Die „Schwabenliesel“ wird 75

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 Sechs der neun mutigen jungen Aalener, die 1944 das erste Birkenkreuz am Dreikönigsfelsen errichtet hatten.
Sechs der neun mutigen jungen Aalener, die 1944 das erste Birkenkreuz am Dreikönigsfelsen errichtet hatten. (Foto: Archiv)
Johannes Müller

Zur Erinnerung an eine riskante Aktion des Widerstandes gegen das Regime des Nationalsozialismus lädt die Kolpingsfamilie Aalen am Samstag, 21. September, zu einer Gedenkfeier am Bergkreuz „Schwabenliesel“ ein. Eine Gruppe der katholischen Jugend hatte 1944, also vor 75 Jahren, die Idee, auf dem Langertfelsen beim Dreikönigsfelsen in Unterkochen ein Kreuz als Zeichen „des Sieges Christi über das Hakenkreuz“ zu errichten.

Der heute 95-jährige Anton Geiger gründete 1940 mitten im Krieg eine illegale katholische Jugendgruppe, die sich insgeheim zu Heimatabenden traf. Damit zeigten die jungen Leute dem NS-Regime ihren Widerstand, denn sämtliche katholische Jugendgruppen und deren Treffen waren damals verboten.

Anton Geiger, der heute in Kornwestheim lebt, lässt es sich nicht nehmen, zu dem Gedenken an diese mutige Tat nach Aalen zu kommen. Ende Juni 1944 befand er sich auf Fronturlaub in seiner Heimatstadt Aalen. Kurz zuvor hatten Mitglieder der katholischen Jugend Wasseralfingens gewagt, auf dem Braunenberg in der Nähe des heutigen Fernsehturmes mit einem Bildstöckle aus Findlingst-einen ein Zeichen gegen das NS-Regime zu setzen. Eine treibende Kraft dort war damals Sieger Köder.

Neun mutige Aalener – Otto Harsch, Georg Gärtner, Alfred Ebert, Gebhard König, Helmut Holz, Anton Schmadl, Georg Kaufmann und Franz Seidenfuß – beschlossen zusammen mit Anton Geiger, es den Wasseralfingern gleich zu tun. Mit einem Handleiterwagen, auf den sie Sand, Zement und 50 Backsteine geladen hatten, zogen sie nach Unterkochen. Nachts mischten sie im Licht einer kleinen Kerze – es bestand Verdunkelungspflicht – Beton an und errichteten auf einem Seitenarm des Dreikönigsfelsens ein vier Meter hohes Birkenkreuz.

Geheimer Treffpunkt bis zum Kriegsende und darüber hinaus

Daran brachten sie ein eisernes Kreuz an mit der Aufschrift „Unseren gefallenen Helden“. Wegen dieser Widmung, so dachten sie, würde niemand wagen, das illegal aufgestellte Kreuz wieder zu entfernen. Aus Angst, die Nazis könnten das Mahnmal entdecken, gaben sie ihm den Namen „Schwabenliesel“, eine Stelle, die eigentlich gegenüber des Dreikönigsfelsens liegt. Das Bergkreuz wurde zum geheimen Treffpunkt der katholischen Jugend bis zum Kriegsende und darüber hinaus.

Unbekannte zerstörten 1948 das erste Birkenkreuz mutwillig. Doch schon zwei Monate später wurde in der Salvatorkirche das neue, fünf Meter hohe Birkenkreuz geweiht und in feierlichem Zug zum Langert geleitet. 1959 musste auch dieses Kreuz erneuert werden und so wurde von der Kolpingsfamilie Aalen ein Kreuz aus einer Douglasientanne errichtet. Im Jahr 2000 folgte das vierte Kreuz aus gleichem Holz.

Gedenkfeier beginnt um 14.30 Uhr

Die Gedenkfeier mit Bergmesse mit Pater Shiju Mathew an der „Schwabenliesel“ findet am Samstag, 21. September, um 14.30 Uhr statt. Treffpunkt für Wanderer ist um 13.30 Uhr am Geiger-Bänkle beim Wanderparkplatz Triumphstadt. Es besteht an diesem Nachmittag auch die Möglichkeit, mit dem Auto zur „Schwabenliesel“ zu fahren. Fahrgemeinschaften wären dafür sinnvoll. Anschließend ist Hocketse in der Kolpinghütte.

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