Christchurch muss Stadtrecht aufgeben - Partnerschaft zu Aalen beendet

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 Aalens englische Partnerstadt musste auf Regierungsanweisung ihr Stadtrecht aufgeben und sich in eine neue kommunale Einheit mi
Aalens englische Partnerstadt musste auf Regierungsanweisung ihr Stadtrecht aufgeben und sich in eine neue kommunale Einheit mit den Nachbarstädten Bournemouth und Pool begeben. (Foto: Tim Irland)
Johannes Müller

Große Betroffenheit im Städtepartnerschaftsverein, als der Vorsitzende Hermann Schludi bekanntgab, die offiziellen Beziehungen zu Christchurch seien beendet worden. Aalens englische Partnerstadt musste auf Regierungsanweisung ihr Stadtrecht aufgeben und sich in eine neue kommunale Einheit mit den Nachbarstädten Bournemouth und Poole begeben. Schludi versicherte jedoch, dass die partnerschaftlichen Kontakte zwar schwieriger geworden seien, aber von Aalen aus weiterhin gepflegt würden.

„Das kommt zum Brexit noch dazu“, kommentierte Schludi in der Mitgliederversammlung des Städtepartnerschaftsverein am Dienstag im Sängerheim Unterrombach die neue Situation in Christchurch. Der bisherige Bürgermeister, David Black, der Aalen sehr zugeneigt war, sei im Zuge der neuen Strukturen zum Rücktritt genötigt worden, berichtete Boris Erdmann, der im Vorstand mit Martin Kadow für den englischen Partner zuständigen Beisitzer.

Am 21. Mai seien bereits Neuwahlen für Blacks Nachfolger. In der neuen Einheit, die sich BPC nennt, sei Christchurch der kleinste, aber wohlhabendste Partner.

Austausch wird weiterhin gepflegt

„Die bisherigen Kontakte über Round Table, die Kocher-Band und vereinzelten Schüleraustausch laufen weiter“, kündigte Erdmann an und bei den Reichsstädter Tagen erwarte man wieder Besuch aus Christchurch. Aalener Jazzfreunde wollen auch den Austausch mit Taverners Big Band weiter pflegen und planen einen Besuch zu deren Sommerfest anfangs August. Der Twinning Club Aalen stehe in guter Zusammenarbeit mit dem englischen Twinning Board, ergänzte Martin Kadow.

Nach dem ausführlichen Rückblick, den Hildegard Stehle über die vielen Aktivitäten des Vereins mit seinen 213 Mitgliedern gab, berichtete Sandra Bertele von einer Fülle von Kontakten mit Saint-Ló. Besonders das THG und die Uhland-Realschule schicken ständig Schüler und Schülerinnen hin und her.

Der Sport sei mit Handball und die Musik mit dem Städtischen Orchester auch beteiligt. Ende Juni fahre eine größere Gruppe zum 40jährigen Partnerschaftsjubiläum in die Normandie und im August sei eine Fahrradtour geplant, ergänzte Renate Hemlep für den Landkreis.

In Cervia stehten Bürgermeisterwahlen an

Seit 32 Jahren gibt es die Partnerschaft mit dem ungarischen Tatabanya. Claudia Traub, die Beauftragte der Stadt für die Partnerschaften, und Andrea Silló stellten den regen Austausch mit der Karl-Kessler-Schule und der Musikschule Aalen in den Vordergrund. Zum Wechsel mit dem bisherigen Besuch beim Bergmannsfest werden die Aalener dieses Jahr zum Bierfest eingeladen.

Beate Schön informierte von vielen Aktivitäten, angefangen von kulturellen Kontakten über Delegationsbesuche bis zu familiären Verbindungen zur italienischen Partnerstadt Cervia. Am 26. Mai stünden Bürgermeisterwahlen mit neuen Kandidaten an, berichtete sie auch im Namen ihres Mitbeisitzers Günter Höschle und von Claudia Traub mit ihrer „italienischen Seele“, wie Beate Schön kollegial formulierte.

Schule um Multifunktionshalle erweitert

Spektakuläres aus Aalens türkischer Partnerstadt Antakya/Hattay wusste Roland Hamm, der sie mit einer kleinen Delegation besucht hatte. Die von der Stadt Aalen und anderen unterstützte Schule für 1500 syrische Flüchtlingskinder wurde um eine Multifunktionshalle erweitert.

Das Engagement für die 450 000 Flüchtlinge unter den knapp 300 000 Einwohnern Antakyas erlahme verständlicherweise und man hoffe auf ihre Rückkehr. In diesem Anliegen habe die Stadt jetzt einen Brief an die Unesco-Weltflüchtlingshilfe und an den Sicherheitsrat abgesandt.

Den Beschluss des Aalener Gemeinderats für einen Freundschaftsvertrags mit der Stadt Vilankula/Mosambik wolle man vom Städtepartnerschaftsverein gerne aufgreifen und habe einen Vorstandsbeschluss gefasst, gab Hermann Schludi bekannt. Bedenken begegnete er mit dem Argument des Kennen- und Verstehenlernens, das im Verein schon immer ausschlaggebend gewesen sei.

Die Mitglieder wählten einstimmig Andrea Hattam, die Wasseralfinger Ortsvorsteherin, als Afrika-Expertin in den Vorstand. Gabi Springer forderte mehr Öffentlichkeitsarbeit und einen Pressereferenten. Demgegenüber wies Schludi auf die knappe Personaldecke des relativ kleinen Vereins hin.

Aus dem Vorstand verabschiedet wurden mit Dank für ihre Tätigkeit Martin Kadow und Günter Höschle. Für nächstes Jahr kündigte Schludi eine gemeinsame Fahrt mit dem Gmünder Partnerschaftsverein in die Europa-Stadt Straßburg an. 

Das sagt der Vorsitzende der Städtepartnerschaft

Hermann Schludi bedauert es, dass die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Christchurch und Aalen nicht mehr existiert. Einziger Trost sei, dass die privaten Beziehungen unverändert bestehen bleiben. Das liege auch den Aalener Vereinen am Herzen. Auch in Christchurch sei man bestrebt, die Partnerschaft so gut es geht aufrechtzuerhalten, sagt Schludi.

Das große Problem sei, dass Christchurch jetzt doppelt gespalten ist. Zum einen wegen des Brexit, zum anderen wegen des Verlustes des Stadtrechts und der Eingliederung in einen Dreierverbund mit Bournemouth und Poole. Vor diesem Hintergrund müssten auch die Wahlbezirke neu geordnet werden. So mancher Lokalpolitiker habe bereits seine Partei verlassen müssen, weil er für oder gegen den Brexit war oder für oder gegen die Aufhebung des Stadtrechts.

Schludi habe in der Christchurch Times gelesen, dass der neue Verbund auf der Suche einer größeren Einheit für die Städtepartnerschaft sei. Diesbezüglich würden derzeit die Städtepartnerschaften aller drei englischen Städte neu geordnet und versucht, einen Konsens zu finden, welche Partnerschaft man weiterbetreibt.

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