Das Feuchttuch – der Feind aller Pumpen

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Die Beseitigung der Feuchttücher-Reste macht Klärwärtern viel Arbeit.
Die Beseitigung der Feuchttücher-Reste macht Klärwärtern viel Arbeit. (Foto: Archiv)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Zum diesjährigen Kanalnachbarschaftstag des Lehrbezirks Ostalbkreis haben sich rund 80 Fachleute aus 35 Kommunen und der Verwaltung des Ostalbkreises in Gschwend getroffen, um sich zu Themen rund um den Kanalbetrieb fortzubilden. Dabei drehte es sich auch um einen Aspekt, der vielen Klärwärter unfassbar viel Arbeit macht und Pumpen in Abwasseranlagen heftig zusetzt: das Feuchttuch.

Um den Fortbestand der Abwasserversorgung in Zeiten wachsender Anforderungen weiterhin zu gewährleisten, sind für das Betriebspersonal Erfahrungsaustausch und Weiterbildung wichtiger denn je. Aus diesem Anlass finden in Baden-Württemberg seit mehr als 40 Jahren Fortbildungen der sogenannten Kanalnachbarschaften mit großem Erfolg und guter Resonanz statt.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung in Gschwend durch den Leiter, Diplom-Ingenieur Udo Bäuerle aus Ellwangen, wurden die Teilnehmer in der Gemeindehalle Gschwend zunächst von Stefan Blessing, dem Leiter des Gschwender Bau- und Liegenschaftsamts und Bürgermeister Christoph Hald begrüßt. Einen Einblick in die Entwicklung und Historie des Kanalnetzes der Gemeinde Gschwend gab danach Diplom-Ingenieur Stefan Kalmus. Er machte in seinem Vortrag deutlich, dass auch große Abwasserprojekte anhand einer Prioritätenliste über einen angemessenen Zeitraum duchaus realisiert werden können.

Neue Vorgaben bei der Rattenbekämpfung

Der anschließende Erfahrungsaustausch zwischen Planern, Genehmigungsbehörde und Betreibern von modifizierten Mischsystemen machte deutlich: Je komplizierter ein Abwassersystem ist, desto aufwendiger ist sein Betrieb. Dies zeigt sich schon an den häufig fehlerhaften Baugesuchen und der Bauausführung von Hausanschlüssen.

Anschließend wurden den Teilnehmern von Diplom-Wirtschaftsingenieur Klaus Jilg die neuen Vorgaben bei der Rattenbekämpfung in Kanalnetzen vorgestellt. So gilt seit September 2018, dass Gift zur Nagetierbekämpfung erst nach einem sicheren Nachweis eines Befalls ausgelegt werden darf. Durch ein aktives Monitoring und neue technische Möglichkeiten, unter anderem mit mobilfunkgestützter Überwachung, kann gezielt und ausschließlich nach Bedarf giftiger Köder in das Kanalnetz ausgelegt werden.

Welche Arten von Drosseln an Regenüberlaufbecken gibt es, wie werden diese gewartet und wie können Drosseln auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden? Antworten auf diese Fragen gab Wolfgang Münz. Repräsentative Prüfungen an verbauten Drosselelementen ergaben laut Münz, dass es bereits heute dringenden Handlungsbedarf bei der Wartung von Drosselsystemen gebe.

Bei der Förderung des Abwassers durch Pumpen spitzt sich die Problematik des Verstopfens von Pumprädern vor allem durch den drastischen Anstieg von Feuchttüchern in den Kanälen immer mehr zu.

Pumpenhersteller reagieren auf die Feuchttuchflut

Aus diesem Anlass stellten drei Pumpenhersteller ihre neusten Produkte und Erfahrungen in Bezug auf die Verstopfungssicherheit von Pumpen vor. Schon gebe es hier gute Lösungsansätze, hieß es. Allerdings seien auch die Betreiber aufgefordert, ihre Erfahrungen mit diesem Problem an Planer und Hersteller weiterzugeben, damit die technischen Lösungen optimiert werden können.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen Vortrag zum Thema „Sicheres Einsteigen in Schächte“. Eindringlich wurden die Teilnehmer auf die möglichen Gefahren beim Betreten von Schächten hingewiesen.

Neben der möglichen Absturzgefahr in mehrere Meter Schachttiefe stellen für die Betreiber vor allem die Atmosphäre und die sich darin bildenden schädlichen Gase eine ernstzunehmende Gefahr dar. Jährlich sterben beim Betreten von Schächten mehrere Menschen durch Ersticken, da die Gefahren nicht bekannt oder unterschätzt werden. Auch aus diesem Grund seien Veranstaltungen wie Kanalnachbarschaften in Gschwend wichtig, um die Teilnehmer für diese Gefahren zu sensibilisieren.

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