Der FCH kratzt am Dino

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 Der FCH um Robert Glatzel (r.) jubelt zur Zeit oft.
Der FCH um Robert Glatzel (r.) jubelt zur Zeit oft. (Foto: dpa)
Sportredakteur/DigitAalen

An einem Pierre-Michel Lasogga (27), diesem stürmenden Hoffnungsträger des Hamburger SV, hätte sich auch ein Frank Schmidt abarbeiten können. „Wenn ich jetzt Verteidiger bin und erinnere mich an das Hinspiel, da brauche ich vom Trainer keine Motivationsspritze mehr. Da weiß ich: Noch einmal drei Gegentore darf ich mir nicht erlauben“, sagte Schmidt über das Duell mit dem polarisierenden, bulligen Stürmer. Seine Verteidiger, die allesamt einsatzbereit sind, wissen Bescheid. Lasogga hatte den Heidenheimern im Hinspiel drei Tore eingeschenkt, am Ende stand nach einem 1:0 in Hamburg eine 2:3-Niederlage.

Der junge Frank Schmidt war schließlich auch einmal Verteidiger, in seiner Fußball-Karriere. Lange her. Die Gegenwart zeigt den 45-jährigen Trainer des FCH an diesem Samstag an der Seitenlinie der Voith-Arena, bei seinem 1. FC Heidenheim. „Ein absolutes Highlight“, sagte Schmidt an diesem Freitag beim Blick auf diese besondere Partie beim Fußball-Zweitligisten von der Ostalb.

Dass es die Konstellation zulässt, dass der große HSV nun zum kleinen FCH auf den Schlossberg muss und sich mit den Heidenheimer Fußballern in der 2. Liga messen muss, ist ein Produkt der jüngsten Fußball-Geschichte. „Wir können nichts dafür, dass der HSV in der 2. Liga spielt. Aber wir können etwas dafür, dass wir hier spielen. Die Konstellation ist jetzt eben so“, merkte Schmidt an. Seine Mannschaft hat es in den vergangen Jahren gut gemacht und ist pünktlich zum Besuch des einstigen Dinos der Bundesliga, den jahrzehntelang für unabsteigbar gehaltenen HSV, selbst in Top-Form.

Top-Spiel mit 40 Punkte-Chance

Top-Spiel in Top-Form. Um 13 Uhr wird ein Spiel angepfiffen, dass nicht nur viele Zuschauer in ihren Bann zieht (das Stadion ist ausverkauft), sondern auch einen wichtigen Aspekt aufweist – mit einem Sieg könnten die Heidenheimer schon bei den magischen 40 Punkten ankommen, die für gewöhnlich für den Klassenverbleib reichen, dem erstgenannten Ziel in Heidenheim.

Es ist aber zudem die Chance, auf den HSV aufzurücken – und der ist Tabellenerster und macht sich auf in die erste Liga zurückzukehren. Mit Lasogga (mit neun Toren Toptorjäger), der von Anfang an spielen soll – und der diesmal leer ausgehen soll. Drei Punkte gegen den HSV würden in der derzeitigen Verfassung der Heidenheimer nicht vollends überraschen. „Sie haben im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen gewonnen und in der Rückrunde viel gepunktet. Daher sind wir uns bewusst, dass das eine der schwersten Aufgaben wird“, erklärte HSV-Trainer Hannes Wolf (37) am Freitag. In Schmidts Team wartet die nach vier Spielen beste Rückrundenmannschaft auf, das Selbstbewusstsein ist passend für dieses besondere Duell gegen den selbstbewussten HSV auf einem hohen Level. „Wenn wir einen guten Tag haben, können wir gegen den HSV gewinnen“, findet Schmidt.

Den nächsten Sieg einfahren auf dem Weg zurück in die Bundesliga wollen freilich auch die Hamburger, unter Wolf. Der einstige VfB-Trainer hat eine Mannschaft nach seiner Übernahme am 23. Oktober geformt, die effektiv ist und es mit 28 Toren in 21 Spielen geschafft hat, den ersten Platz einzunehmen und damit dem Hamburger Selbstverständnis gerecht wird. Der HSV sei „ergebnisorientiert“ und habe „alles für ein Spitzenteam: Die meisten Zu-Null Spiele, sie sind gut im Ballbesitzspiel gegen geordnete Gegner, haben eine sehr hohe Passquote und können sehr schnell Umschalten.“ Der akribische Schmidt hat den prominenten Konkurrenten mit gewohnter Genauigkeit analysiert.

Der FCH bringt zurzeit jedoch auch viel mit für eine Top-Mannschaft, nicht umsonst kratzt er an den Aufstiegsplätzen. Und ein Highlight jagt das nächste. Da war ja noch etwas diese Woche: Das Los des DFB-Viertelfinalspiels beim FC Bayern München, am 3. April. „Bayern München ist kein Thema für uns. Das steckt in der Schublade“, will Schmidt davon noch nichts wissen. Die oberste Schublade ist der HSV um Lasogga.

DFB-Pokalwunder in Heidenheim
Den Fußballern des 1. FC Heidenheim ist die große Sensation gelungen. Verdient besiegte der Zweitligist die Bayer-Elf aus Leverkusen mit 2:1 und zog somit ins DFB-Pokal Viertelfinale ein. Es war ein harter Kampf, der am Ende auch belohnt wurde.
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