Diskussion um Nacktauftritt von Stadträtin: Das Mittelalter ist vorbei

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Kretschmann mit Schneider als Einhorn
Winfried Kretschmann (l, Grüne), mit Cynthia Schneider (Linke) in Einhornkostüm.  (Foto: DPA)
Redakteurin/DigitAalen

Die Kommentare auf Facebook und Instagram, die Cynthia Schneider seit ihrem Auftritt als Einhorn auf der Remstal-Gartenschau über sich ergehen lassen muss, gehen unter die Gürtellinie. Sie bekommt nun den Shitstorm ab, den ein anderer verursacht hat: Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold. Seine Äußerung fällt in die Kategorie Sexismus.

In überregionalen Boulevard-Blättern wird Schneider durch den Dreck gezogen. Alles nur, weil sie als Gmünderin ihrer Stadt einen Gefallen tun wollte, als sie bei der Eröffnung der Remstal-Gartenschau das Einhorn verkörperte.

Das hat sie nicht verdient, denn teilweise wird sie in Kommentaren und Berichten regelrecht als Verbrecherin gebrandmarkt. Ihr Auftritt aber war weder sexistisch noch obszön: der Körper abgeklebt, bemalt, zu sehen – nichts. Und selbst wenn? In welchem Jahrhundert leben wir?

Von mittelalterlichen Ansichten sind wir hoffentlich weit entfernt. Jeder spricht von einer offenen Kultur. Über nackte Brüste bei der Loveparade echauffiert sich niemand mehr. Und auch nicht über die Freizügigkeit in Freibädern und an Seen. Auch nicht über Bodypainting als Kunstform.

Der Auslöser der Diskussion: Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold, von dem Schneider sagt, dass er sie belogen und enttäuscht habe, als er sie mit den Worten „So sehen bei uns Stadträtinnen aus“ vorstellte – das fällt in diesem Kontext in die Kategorie Sexismus. Zumal Schneider zugesichert worden sei, ihren Namen nicht zu verraten. Andernfalls hätte sie sich nicht zu diesem Auftritt hinreißen lassen.

Wie auch immer Arnold nun versucht, die Wogen zu glätten: Er ist fein heraus. Er steckt nicht in Schneiders Haut. Die Hasskommentare projizieren sich auf die Person Schneider, die nun durch die Hölle geht, deren berufliche Zukunft ungewiss ist. Anstatt über einen Stadtsprecher erklären zu lassen, wie es zu diesem „Missverständnis“ kam, sollte OB Arnold den Ruf der Stadträtin wieder herstellen. Wenn es sein muss, als halbnacktes Einhorn.

v.schiegl@aalener-nachrichten.de

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