Bundesverdienstkreuz für Ulla Schell aus Hofherrnweiler

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 Ulla Schell (Mitte) mit ihrem Mann Lothar (links) und Oberbürgermeister Thilo Rentschler.
Ulla Schell (Mitte) mit ihrem Mann Lothar (links) und Oberbürgermeister Thilo Rentschler. (Foto: Hügler)
Edwin Hügler

Sie hat mit bewundernswertem Lebensmut eigene gesundheitliche Rückschläge bewältigt, pflegt seit drei Jahrzehnten ihren schwerstbehinderten Sohn und war 20 Jahre lang im Körperbehindertenverein Ostwürttemberg aktiv: Ulla Schell aus Hofherrnweiler. Bei einer Feier mit rund 50 Gästen hat Oberbürgermeister Thilo Rentschler am Montagabend im Aalener Rathaus ihre Verdienste gewürdigt und ihr das von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehene Bundesverdienstkreuz überreicht.

„Sie erlitten in Ihrem Leben mehrere massive Rückschläge und haben sich niemals unterkriegen lassen: Mutig und mit viel Hingabe und sozialer Wärme haben Sie sich Ihren Aufgaben und den enormen Herausforderungen gestellt", sagte Rentschler.

In ihrer zweiten Schwangerschaft mit ihrem Sohn Patrick seien schwerwiegende Komplikationen aufgetreten. Der Sohn sei seither schwerstbehindert und werde von Ulla Schell weitgehend allein versorgt. Ihr Mann Lothar sei ihr eine große Stütze.

2004 habe sie ein weiterer Schicksalsschlag ereilt: Infolge eines Schlaganfalls habe Ulla Schell ihren linken Arm verloren, Phantomschmerzen seien ständige Begleiter in ihrem Alltag. Mit bewundernswertem Mut, innerer Stärke und einer positiven Lebenseinstellung widme sie sich der Pflege ihres Sohnes Patrick. Sie schaffe es einarmig, ihn zu windeln, zu waschen, Essen zu geben und ihn in den Rollstuhl zu heben. Außerdem habe sich Ulla Schell bis zuletzt um ihre Mutter gekümmert und sie gepflegt.

Im Körperbehindertenverein Ostwürttemberg habe sie das Projekt „Glück kann man teilen - Sorgen auch“ geleitet, eine Plattform für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Handicap. Rentschler bezeichnete das Engagement von Ulla Schell als vorbildlich, sie habe die hohe Auszeichnung verdient.

Kerstin Gangl, eine langjährige Freundin, bewunderte den Mut und die Tatkraft von Ulla Schell. Sie sei der Nabel einer tollen Familie und hadere nicht mit ihrem Schicksal. „Ulla, du bist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft“, betonte Gangl.

Dank an Familie für den starken Rückhalt

Die Geehrte schilderte zunächst die schweren Stunden bei der Geburt ihres Sohnes Patrick, der 1989 um einige Wochen zu früh per Notkaiserschnitt geboren worden sei. Heute sei er ein toller Junge, immer gut aufgelegt. Er liebe das Leben und beobachte die kleinen Kinder seiner Schwester mit glänzenden Augen. Patrick lebe seit 2011 in der Außenwohngruppe der Lebenshilfe in Aalen und verbringe die meisten Wochenenden sowie die Feiertage und Urlaube zuhause.

Ulla Schell dankte ihrer ganzen Familie für den starken Rückhalt. Sie zitierte Nelson Mandela mit den Worten „Der größte Ruhm im Leben liegt nicht darin, nie zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen und meinte, das Leben in einer „behinderten Familie“ sei zwar schwieriger, aber nicht weniger lebenswert. Die Feier wurde von Reinhold Hirth am Klavier musikalisch umrahmt.

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