Crossover zwischen Barock und Jazz

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„Baroque Jam“ in Ingo Hugs Weinkontor in Aalen: Die Besucher des Festivals Alte Musik Aalen hörten ein Crossover-Konzert zwische
„Baroque Jam“ in Ingo Hugs Weinkontor in Aalen: Die Besucher des Festivals Alte Musik Aalen hörten ein Crossover-Konzert zwischen Barock und Jazz. (Foto: Thomas Siedler)
Gerhard Krehlik

Für das Konzert am Dienstagabend sind die Akteure des Festivals Alte Musik Aalen (FAMA) von der Villa Stützel in Ingo Hugs Weinkontor umgezogen. Der Grund dafür war das musikalische Thema des Abends: „Baroque Jam“ war angesagt, also ein Crossover-Konzert zwischen Barock und Jazz.

Das passte nach Ansicht der Festivalmacher Sandra Röddiger und Ralf Kurek viel besser in das sinnenfrohe Ambiente des Weinkontors als in die eher gediegen bürgerliche Atmosphäre der Villa Stützel. Außerdem sollte eine symbolische Verbindung zum Aalener Jazzfestival geknüpft werden. Das Platzangebot im Kontor ist dabei ähnlich eingeschränkt wie in der Villa. Entsprechend überschaubar war auch die Anzahl der Zuhörer, die in fast schon familiärer Atmosphäre zwischen edlen Tropfen und kleinen lukullischen Köstlichkeiten der musikalischen Dinge harrten, die da kommen sollten.

Ein zufriedenes Lächeln

„Geht das überhaupt zusammen, Barockmusik und Jazz?“, fragt man sich bei solchen Crossover-Projekten immer als erstes. Die Antwort ist ein eindeutiges „Jein“. Oder anders ausgedrückt: Die Frage wurde im Laufe des Abends immer unwichtiger. Denn mit jedem Stück – es gab ein festes Programm – nahm der Spaß der Interpreten zu und die spürbare anfängliche Angespanntheit ließ nach. Bei der Zugabe, einem Standard von George Gershwin, lag auf den Gesichtern der Musiker schließlich ein breites, zufriedenes Lächeln, und Sandra Röddiger sang mit ihrem schlanken, geschmeidigen Sopran sogar im Duett mit Norbert Botschek, dessen raue Stimme man ja eher in einem verrauchten Jazzkeller verorten würde. Das gemeinsame Musizieren – die Jazz-Abteilung mit Norbert Botschek (Saxofon und Gesang) und Andreas Fetzer (E-Gitarre), die barocke Gruppe mit Daniela Wartenberg (Barockcello), Johannes Vogt (Laute), Ulrich Bareiss, (Cembalo) und der Sopranistin Sandra Röddiger – hat den Akteuren Spaß gemacht. Dem Publikum hat es gefallen. Und das ist ein nicht zu unterschätzendes Kriterium, ungeachtet möglicher musiktheoretischer Einwände.

In den Stücken von Purcell, Strozzi, Legrenzi und Monteverdi auf der einen, der barocken Seite und Strayhorn, Finzi, Gershwin und Carlos Jobim auf der anderen, der jazzigen Seite waren die Instrumente, deren Saiten gezupft werden, also Cembalo, Laute und E-Gitarre sehr schnell musikalisch ein Herz und eine Seele. Das Barockcello von Daniela Wartenberg und die beiden Saxofone von Norbert Botschek standen eher für die Unterschiede zwischen den beiden musikalischen Welten, boten auch immer wieder klangliche Reibungspunkte. Und das war gut so. Denn es schärfte bei den Zuhörern das Ohr für akustische und stilistische Gegensätze und sorgte gleichzeitig für die sprichwörtlichen Aha-Effekte.

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