Das Wichtigste: Radikale Orientierung am Kundennutzen

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 Beim Vortrag im Aalener Rathaus: von links Landrat Klaus Pavel, der Landtagsabgeordnete Winfried Mack, Zeiss-Chef Michael Kasch
Beim Vortrag im Aalener Rathaus: von links Landrat Klaus Pavel, der Landtagsabgeordnete Winfried Mack, Zeiss-Chef Michael Kaschke, Aalens ehemaliger OB Ulrich Pfeifle, IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle und der Abtsgmünder Bürgermeister Armin Kiemel. (Foto: Edwin Hügler)
Edwin Hügler

Die radikale Orientierung am Kundennutzen ist nach Auffassung des Vorstandsvorsitzenden der Carl-Zeiss-Unternehmensgruppe, Michael Kaschke, die wichtigste Voraussetzung, um Innovationen in Zeiten der Digitalisierung erfolgreich umzusetzen. Dies sagte er bei einem Vortrag vor 180 Zuhörern im Aalener Rathausfoyer.

Eingeladen dazu hatte die Stadt Aalen. Oberbürgermeister Thilo Renstchler freute sich über die große Besucherresonanz und darüber, mit Michael Kaschke einen profunden Kenner der Materie an diesem Abend zu diesem Vortrag begrüßen zu können. Rentschler hob hervor, dass sich die Firma Zeiss zu ihren Standorten auf der Ostalb bekenne und auch intensiv mit der Hochschule Aalen zusammenarbeite.

Kaschke nannte zunächst einige Unternehmensdaten. So investiert Zeiss elf Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Es werden pro Jahr 450 Patente angemeldet und 40 Prozent des Umsatzes werden mit Produkten erwirtschaftet, die jünger als drei Jahre sind.

Der Zeiss-Chef betonte, dass es verschiedene Definitionen für Innovation gebe. Am besten gefalle es ihm, Innovation als eine Idee zu bezeichnen, die man umsetze, um einen Geschäftswert zu schaffen.

Nicht immer geradlinig

Gerade in einem Technologieunternehmen wie Zeiss spielten Innovation und das Innovationsmanagement eine große Rolle. Dabei verlaufe der Prozess von der Ideenpahse über den Pfad der Entwicklung bis zur Markteinführung nicht immer geradlinig. „Es gibt kein Patentrezept dafür, dass Innovationen immer erfolgreich sind, Flops sind ganz normal“, bekannte Kaschke.

Er verwies auf die hohe Komplexität der Technologien und meinte „wenn’s besonders kompliziert wird, muss man es einfach machen“.

Der Redner nannte sechs Prinzipien, die bei einem erfolgreichen Innovationsprozess von großer Bedeutung seien: die radikale Orientierung am Kundennutzen, das Erkennen von Megatrends, schnelle Entscheidungen, die Orientierung an höheren Unternehmenszielen, das Eingehen von Partnerschaften und eine positive Innovationskultur im Unternehmen.

Prinzipien werden gelebt

Bei Zeiss würden diese Prinzipien gelebt. So komme es beispielsweise in der Medizintechnik darauf an, die Lebensqualität zu verbessern, schnelle Entscheidungen würden durch eine Delegation soweit wie möglich nach unten gewährleistet und das Unternehmen beteilige sich mit einem Venture-Fonds an Start-ups.

Eine wichtige Rolle spiele die Innovationskultur und die Anerkennung für die Mitarbeiter. „Bei Zeiss treibt der CEO die Innovationen“, betonte Kaschke. Außerdem gebe es eine spezielle Plattform sowie Innovationspreise.

Als positive Beispiele für gelungene Innovationen von Zeiss nannte er das digitale Bestellsystem bei den Brillen sowie den Femtosekundenlaser für minimal invasive Augenoperationen. In beiden Fällen habe man die sechs Prinzipien im Innovationsprozess beachtet.

Die Erwartungen dagegen bisher noch nicht erfüllt habe in der Medizintechnik ein spezielles Gerät für die lokale Behandlung von Tumorerkrankungen. Hier habe man den Fehler gemacht, zu wenig Partnerschaften mit Radiologen eingegangen zu sein.

In der Diskussion meinte Kaschke, dass die Politik gute Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen schaffen müsse. So könne er sich zum Beispiel Steuererleichterungen vorstellen.

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