Bezirksliga: Keine Entscheidung – Nur eine Tendenz

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 Obenauf: Die Neresheimer.
Obenauf: Die Neresheimer. (Foto: Peter Schlipf)
Nico Schoch

Diesen Sonntag, am viertletzten Spieltag der Saison, steigt das Gipfeltreffen im Rennen um den Meistertitel in der Fußball-Bezirksliga: Der SV Neresheim bei der SG Bettringen, lediglich einen Zähler trennt den Klassenprimus von seinem schärfsten Rivalen. Die Bedeutung dieses Topspiels steht für beide Seiten außer Frage und dennoch ist das Aufstiegsrennen noch weit von einer Entscheidung entfernt.

Seit Sonntag liegt erneut der SV Neresheim (1./55 Punkte) obenauf, da die SG Bettringen (2./54) überraschend beim Abstiegskandidaten in Wört strauchelte. Vor dem Gipfeltreffen liegt also zumindest ein kleiner Vorteil auf Seiten der Klosterstädter. „Der Druck liegt bei Bettringen“, weiß Erdal Kalin deshalb. Der SVN-Coach erwartet ein „Duell auf Augenhöhe, in dem aber auch ein gewisser Erwartungsdruck auf uns lastet.“ Denn selbstverständlich wäre es äußerst unglücklich, bei einer Niederlage die Tabellenführung an den direkten Konkurrenten zu verlieren und somit die Meisterschaft nicht mehr aus eigener Kraft erreichen zu können. Ein besonderer Pluspunkt für Neresheim könnte Kalin sein. Oder genauer gesagt: Seine Erfahrung. Denn in der Vorsaison führte der 47-Jährige bereits den FV Sontheim/Brenz nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SV Waldhausen in die Landesliga. „Dies zweimal nacheinander zu schaffen, wäre natürlich eine besonders schöne Sache“, ist sich Kalin bewusst. Er hat sich nach seinem Einstieg zur Winterpause schnell beim SVN zurechtgefunden: „Ich bin sehr gut aufgenommen worden und es macht Spaß, mit diesen Jungs zu arbeiten. Dass ich die Bezirksliga recht gut kenne, hat mir die Eingewöhnung leicht gemacht und ist sicherlich ein Vorteil, den ich nun auf meine Spieler übertragen möchte.“ Vielleicht liegt in dieser Routine auch der Grund dafür, dass Kalin dem bevorstehenden Showdown zwar mit Vorfreude, aber noch mehr Gelassenheit entgegenblickt. „Wir werden uns ganz normal vorbereiten und versuchen, unser Spiel durchzuziehen“, betont der Übungsleiter und will auch den Bettringer Heimvorteil nicht zu hoch bewerten: „Wir sind es gewohnt, dass es in unseren Auswärtsspielen teils sehr hitzig zu geht. Doch wir konzentrieren uns auf das Fußballerische und nicht auf das, was von außen auf uns hereinprasselt.“ Gehörigen Respekt äußert er allerdings vor der Qualität des Landesliga-Absteigers, der die direkte Rückkehr anpeilt.

„Uns erwartet eine echte Hausnummer“, so Kalin, „denn Bettringen besitzt eine sehr erfahrene Mannschaft mit hervorragenden Einzelspielern und hohem Teamgeist.“ Ein weiterer Faktor sei die höhere Eingespieltheit im Vergleich mit dem SVN. Worauf sich Kalin allerdings besonders freut: „Bettringen ist der wohl einzige Gegner in der Liga, der in der Lage ist, wirklich Fußball zu spielen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele unserer Gegner lieber mauern und über Konter versuchen, das eine oder andere Tor zu erzielen.“ „Sollten wir verlieren, hätte Bettringen sicherlich einen leichten Vorteil“, erklärt Kalin, „aber auch wenn wir gewinnen und unseren Vorsprung auf vier Punkte ausbauen, wäre das zwar ein großer Schritt mehr aber auch nicht mehr.“ Zumal Neresheim mit den Partien gegen die abstiegsbedrohten Kirchheimer und Heuchlinger sowie zum Saisonfinale gegen Lauchheim ein anspruchsvolles Restprogramm zu bewältigen hat. „Deshalb wird die Meisterschaft am Sonntag ganz sicher noch nicht entschieden sein“, ist sich Kalin sicher.

Neuler lauert

Was die Ausgangslage zusätzlich brisant macht: Der Verlierer des Spitzenspiels hätte nicht nur die schlechteren Karten im Titelrennen, sondern müsste auch noch um die Relegation zittern. Denn hier lauern der TV Neuler (3./51) sowie die TSG Nattheim (4./49) weiterhin auf ihre Chance. Der TVN hat bei der TSG Schnaitheim (9./40) seinen fünften Sieg in Folge im Visier, Nattheim fährt ebenso favorisiert zum AC Milan Heidenheim (10./28). Nicht zuletzt besitzt sogar noch der Sieger des Verfolgerduells TSG Hofherrnweiler II (5./46) gegen SV Waldhausen (6./46) eine kleine Restchance, im Endspurt noch den zweiten Rang einzunehmen. Für den SV Lauchheim (7./43) und den FV 08 Unterkochen (8./42) hingegen geht es in ihrem direkten Aufeinandertreffen nur noch um die „Goldene Ananas“. Richtungsweisende, wenn nicht sogar entscheidende Partien hat der Abstiegskampf am Sonntag aufzubieten. Der Vorletzte TV Heuchlingen (15./19) greift im Heimspiel gegen den VfL Gerstetten (12./25) nach dem letzten Strohhalm. Währenddessen wäre der Abstieg des FC Ellwangen (16./15) vorzeitig besiegelt, sollte das Schlusslicht bei den Sportfreunden Lorch (13./24) tatsächlich die neunte Niederlage in Folge kassieren. Der Glaube an eine späte Wiederauferstehung jedenfalls dürfte den Ellwangern allmählich verloren gegangen sein. Um Alles oder Nichts hingegen geht es im Sechs Punkte-Spiel zwischen der SGM Kirchheim/Trochtelfingen (11./27) und dem SV Wört (14./23). Nach fünf Spielen ohne Sieg zählt für beide Kontrahenten nun einzig und allein ein Dreier. Die SGM könnte sich im Erfolgsfall wohl vorentscheidend von der Gefahrenzone absetzen, Wört will unbedingt die Abstiegsränge verlassen, ein Remis wiederum würde niemanden weiterbringen.

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