Ein Flirtkus an der Volkshochschule

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 Der Flirkurs in der Volkshochschule inklusive Stuhlkreis sollte der „Generation 55 plus“ am Ende nichts nützen.
Der Flirkurs in der Volkshochschule inklusive Stuhlkreis sollte der „Generation 55 plus“ am Ende nichts nützen. (Foto: Hügler)
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Was hilft der „Generation 55plus“ in der nachberuflichen Lebensphase gegen Krise und Einsamkeit? – ein Flirtkus an der Volkshochschule, denken sich die Protagonisten in der tragischen Komödie „Blütenträume“ von Lutz Hübner. In der Inszenierung der Spiel- und Theaterwerkstatt Ostalb (Stoa) im ausverkauften Theater auf der Aal in Aalen wird dieser Kurs inklusive Stuhlkreis zu einem ziemlichen Flop.

Doch der Reihe nach: Friedrich (Markus Katzenmaier) ist ein pensionierter Schulleiter, weiß grundsätzlich alles besser und brüstet sich damit seine Frau betrogen zu haben. Natürlich scheitert seine Ehe daran. Er hält sich selber für einen sinnlichen Menschen und für ziemlich unwiderstehlich. Heinz (Ringo Wenzel), ein etwas unbedarfter ehemaliger Autolackierer, sucht einfach eine Frau, die zu ihm passt.

Ulf (Jens Lüdecke), ein gelernter Schreiner, hadert mit seinem Schicksal, denn er ist als Auswanderer nach Tonga gescheitert. Außerdem mit von der Partie: Britta (Brigitte Schenk), eine sehr gebildete ehemalige Bibliothekarin, und die verwitweten Frieda (Brigitte Lepper) und Gila (Ute Kircher), die beklagt, dass immer die Männer schlapp machen und die Frauen übrig bleiben. Nicht zu vergessen Julia (Sonja Schneider). Sie ist erst 43 Jahre alt und nur dabei, weil der Kurs für „40 plus“ nicht sattgefunden hat. Ihr fehlt trotz ihrer beruflichen Erfolge jegliches Selbstvertrauen, da sie mit Männern bisher kein Glück hatte.

Die junge Kursleiterin Jana (Nicole Klose), eine ehemalige Schauspielerin und Psychologiestudentin, hat es bei diesem explosiven Gemisch an Charakteren schwer.

„Man muss ehrlich mit sich sein und seine positiven Eigenschaften herausfinden“, versucht sie den Kursteilnehmern zu vermitteln, doch das ist sehr schwierig. Mit ihren Trainingsmethoden stößt sie auf großen Widerstand. Beim Rollenspiel „Speed-Dating“ bekennt Ulf unverblümt, dass er Frieda liebt und Friedrich flirtet heftig mit Julia. Gila und Heinz strahlen sich an, doch das ist alles nur gespielt. „So geht das nicht“, fährt Jana dazwischen, sie schimpft und schreit. Schließlich eskaliert das Ganze.

Am Ende bleibt für die „Generation 55“ plus alles beim Alten

Vor allem Friedrich zweifelt die Kompetenz der Kursleiterin an, er geht zur VHS-Leitung und so wird der Kurs abgebrochen. Die Protagonisten feiern dies als großen Erfolg und treffen sich zu einer großen Party. Heinz bekennt dabei, dass er gerne zu Nutten geht und auch Ulf ist dem Rotlichtmilieu nicht abgeneigt. Und Gila wünscht sich so etwas für Frauen, ein Ausdruck der Verzweiflung und der Leere unter den Kursteilnehmern. Schließlich kommt Gila auf die Idee eine gemeinsame Wohngemeinschaft (WG) zu bilden- Einsamkeit ade. Alle beteuern mitzumachen, doch am anderen Tag findet jeder einen anderen Grund, um sich zurückzuziehen. Aus der WG wird nichts, vielmehr bleibt für die Generation „55 plus“ alles beim Alten, da sie der Mut etwas Neues zu wagen, verlassen hat.

Der langanhaltende Schlussapplaus für diese amüsante Komödie galt den engagierten Schauspielern, aber auch Regisseur Siegfried Hopp, Bühnenbildnerin Andrea Lingel und dem Technikteam.

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