Der Türöffner für ein erstes Date

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Der Terminkalender von Martin Rütter ist immer proppenvoll. Genügend Zeit für seine Hunde Abbey (links) und Emma bleibt aber imm
Der Terminkalender von Martin Rütter ist immer proppenvoll. Genügend Zeit für seine Hunde Abbey (links) und Emma bleibt aber immer. Das ist dem Hundeprofi wichtig. (Foto: Klaus Grittner)
Schwäbische Zeitung

Martin Rütter, der Guru für Frauchen und Herrchen, kommt in die Ulrich-Pfeifle-Halle und klopft das ABC der Hundehaltung ab. Am Donnerstag, 19. Januar, müssen oder besser gesagt dürfen Hundebesitzer ab 20 Uhr „nachSITZen“. Im Vorfeld der Show, für die es noch Karten gibt, sprach er mit Redakteurin Verena Schiegl unter anderem über die drei größten Fehler, die Hundehalter begehen.

Herr Rütter, gerne hätte ich Ihnen meinen Hund bei einem Training in Aalen vorgeführt. Sie haben Glück, dass es jetzt doch nicht so weit kommt.

Die Zeit für persönliche Trainingseinheiten wird natürlich aufgrund meines vollen Terminkalenders knapper. Gerade im Moment. Bis zum 1. April bin ich noch mit meiner Live-Tour „nachSITZen“ unterwegs. Aber danach wird es dann hoffentlich etwas ruhiger. Allgemein versuche ich aber, so häufig wie möglich auf dem Trainingsplatz zu sein, sonst verliere ich ja irgendwann den Bezug.

Wann waren Sie zuletzt in aller Ruhe mit Ihren Hunden Gassi?

Ich bin täglich mit meinen Hunden unterwegs. Das Erste, was ich morgens mache, ist eine Runde mit ihnen zu drehen.

Na hoffentlich haben Sie auch immer ein Tütchen dabei…

Immer.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus? Bleibt für Ihre Vierbeiner genug Zeit? Sie sind ja auch bei der Bühnen-Tournee dabei.

Richtig, auch auf Tour habe ich die beiden fast immer mit dabei. Der Einfachheit halber nehme ich mir meistens Hotels, die etwas außerhalb der Stadt sind. Da ich über das gesamte Jahr fast permanent unterwegs bin, sieht jeder Tag bei mir ein wenig anders aus. Genügend Zeit für Emma und Abbey bleibt aber immer. Das ist mir wichtig.

Als Sie selbst noch ein kleiner „Wadenbeißer“ waren – hatten Sie da auch schon einen Hund oder kam die Liebe zu den Vierbeinern erst später?

Als Kind durfte ich keinen Hund haben, weil meine Eltern auch heute noch jedes Tier als sinnlos betrachten, das man nicht auf den Grill legen und essen kann. So habe ich bereits in meiner Jugend die Hunde der Nachbarn ausgeführt und die Hunde meiner Tante Thea ohnmächtig gekrault. Sie hatte in den 80er Jahren eine Art Pflegestelle für gestrauchelte Tiere – und sie besaß die außergewöhnliche Gabe, Hunde, die anfangs noch ganz wunderbar waren, binnen weniger Wochen dermaßen verrückt zu machen, dass man das Haus nicht mehr angstfrei betreten konnte. Mich hat schon damals interessiert, warum so viele Menschen Probleme mit ihren Hunden hatten. Daraufhin habe ich Unmengen an Hundeliteratur konsumiert. Mein erster Hund war Mina, eine Golden-Retriever-Hündin. Als ich sie bekam, war ich schon 25 und hatte seit dreieinhalb Jahren eine Hundeschule. Ich hatte bereits 600 Hunde im Training, bevor ich meinen eigenen hatte.

Beschreiben Sie bitte mal ihre Hunde charakterlich?

Abbey ist ein Rhodesian Ridgeback und Emma ein Australian Shepherd Mix. Abbey ist der lebende Beweis dafür, dass ein Hund auch mit sehr überschaubarer Schläue gut leben kann (lacht). Emma dagegen ist ziemlich schlitzohrig. Aber beide sind auf ihre Art einfach absolut liebenswert.

Was ist dran an der Behauptung, dass sich Hund und Herrchen sehr ähnlich sind?

Ich glaube, dass man sich tatsächlich manchmal charakterlich annähert, das ist ein natürlicher Anpassungsprozess. Nehmen Sie mich und meine damalige Hündin Mina. Ich habe immer gesagt, sie wird mit zunehmendem Alter intelligenter. Meine Kinder erwiderten dann: „Sie wird verfressener“ (lacht).

Wie stehen Sie zu sogenannten Kampfhunden?

Die pauschale ,Kampfhund-Klassifizierung’ durch sogenannte Rasselisten ist absurd, sie zielt an der Kernproblematik vorbei. Wer meint, mit einer Tabelle ein fachlich fundiertes Urteil über die Charakteristika eines Hundes abgeben zu können, handelt fern jeglicher Realität. Ob ein Hund freundlich, ängstlich oder aggressiv ist, hängt aber vor allem davon ab, wie er aufgewachsen ist und welche Erfahrungen er in seinem Leben gemacht hat. Natürlich gibt es auch genetische und rassetypische Phänomene, die darf man nicht außer Acht lassen. Vor der Anschaffung eines Hundes sollte man sich immer über dessen Bedürfnisse und Anforderungen einer Haltung informieren, denn dies ist häufig der Grund dafür, dass es zu Problemen kommt.

Bei Ihren Auftritten wedeln Frauen ja ständig mit dem Trauring. Ist ein Hund ein Dating-Garant?

Also von diesen Auftritten wüsste ich mal gerne (lacht). Der Hund ist definitiv ein Türöffner, aber am Ende müssen sich die ,Datenden’ schon selbst ins Zeug legen (schmunzelt).

Auf was dürfen sich die Besucher bei Ihrer Show freuen?

Grundsätzlich gibt es auch in meinem aktuellen Programm wieder eine schöne Mischung aus Information und Unterhaltung. Die Leute werden jede Menge Spaß haben und viel lachen, aber definitiv auch etwas lernen. Und der Programmname „nachSITZen“ verrät ja schon, in welche Richtung es gehen wird. Wir werden uns diesmal in einem Schul-Szenario wiederfinden. Dazu bringen wir ein komplettes Klassenzimmer im Charme der 50er Jahre auf die Bühne. Darin werde ich unter anderem die vermeintlich hochbegabten Hunderassen entlarven.

Was war ihr größter Problemfall?

Bei den Menschen oder den Hunden? (lacht). Ganz absurd war es aber mal, als der Mann drei Jahre lang auf der Couch geschlafen hat, weil der Hund ihn nicht mehr zu Frauchen ins Schlafzimmer gelassen hat (lacht). Die Schwierigkeit lag aber nicht am Hund, sondern an Frauchen – nämlich sie zu überzeugen, das zu ändern. Denn im Ernst, die Hürde besteht ja häufig darin, bei den Leuten überhaupt ein Bewusstsein zu schaffen, dass sie etwas falsch machen, dass sie mit ihrem Verhalten dem Hund nichts Gutes tun. Bedeutet: Es ist fast nie der Problemhund, sondern der Mensch, der seine Einstellungen und Verhaltensweisen überdenken und verändern muss.

Ohne Leine kein Problem, an der Leine eine Wildsau. Woran liegt’s, was kann man tun?

Das Ziehen an der Leine kann viele verschiedene Ursachen haben. Ihnen gemeinsam ist die Tatsache, dass sich der Hund in einer Stresssituation befindet. Entweder hat der Hund vor bestimmten Umweltreizen Angst und möchte gerne wieder zurück nach Hause oder ins Auto. Oder er glaubt, das Rudelmitglied am anderen Ende der Leine führen zu müssen. Als ,Erste-Hilfe-Maßnahme’ sollte man immer stehen bleiben, wenn der Hund zieht. Es geht erst weiter, wenn die Leine wieder locker ist. Oder man wechselt einfach die Richtung, möglichst aber bevor der Hund von sich aus die Leine auf Spannung gebracht hat. So lernt der Hund, dass er mit dem Ziehen auf keinen Fall ein zügigeres Vorankommen erreichen kann.

Warum finden Hunde Katzen doof?

In meinem aktuellen Live-Programm „nachSITZen“ habe ich eine sehr lustige Nummer zu den Unterschieden zwischen Hunden und Katzen und deren Haltern. Mehr möchte ich aber nicht verraten (schmunzelt).

Was sollte man auf keinen Fall tun?

Es gibt drei Kardinalfehler: zum einen die extreme Vermenschlichung. Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Dazu kommt mangelnde Konsequenz. Menschen stellen Regeln auf, gehen dann aber zu lax mit diesen um. Immer sonntags darf der Hund mit am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an den anderen Tagen aber nicht. Das kapiert kein Hund und verunsichert ihn nur. Ein Hund benötigt klare Regeln, nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich auch in schwierigen Situationen auf ihn verlassen. Und ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung.

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