Den vier Kneipen folgen andere nicht nach

Lesedauer: 5 Min
Der Hobel hat an den Reisstädter Tagen geöffnet. Um einer Konfrontation zu entgehen, werden die Geschäftsführerin Ebru Kaya und (Foto: Kullmann)
Schwäbische Zeitung
Redakteurin/DigitAalen

Dem Schritt des Wunderlich, Dannenmann, Rambazamba und Reichsstädter Café, ihre Türen am Stadtfest zu schließen, sind andere Kneipen in Aalen nicht gefolgt – selbst, wenn sie an den Auflagen der Stadt zu knabbern haben. Unter anderem spielen für die Öffnung auch finanzielle Gründe eine Rolle. „Der Winter ist lang und zäh. Und ich kann es mir nicht leisten, an den Reichsstädter Tagen meinen Laden zu schließen“, sagt die Inhaberin des BB, Kati Witzke, die am Freitag und Samstag bis 2 Uhr geöffnet hat.

Im Zwiespalt sei Ebru Kaya, Geschäftsführerin des Hobel, gewesen. Ursprünglich habe auch sie überlegt, ihr Lokal zuzumachen. Da sie aber als Nachfolgerin von Cerstin Hafner erst seit einem Dreivierteljahr den Hobel führt, wollte sie das Stadtfest nicht bereits im ersten Jahr boykottieren. Um die Auflagen der Stadt zu erfüllen und einer Konfrontation mit den Ordnungshütern oder dem Sicherheitsdienst zu entgehen, werden keine Schnäpse ausgeschenkt. Darüber hinaus geht um 23.30 Uhr die Musik aus und ab 0.30 Uhr werden keine Getränke mehr ausgegeben. „Ich beuge mich den Vorschriften“, sagt Ebru Kaya, die allerdings befürchtet, dass in diesem Jahr keine wirkliche Partystimmung aufkommen wird. Auch der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zu den drei Stunden, an denen Umsatz gemacht werden könne. Dass sich Anwohner in den vergangenen Jahren über den Lärm beschwert haben, kann Kaya nicht bestätigen. „Ich habe noch kein einziges negatives Wort gehört. Wer in die Stadt zieht, muss damit rechnen, dass es auch mal laut ist.“

Dass es an den Reichsstädter Tagen zu keinen Komplikationen kommt, hofft Michael Wiedenhöfer, einer der drei Besitzer der Havanna- Bar. Neben Alterskontrollen, für die extra Leute abgestellt werden, sollen Türsteherinnen dafür sorgen, dass ab 0.30 Uhr kein Gast mehr Getränke mit ins Freie nimmt. „Bewusst haben wir uns für weibliches Personal entschieden, weil wir glauben, dass Frauen eher deeskalierend auf die Besucher einwirken“, sagt Wiedenhöfer. Da das Ganze nicht ohne Probleme umsetzbar sei, hofft er darauf, dass sich die Stadt für die nächsten Jahre nochmals Gedanken macht.

„Die Stadt macht Auflagen, und wir müssen es umsetzten“, kritisiert die Inhaberin des Quattro, Carolin Apprich. Dennoch hat auch sie an den Reichsstädter Tagen geöffnet. Wie im vergangenen Jahr gibt es Alterskontrollen, und Angestellte werden an der Tür dafür sorgen, dass die Gäste nach Schankschluss im Lokal bleiben. „Das ist alles andere als toll und eine Zumutung, sich dann auch noch den ganzen Abend von Gästen anpöbeln zu lassen“, sagt Apprich.

Sich zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung zu finden – dafür plädiert Stefanie Winter, Inhaberin des Café Podium, die es nicht gut findet vor den Reichsstädter Tagen so „ein Fass aufzumachen“. Finanziell rechne sich das Stadtfest nicht. Abgesehen von der Sondererlaubnis und der Gestattungsgebühr schlagen auch die Reinigungskosten zu Buche. „An drei Tagen benutzen bis zu 2000 Menschen meine Toiletten.“

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen