Die Ostalb trauert um Ulla Haußmann

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Ulla Haußmann ist am Samstag im Alter von 59 Jahren nach langer Krankheit gestorben. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

An Christi Himmelfahrt hat sie noch im Kreis der Familie und mit Freunden ihren 59. Geburtstag gefeiert. Nur einen Tag später kam sie ins Krankenhaus, wo Ulla Haußmann am Samstag gestorben ist. Obwohl bekannt war, dass die ehemalige Landtagsabgeordnete schwer krank ist, kam die Nachricht von ihrem Tod nun doch überraschend, zumal die engagierte SPD-Politikerin und Kreisrätin am 19. Juni noch die Landratswahl mitmachen wollte. Das hatte sie sich fest vorgenommen und alles war auch schon organisiert.

Ulla Haußmann war eine ganz besondere Politikerin. Eine Frau, die auf Menschen zugehen konnte, die eine ungeheure Herzlichkeit ausstrahlte und durch ihre Menschlichkeit selbst ihre politischen Gegner für sich einnehmen konnte. Im Land und darüber hinaus galt sie als ausgewiesene gesundheits- und sozialpolitische Expertin, weswegen sie die Landtagsfraktion auch zu ihrer Sprecherin auf diesem Gebiet machte. Gerade als ehemaliger Krankenschwester waren ihre diese Themen besonders nahe. Sie wusste, wovon sie redete, wenn es etwa um die Zukunft des Krankenhauswesens oder Fragen der Kinderbetreuung ging. Die 1953 in Neckartenzlingen geborene Wirtstochter arbeitete lange als Nachtschwester. So konnte sie sich tagsüber um ihre beiden Kinder kümmern. Dennoch merkte sie rasch, dass flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuung Themen sind, die auch vielen anderen Frauen und Familien unter den Nägeln brennen. „Wenn Frauen ihre Lebenswirklichkeit einbringen, verändern sich die Inhalte der Politik und der Stil der politischen Auseinandersetzung“, hat Ulla Haußmann einmal in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt. Ein Satz, der viel über ihr politisches Handeln aussagt. Unter anderem geht auf ihren persönlichen Einsatz die Kontaktstelle Frau und Beruf für Ostwürttemberg zurück.

Politische Karriere

Ihre politische Karriere startete Ulla Haußmann in Ebnat. Dort wurde sie 1989 in den Ortschaftsrat gewählt. 1992 kam dann die Wahl in den SPD-Kreisvorstand, von 1994 bis 1997 war sie Stadträtin in Aalen und seit 2004 gehörte sie dem Kreistag des Ostalbkreises an. Ihr Einstieg in die Landespolitik war dennoch so nicht geplant. Als nämlich der damalige Aalener Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle 1996 in den Landtag einzog, holte er sich Ulla Haußmann als seine Wahlkreismitarbeiterin. Auf seinen Wunsch hin stand sie zudem als Ersatzbewerberin auf dem Stimmzettel. Nachdem Pfeifle nach gut einem Jahr Ausflug in die Landespolitik aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch warf, rückte Ulla Haußmann über Nacht nach. Sie wurde sozusagen im Oktober 1997 ins kalte landespolitische Wasser geworfen.

Dort schwamm sie sich jedoch rasch frei und genoss bald sowohl in den eigenen Reihen als auch in denen des politischen Gegners hohe Anerkennung. 2001 und 2006 verteidigte Ulla Haußmann ihr Mandat im Wahlkreis Aalen. Vor den Landtagswahlen zu Begin des neuen Jahrtausends musste sich indes zuerst gegen Roland Hamm durchsetzen. Bei der Abstimmung in der SPD setzte sie sich souverän gegen ihren Kontrahenten durch. 2011 trat die Landespolitikerin noch einmal an. Der Wahlkampf war bereits im Gange, als eine schwere Krankheit sie zwang, das Ringen um einen erneuten Einzug ins Landesparlament ihrem Zweitkandidaten Josef Mischko zu überlassen.

Das Reden fiel Ulla Haußmann in den vergangenen Monaten zusehends schwerer. Dennoch blieb sie weiterhin präsent. Über Facebook hielt sie Kontakt zu vielen Freunden, die jetzt um eine engagierte Politikerin trauern.

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