Bergleute treffen Stevie Wonder

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 Mit konzertanter, orchestraler Blasmusik auf höchstem Niveau hat die SHW-Bergkapelle beim Dreikönigskonzert erneut restlos bege
Mit konzertanter, orchestraler Blasmusik auf höchstem Niveau hat die SHW-Bergkapelle beim Dreikönigskonzert erneut restlos begeistert. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Symphonische Blasmusik auf allerhöchstem Niveau: Puren Musikgenuss und ein Wechselbad von fulminanter Dramatik bis hin zu wunderschönen, ruhigen Melodien hat die SHW-Bergkapelle erneut beim Dreikönigskonzert den Gästen in der voll besetzten Stadthalle Aalen geboten. Das Aktive Orchester besuchte unter anderem musikalisch ein beschauliches Tal, ging ins Theater, zur Olympiade und traf im Bergwerk in einer echten Uraufführung Stevie Wonder. Die Jugend machte tollen, fröhlichen „Krach“ und sich dann auf, Drachen zu zähmen.

Zuerst das Finale, die Uraufführung: „A Miner’s view on Stevie Wonder“. Arrangiert hat es Jörg Murschinski, der mit dem Dirigenten befreundet ist und am Sonntag diese Uraufführung anhören konnte. Das kam so: Günter Martin Kost hatte sich vor zwei Jahren neun Musiker geschnappt, um die Hochzeit von Murschinski mit seiner Frau Lena entsprechend musikalisch zu gestalten. Aus lauter Begeisterung und – wie Moderator Alfons Hug erklärt – „von größter Dankbarkeit beseelt“, sagte er Kost zu, etwas „für Di ond dei Bergkapell’“ zu schreiben. Herausgekommen ist ein tolles, hinreißendes Arrangement – Stevie Wonder aus der Sicht der Bergleute mit den Welthits wie „Sir Duke“, „You are the sunshine of my life“, „Part-Time Lover“ und anderen.

Begonnen hatte dieser erneute Meilenstein in der langen Tradition der SHW-Bergkapellen-Dreikönigskonzerte mit dem bewegten Krönungsmarsch „Crown Imperial“, zu dessen Klängen Edward VIII., König des damaligen britischen Empire, eigentlich eine Bürgerliche heiraten wollte. Es kam anders: Man hatte zwar einen Hochzeitsmarsch, aber keine königliche Hochzeit. Wie das ging, erzählt Alfons Hug. Wie jedes Jahr führt er mal informativ, mal augenzwinkernd durchs Programm. Aus der Sicht eines Musikers (er spielt Tuba) und aus der Sicht eines Chronisten, dem auch mal der Schalk im Nacken sitzt, und der witzige Anekdoten zwischen den Stücken einstreut.

Das Stück „Of ancient Dances“ von Stephen Bulla beginnt mit der düsteren Beschwörung, ein ungestümes Durcheinander aller Instrumente leitet über in einen flotten 6/8-Takt, es folgen vier unterschiedliche, spannende Sätze mit tänzerischen Elementen. Nach diesem aufwühlenden Stück geht es das Orchester ruhiger an. Bei „Shenandoah“ begleiten die Musiker den Fluss durch eine friedliche, unberührte Landschaft im US-Staat Virginia. „So schön kann Amerika sein“, bemerkt Hug und rät dem Auditorium: „Denken Sie nicht an den Präsidenten, sonscht isch älles für d’ Katz‘“. „Theatre Music“ hätte mit Sicherheit auch Kosts Vorgänger gefallen – Philip Walford war schließlich ein großer Fan von Philip Sparke, aus dessen Feder dieses Werk stammt. Die Ouvertüre lebt von vielen Taktwechseln, das Intermezzo ist sinnlich-lieblich, das Finale sehr virtuos. Ein höchst anspruchsvolles Stück in der höchsten Wertungsstufe.

Wie geschaffen für Blasmusik

Auf welch hohem Niveau auch die Jugend spielt, zeigt sie mit „Make a joyful noise“, ein eingängiges Stück mit einem gefühlvollen Mittelteil, Perkussion, Trompetensoli und einem feierlichen Finale – wie geschaffen für Blasmusik. „Drachen zähmen leicht gemacht“ hat sich die Jugendkapelle auch noch ausgesucht. Mit seinen wunderschönen Themen, keltischen Einflüssen und einem gekonnt instrumentierten Arrangement. Dann übernimmt wieder das Aktive Orchester die Bühne. In den „Symphonic Marches“ erklingt Kinomusik aus „Indiana Jones“, „Star Wars“ und die Olympische Fanfare der Sommerspiele 1984 in Los Angeles, vor der „Miners’s-View“-Uraufführung setzen sich beim orchestralen „Burgler’s Holiday“ die Trompeten fanfarenhaft in Szene. Die Gäste in der Stadthalle sind begeistert an einem grauen Sonntagnachmittag mit Potenzial für den Winter-Blues. Den blies die Bergkapelle mit konzertanter Blasmusik einfach weg.

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