Ein Festtag für Schubert-Fans

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Als virtuoser Schubert-Interpret erwies sich Bernd Grill bei seinem Klavierkonzert in der Aalener Stadthalle.
Als virtuoser Schubert-Interpret erwies sich Bernd Grill bei seinem Klavierkonzert in der Aalener Stadthalle. (Foto: Thomas Siedler)
Gerhard Krehlik

Am Montagabend hat Bernd Grill, Musiklehrer am Oberkochener Ernst-Abbe-Gymnasium, in der Aalener Stadthalle ein bemerkenswertes Klavierkonzert gespielt. Grill selber bezeichnet sich als semi-professionellen Pianisten. Nach dem, was in der Stadthalle von ihm zu hören war, ist das eine glatte Untertreibung.

Auf dem Programm standen ausschließlich Klavierwerke von Franz Schubert, ein Programm also, mit dem man nicht unbedingt Menschenmassen an einem Montagabend locken kann. Entsprechend überschaubar war das Publikum in der Stadthalle.

Für die Liebhaber Schubertscher Klaviermusik war es freilich ein Festtag. Auf dem Programm standen zunächst die „Sechs Moments musicaux“ D 780. Dabei handelt es sich um kürzere, liedhafte Charakterstücke, die man auch als musikalische Kleinodien bezeichnen kann. Die spieltechnischen Anforderungen – so schreibt Grill in seiner Information zum Programm – seien nicht extrem hoch. Aber es gilt, den sehr unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Stücke – vom munteren C-Dur bis zum verträumten As-Dur – nachzuspüren und diese sensibel zu gestalten. Und das kann Grill unglaublich gut. Obwohl er auswendig spielte – wie übrigens das ganze Konzert –, interpretierte er überaus gefühlvoll und ausdrucksstark, traf die lyrische Heiterkeit des zweiten Stücks genauso wie den energischen, fast trotzigen Duktus im Stück Nr. 5.

Rasch wechselnde Stimmungen

Dieses Gespür für die fragilen, oft rasch wechselnden Stimmungen in Schuberts Musik prägten auch die folgenden vier Impromtus D 899. Dynamisch kontrastreich interpretierte Grill die Nr. 1 in c-Moll mit stetig wechselndem Anschlag, mal subtil, dann wieder fulminant. Elegante, virtuos gemeisterte Arpeggien kennzeichneten die Nr.2, bei der Grill eine Musik wie sprudelndes Wasser aus dem Flügel zauberte.

Im bekanntesten, dem dritten Impromptu mit seinem traumschönen Motiv, berührte Grill mit wunderbar, inniger Interpretation die Seelen der Zuhörer.

Eine unglaubliche Fülle an romantischen Motiven und deren Variationen hat Schubert auch in den Impromtus D 935 komponiert, die nach der Pause auf dem Programm standen. Dabei hätte man sich den ittelteil der Nr. 1 (f-Moll) durchaus noch etwas ruhiger vorstellen können. Das rasche, temperamentvolle und virtuos interpretierte Impromtu f-Moll leitete schließlich über zur Fantasie C-Dur D 760, der „Wanderer Fantasie“, in der Grill einen hochvirtuosen Parforceritt zwischen donnernden Akkorden und wahnwitzigen Arpeggien auf dem Flügel gekonnt absolvierte.

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