Dialog zwischen Cembali und Streichern

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 Rund 200 Besucher haben dem Bach-Zyklus in der Aalener Stadtkirche gelauscht.
Rund 200 Besucher haben dem Bach-Zyklus in der Aalener Stadtkirche gelauscht. (Foto: Thomas Siedler)
Johannes Müller

Den Aalener Bach-Zyklus gibt es schon seit über zehn Jahren. Aber ein Konzert für zwei Cembali und Streicher wurde in dieser exquisiten Reihe noch nicht geboten. Rund 200 Besucher ließen sich am Sonntagabend diesen seltenen Genuß in der Stadtkirche nicht entgehen.

Dieses Konzert Bachscher Werke in außergewöhnlicher Besetzung war dem Umstand zu verdanken, daß Thomas Haller, der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde, mit Markus Piringer einen neuen Praktikanten bekam, der dem Aalener Publikum vorgestellt werden sollte. Vor wenigen Tagen erst hatte Piringer sein Masterstudium an der Kirchenmusikhochschule Heidelberg abgeschlossen.

So durfte man auf sein Können, seine Kenntnisse und vielseitigen Talente gespannt sein. Dabei ging es bei diesem Programm gar nicht um Kirchenmusik. „Diese Musik ist keine für den Gottesdienst oder die höfische Musikpflege“, stellte Pfarrer Marco Frey in seinem Grußwort klar. Es sei vielmehr Musik, die Johann Sebastian Bach für seine Söhne und das Studentenorchester „Collegium musicum“ komponiert habe.

Aufgeführt wurden diese anspruchsvollen Werke im Leipziger Kaffeehaus Zimmermann. Was die Solisten an den beiden Cembali zu spielen hatten, verlangte höchste Ansprüche an technischem und gestalterischem Können. Darüber verfügte damals wohl kaum jemand in so hohem Maße wie Bachs Söhnen. Beim Aalener Konzert gewann man den Eindruck, daß ebenfalls erstklassige Musiker am Werke waren, die Bachs Werke mit großer Virtuosität zu interpretieren in der Lage waren.

In edlem Wetteifer glänzten der renommierte Kirchenmusiker Haller und der junge Praktikant Piringer an den beiden Cembali. Silberhell glitzerten die Girlanden, die das Gotteshaus füllten, gleichgültig, ob sie vom reifen Meister oder vom frisch gebackenen Praktikanten aus den Saiten gekitzelt wurden. Staunen erregte die Fingerfertigkeit und das Tempo der blitzenden Läufe.

Kongenial setzte sich das Streicherensemble in Szene: Barbara Böhme (Violine), Erwin Muntaniol, der kurzfristig für die ausgefallene Violinistin Rebekka Goodman eingesprungen ist, Jon Thomas, Viola, Iris Mack und Ute Ruth, Basso continuo. Weit entfernt, nur als Begleiter zu fungieren, brachte das Ensemble die Vielfalt der reizvollen Themen und die eindrucksvollen Höhepunkte der Bachschen Werke zur Geltung.

Musikalische Raffinessen

In seinen Konzerten in c-moll und C-Dur hatte Johann Sebastian nicht an musikalischen Raffinessen gespart, um die Leipziger Zuhörer im unter Musikfreunden beliebten Zimmermannschen Kaffeehaus zu beeindrucken. Die rund 150 Besucher, die sich dort wöchentlich, in den Messezeiten sogar zweimal in der Woche einfanden, um die neuesten Kreationen des Altmeisters zu erleben, waren vermutlich kundig und erfahren genug, um die künstlerischen Qualitäten einzuschätzen.

Auch in Aalen zeigte der langanhaltende Beifall, daß die Zuhörer die hohe Kunst der virtuosen Interpretation zu würdigen wußten. Das Konzert glich einem neuen, glänzenden Edelstein in der Kette unvergeßlicher musikalischer Ereignisse des Aalener Bach-Zyklus.

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