Die drei Kreiskliniken sollen unter ein Dach

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Die hohen Verluste der drei Kreiskliniken sollen reduziert werden. Gelingen soll dies mithilfe einer Strukturreform. Die Grafik
Die hohen Verluste der drei Kreiskliniken sollen reduziert werden. Gelingen soll dies mithilfe einer Strukturreform. Die Grafik zeigt die künftige Organisationsstruktur der Kliniken. (Foto: Grafik: Matthias Wagner)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Das Ziel ist formuliert: Die hohen Verluste der drei Kreiskliniken sollen um jährlich drei Millionen Euro reduziert werden. Landrat Klaus Pavel hofft sogar auf eine Verbesserung des Betriebsergebnisses um fünf Millionen Euro. Gelingen soll dies mithilfe einer Strukturreform. Zieht der Kreistag mit, werden das Ostalb-Klinikum, die Stauferklinik und die Sankt Anna-Virngrundklinik unternehmerisch zu einer Einheit verschmolzen. Die Kreissparkasse Ostalb lässt grüßen. Sie stand gewissermaßen Pate für die künftige Organisationsstruktur.

Nach zwei guten Jahren schreiben die drei Kreiskliniken seit 2012 wieder rote Zahlen. Auf 5,9 Millionen Euro wuchs das Defizit 2015. Um einen Sondereffekt bereinigt, lag das Minus immer noch bei 3,7 Millionen Euro. Nun sind die politischen Rahmenbedingungen nicht so, dass der Kreis von dieser Seite auf eine Verbesserung der finanziellen Situation hoffen darf. „Wir sehen kein Land am Horizont“, sagte Landrat Klaus Pavel fast ein wenig resigniert. Auf Hilfe von außen kann der Kreis also nicht bauen, weshalb Pavel zusammen mit den drei Klinikchefs Axel Janischowski (Aalen), Walter Hees (Mutlangen) und Thomas Schneider (Ellwangen) dem Kreistag am Dienstag ein Memorandum vorgestellt hat, das die Krankenhäuser aus der finanziellen Misere führen soll. Als hilfreich erweist sich dabei, dass die alte grün-rote Landesregierung Ende 2015 ein Gesetz erlassen hat, das erlaubt, Krankenhäuser in gemeinnützige kommunale Anstalten des öffentlichen Rechts zu überführen. Die Kreissparkasse etwa ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts – natürlich nicht gemeinnützig.

Kein Krankenhaus muss leiden

Wichtig war es dem Landrat und den Klinikchefs zu betonen, dass die medizinische Versorgung mit dieser Strukturreform an keinem Krankenhaus leidet. Alle drei Standorte mit Grund-, Regel- und Notfallversorgung bleiben gleichberechtigt erhalten. Die Notfallaufnahme sei übrigens der größte Defizitproduzent, sagte Pavel. Auf sie könne aber nicht verzichtet werden. Die Häuser in Mutlangen und Aalen erfüllen überdies die Aufgabe einer Klinik der Zentralversorgung.

Die Dezentralität sei ein politisches Markenzeichen, heißt es in dem Memorandum. Daran wird nicht gerüttelt. Die neue Struktur erlaubt indes ein verbundweites medizinisches Konzept mit dem Ziel, die Behandlungsqualität zu sichern und, wenn nötig, zu verbessern. Außerdem wird als ein weiteres Ziel in der Denkschrift festgehalten, dass die einzelnen Standorte mit Spezialangeboten aufgewertet werden sollen. Beispiele dafür sind: die Gefäßchirurgie an der Stauferklinik, Schlaganfall/Neurologie am Ostalb-Klinikum und Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Sankt Anna-Virngrund-Klinik. Synergien sollen zudem genutzt und Querschnittsaufgaben gebündelt werden. Das gilt auch für die Verwaltung der Kliniken.

Alle drei Standorte gesichert

Von dieser neuen Struktur erhoffen sich die Verfasser der Denkschrift eine größere Marktmacht, die langfristige Sicherung aller Standorte, den langfristigen Erhalt in der Trägerschaft des Ostalbkreises und ein System, das aus der Stärke heraus rasch auf Veränderungen im Markt oder der Politik reagieren kann. Dazu zählt, dass gezielt in die Medizintechnik und die Umsetzung des medizinischen Fortschritts investiert werden soll.

Geführt wird der Klinikverbund (siehe Grafik), so denn der Kreistag zustimmt, von den bisherigen drei Krankenhausdirektoren. Sie werden zu Vorständen. Wo Hauptsitz des Verbunds ist, ließ Pavel offen. Möglich ist aber, dass, wie bei der Kreissparkasse, ein Doppelsitz eingerichtet wird. Kontrolliert wird die Arbeit des Vorstands von einem Verwaltungsrat – dem heutigen Krankenhausausschuss des Kreistags. Dem Verwaltungsrat sitzt der Landrat vor. Das Gremium tagt öffentlich. Noch vor der Sommerpause möchte Pavel im Kreistag einen Beschluss zur künftigen Klinikstruktur herbeiführen. Am 1. Januar 2017 könnte dann der neue Verbund an den Start gehen. Die Umwandlung soll schrittweise erfolgen und innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden.

Der Ostalbkreis betreibt Kliniken in Aalen, Mutlangen und Ellwangen. Gemeinsam erzielen die drei Häuser:

ein Bilanzvolumen von 335 Millionen Euro

einen Umsatz von 220 Millionen Euro,

sie beschäftigen rund 3000 Mitarbeiter,

sie verfügen über 1100 Betten,

behandeln stationär jährlich rund 47000 Patienten

und ambulant rund 100000 Patienten.

Die Einzugsgebiete sind die Kreise Ostalb, Heidenheim, Donau-Ries, Ansbach, Schwäbisch Hall, Göppingen und Rems-Murr.

Die drei Klinikstandorte in Zahlen

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