Bildung eröffnet Kindern in Nepal neue Chancen

 Die Hilfe für Nepal ist Petra Pachner eine Herzensangelegenheit.
Die Hilfe für Nepal ist Petra Pachner eine Herzensangelegenheit. (Foto: privat)
Redakteurin

„Ich habe in Nepal viele bemerkenswerte Menschen kennengelernt“, sagt Petra Pachner. Menschen, die in großer Armut in den Bergdörfern der Region Dhading leben. Die sich über jeden neuen Tag freuen, die jeden Tag tanzen, obwohl Hunger, Naturkatastrophen und politische Instabilität ihr Leben schwierig machen. „Es ist eine kraftvolle Gesellschaft, die nie aufgibt“, finden die Vorsitzende des Vereins „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg e.V.“ und ihr Mann Herwig Jantschik. Seit mehr als zehn Jahren bereits leisten die beiden zusammen mit einem treuen Team in Deutschland und guten Partnern in Nepal den Menschen am Fuß des Himalayas ehrenamtlich Hilfe zur Selbsthilfe. Natürlich braucht es dafür Spenden.

„Im Moment geht es um die Ausstattung der Berufsschule und der allgemeinbildenden Schule“, erklärt Petra Pachner. Tafeln braucht es und Holz, um Tische und Stühle herzustellen, es braucht Hefte und Stifte und auch Schuluniformen für die Kinder, die oft genug barfuß und nur mit einem dünnen Hemd bekleidet vor der Tür stehen. „Das steht an“, haben ihre nepalesischen Partner ihr jüngst geschrieben, sagt Pachner.

Es ist ihr eine Herzensangelegenheit. In den Bergdörfern gebe es keine Ausbildungsmöglichkeiten, erklärt sie. „Jedes Kind ist eine Arbeitskraft, sobald es laufen kann. Die Eltern schicken es aufs Feld.“ Der Verein „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg e.V.“, den sie 2015 zusammen mit ihrem Mann gegründet hat, hat daran etwas geändert. Jetzt schicken Eltern ihre Kinder zu dem Bildungszentrum, das in den vergangenen Jahren auf einem großen Grundstück in Dhunibesi entstanden ist. Sie tun es vielleicht zunächst wegen der Schulspeisung, die es dort gibt – es bedeutet einen Esser weniger zuhause. Doch den Kindern eröffne sich so eine Chance auf ein Leben in Selbstständigkeit, freut sich Pachner. Sie lernen hier einen Beruf.

2008 hätte die Aalener Stadträtin sich nicht träumen lassen, dass einmal 180 Jungen und Mädchen eine Schule besuchen würden, die durch ihr Engagement entstanden ist. Damals waren Petra Pachner und ihr Mann zum ersten Mal in Nepal. Privat und tief bewegt, denn das Paar war zu einem Waisenhaus bei Kathmandu gereist, um ein Mädchen als ihre Tochter zu adoptieren.

„Der Eigentümer des gemieteten Waisenhauses ist verstorben, und die Erben wollten das Haus verkaufen. 400 000 Euro waren zu viel“, erinnert sich Pachner. Sie und ihr Mann boten an: „Wenn ihr Hilfe braucht, kommt auf uns zu.“ Und tatsächlich rief die Leitung eines Tages bei ihnen an. „So sind wir in die Hilfe für Nepal eingestiegen.“

In den ersten Jahren ging es darum, ein Kinderdorf aufzubauen. Dann kamen die großen Erdbeben. Am 25. April 2015 mit der Stärke 7,9, am 12. Mai 2015 mit der Stärke 7,4. Sie gelten als die tödlichste Katastrophe in der Geschichte Nepals. „Was hatten wir Angst um unsere Kinder. Nepal ist zutiefst ein Teil unseres Lebens“, erklärt Pachner. Damals starteten sie und ihr Mann eine große Hilfsaktion, und es war klar: Diese Hilfe musste jetzt auf professionellen Füßen stehen.

Sie gründeten den Verein „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg“, bauten Kontakte zur Regierung auf, suchten im Land Kooperationspartner und fanden sie in der in Nepal neu gegründeten „Sheshkant Foundation“ einer nepalesischen Stiftung. Petra Pachner sind diese Strukturen wichtig: „Unsere Projekte und die Verwendung der Spendengelder werden doppelt überprüft“, erklärt sie: in Deutschland durch das Finanzamt, in Nepal durch das Sozialministerium. Sie, ihr Mann und Pawan Dhakal vom Vorstand des Vereins sind Stiftungsmitglieder der „Sheshkant Foundation“, die jedes Jahr einen Rechenschaftsbericht ablegt. „Alle Projekte sind legal und transparent“, betont die Aalenerin.

Als Glücksfall erwies sich, dass ein weiteres Mitglied der Foundation ein riesiges Grundstück in seinem Dorf Dhunibesi für die gute Sache zur Verfügung stellte. Zuvor hatte dort eine Dorfschule gestanden, die durch das Erdbeben zerstört worden war. „Wir haben uns schon immer Gedanken darüber gemacht, was aus unseren Kinderdorfkindern wird, wenn sie erwachsen werden“, erläutert Petra Pachner. Nun stand der Ort für ein Bildungszentrum zur Verfügung.

„Glück im Unglück war, dass wir mit dem Bau noch nicht begonnen hatten, als das großen Beben kam“, erinnert sich die Stadträtin. Nach den Beben begann der Aufbau einer Schule und einer Metallwerkstatt, für die sich vor allem auch die Firma Voith in Heidenheim engagierte und zu deren Einweihung 2019 der damalige parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Norbert Barthle, anreiste. Inzwischen ist eine Holzwerkstatt dazugekommen.

Und gerade, berichtet Petra Pachner, pflügt ein Containerschiff durchs Meer in Richtung Indien. Einige der Container darauf enthalten die Bauteile und Maschinen für eine zweite Holzwerkstatt in Dhunibesi. „Wir hoffen, dass die Container im März diesen Jahres in Nepal eintreffen werden“, sagt Petra Pachner.

Die Holzbauteile und Maschinen hat ein norddeutscher Partner des Ostalb-Teams in jahrelangem Engagement zusammengetragen. Emil von Elling, der Inhaber der gleichnamigen Fachwerkhaus-Firma aus Winsen an der Luhe, wird auch dabei sein, wenn im März die Container ausgeladen sind und die Werkstatt in Dhunibesi aufgebaut wird. „Er fliegt mit uns mit“, so Pachner.

Sie weiß nicht, zum wie vielten Mal sie dann nach Nepal reist. „Zum 20. oder 30. Mal?“ Sie weiß aber: In der neuen Holzwerkstatt werden die Lehrlinge lernen, wie man im Erdbebengebiet erdbebensichere Häuser baut. „Ein Tag, ein Haus“, ist die Devise. Nach und nach können die Holzhäuser die eiskalten Wellblechhütten ersetzen, in denen viele Nepalesen seit 2015 hausen. „Das ist unser Anspruch“, erklärt Petra Pachner: „Auf Augenhöhe die Menschen dort zu fragen: Was braucht ihr, um euch selbst zu helfen?“

Dann die nötige Unterstützung zu beschaffen, darür setzen sie und ihr Mann sich im Verein „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg e.V. “ täglich ehrenamtlich ein. Und freuen sich über jede Spende, die diese Sache unterstützt.

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