich Buxtehude, einer Pastorale von Guilmant und der Toccata aus der 5. Symphonie von Widor souverän und kreativ durch die Register seiner Orgel.

Für seine Begrüßung hatte Pfarrer Bernhard Richter zuvor den Liedtext von Jochen Klepper „Der Du die Zeit in Deinen Händen hältst…“ gewählt. Nach der Lesung aus dem Römerbrief XII des Apostels Paulus, nach Gebet und Segen und dem gemeinsam gesungenen Lied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ strömten die Menschen dann hinaus in die Nacht, gesegnet und musikalisch eingestimmt auf die letzte Stunde des Jahres 2018.

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