Bewegender Abschied von Ursula Schütz

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23 Jahre lang war Pfarrerin Ursula Schütz Seelsorgerin am Ostalb-Klinikum. Ihre Verdienste würdigten Dekan Ralf Drescher (recht
23 Jahre lang war Pfarrerin Ursula Schütz Seelsorgerin am Ostalb-Klinikum. Ihre Verdienste würdigten Dekan Ralf Drescher (rechts) und Thomas Hiesinger, erster Vorsitzender des Kirchengemeinderats. (Foto: Peter Schlipf)
Johannes Müller

Keine Wundergeschichte Jesu wollte Pfarrerin Ursula Schütz für ihre Abschiedspredigt wählen. Lieber nahm sie das Wort des Propheten Jesaja „Tröstet, tröstet mein Volk“. Denn getröstet, mitgelitten und mitgeweint hat sie als Seelsorgerin an unzähligen Krankenbetten des Ostalb-Klinikums Aalen. 23 Jahre lang hat sie aufopfernd und geduldig diesen Dienst geleistet. Das wurde ihr bei ihrer Verabschiedung in den Ruhestand von vielen Seiten bestätigt.

Weil sie vor ihrem Dienst im Krankenhaus schon zehn Jahre Pfarrerin im ökumenischen Gemeindezentrum Peter und Paul war, trafen sich am Sonntagabend dort unwahrscheinlich viele Besucher zu ihrem Abschiedsgottesdienst. Nach insgesamt 33 Jahren geht sie in den verdienten Ruhestand, den sie mit ihrem Mann, dem Tierarzt Schütz in Aalen verbringt.

„Wo bleibt Gott?“ habe sie sich oft selbst bei ihrer Arbeit mit den Patienten gefragt. Trost helfe nicht wie eine Pille, sagte Schütz. Seelische Krisen, quälende Schmerzen und Depressionen hätten sie oft selbst an ihre Grenzen gebracht. Es bleibe nur Ausharren im Vertrauen auf die von Gott zugesagte Hilfe. „Die Hoffnung sich nicht ausreden lassen und das Gebet in der Not nicht aufgeben“, habe sie oft den Patienten empfohlen.

Mit zauberhaft schönen Einlagen von Barsani und Vivaldi haben Sonnhild und Walter Nollenberger (Flöte und Orgel) sowie Thomas Haller am Klavier den Gottesdienst musikalisch gestaltet. In der evangelischen Kirche gebe es keine Formel für die Entpflichtung eines Pfarrers in den Ruhestand, räumte Dekan Ralf Drescher bei der anschließenden Abschiedsfeier im Gemeindesaal ein. Es gelte jetzt „abschiedlich leben zu lernen“. Das sei oft ganz schön schwer, aber Nichtstun sei auch schwer. Mancher sei froh, wieder etwas tun zu dürfen.

Tröstlicher Dienst über Jahre

„Ich werde auch Ursula Schütz nicht auf Dauer in Ruhe lassen,“ kündigte Drescher an und dankte ihr für den Segen, den sie so vielen kranken Menschen gespendet hat, und für den tröstlichen Dienst über so viele Jahre hindurch. „Sie war für mich die Stimme liberaler Theologie und hat immer klare Position bezogen“, bekannte Drescher, der auch die Grüße von Bürgermeister Karl Heinz Ehrmann im Namen der Stadt vermittelte.

Auf Frage unserer Zeitung versicherte Drescher, dass die Stelle der Krankenhauspfarrerin bereits auf Ebene der Landeskirche ausgeschrieben sei. „Ich bin guten Mutes, daß diese Fünfzig-Prozentstelle in Bälde besetzt sein wird“, sagte er. „Ich werde meine Stimme bei der Ausschreibung mit einbringen“, verriet auch Verwaltungsdirektor Günter Schneider vom Ostalb-Klinikum. Er lobte Ursula Schütz als „Baumeister und Pionierin für die Klinikseelsorge. In Grenzsituationen und in der Krise des Lebens sei sie Wegweiserin und Trostspenderin gewesen.

Schütz habe nicht nur neue Herausforderungen durch medizinethische Fragen bestanden, sondern auch dafür gesorgt, daß verstorbene Frühgeborene mit Anstand beerdigt wurden, hob Altdekan Erich Haller hervor. Claudia Fischer und Cornelia Ostwald schilderten als Kolleginnen im Amt das Durchsetzungsvermögen von Ursula Schütz. Sie habe mit an vorderster Front die Rechte der Frau im kirchlichen Dienst der Landeskirche gegen viele Hindernisse erkämpft. Schuldekan Harry Jungbauer überbrachte die Grüsse der evangelischen Synode. Man habe die Arbeit von Pfarrerin Schütz wertgeschätzt, besonders auch in der Ausbildung der Pflegenden.

Mit dem Lied „Geht sie denn, geht sie denn zum Pfarramt hinaus“ haben neun Pfarrer und Pfarrerinnen ihre Wünsche für den Ruhestand ihrer Kollegin zum Ausdruck gebracht. In einem heiteren Sketch ließen die aktiven Gemeindemitglieder Johannes Eck und Harald Markscheffel die Apostel Petrus und Paulus auf der Ostalb erscheinen und über die „Skandalgeschichte“ berichten, dass eine gewisse Christin mit Namen Ursula Tutela, alias Schütz, sich verbotener Weise im Predigtamt betätige.

Thomas Hiesinger, erster Vorsitzender des Kirchengemeinderats, führte nicht nur als Moderator durch das Programm, sondern dankte Ursula Schütz als freundliche und zurückhaltende Seelsorgerin, die sich oft als „mahnende Stimme mit großem Herz für die Nöte und Sorgen der Leute“ eingesetzt habe. Farbige Highlights aus der internationalen Musikszene setzte April Hailer, begleitet von Thomas Haller am Klavier, dem Programm auf. Mit dem schwäbischen Bonmot „Älles isch bloß a Weile schö“, und mit Dankesworten für die „tolle Feier“ verabschiedete sich Ursula Schütz in den verdienten Ruhestand.

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