Bei der Caritas-Migrationsberatung geht es oft um die nackte Existenz

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Frau sitzt an einem Schreibtisch mit einer aufgeschlagenen Mappe in der Hand
Mirjam Kuhn betreut bei der Caritas Ost-Württemberg Migrantinnen und Migranten und unterstützt sie in vielen Lebenslagen. (Foto: Anja Gladisch)

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Für Menschen mit Migrationshintergrund, die in den Ostalbkreis kommen, ist die Diplom-Sozialpädagogin Mirjam Kuhn oft die erste Ansprechpartnerin. Sie ist Lotsin oder, wie es neudeutsch heißt, Case-Managerin für Menschen, die hier neu ankommen und sich zurechtfinden wollen oder müssen.

Manche brauchen Hilfe bei Behördengängen. Andere möchten einen Sprachkurs machen, suchen eine Wohnung oder fragen an, ob ihre Schul- oder Berufsausbildung hierzulande anerkannt wird.

Als Migrationsberaterin bei der Caritas Ost-Württemberg kümmert sich die Diplom-Sozialpädagogin ebenso um Zuwanderer aus den EU-Staaten wie um Geflüchtete, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung suchen. Bei den Zuwanderern aus anderen EU-Staaten steht zumeist die Frage nach dem Arbeitsplatz im Vordergrund.

Hier passiert es häufig, dass Mirjam Kuhn die Menschen an das zuständige Jobcenter verweist. Bei Geflüchteten ist die Bandbreite der Probleme oft größer.

„Viele wissen gar nicht, wo sie hin müssen“, erzählt die Migrationsberaterin. Dann hilft sie den Menschen, sich im Dickicht der Behörden und ihrer Zuständigkeiten zurechtzufinden.

Die Menschen, die die Sozialpädagogin berät, kommen aus vielen Ländern: Die wichtigsten Herkunftsländer außerhalb der EU sind Syrien, Irak, Iran, mehrere afrikanische Staaten, Russland sowie Kasachstan. Bei dieser Vielfalt ist die Verständigung natürlich manchmal ein Problem. „Manche kommen mit Dolmetschern“, erzählt Mirjam Kuhn.

Vor der Corona-Pandemie hatte die Sozialpädagogin etwa zehn bis 15 persönliche Kontakte pro Woche, im vergangenen Jahr betreute sie etwa 200 Fälle.

Der Zeitaufwand dafür kann ganz unterschiedlich sein, erläutert Mirjam Kuhn: Bei manchen genügt ein Anruf, andere kommen im Lauf eines Jahres bis zu 20-mal persönlich vorbei. Der Migrationsberaterin ist wichtig, dass die Menschen gern kommen und keine Scheu zeigen. Zudem sind alle Gespräche vertraulich, denn sie unterliegt der Schweigepflicht.

Es gibt Fälle, in denen aufgrund der weggefallenen Arbeits - oder Ausbildungsstelle die Aufenthaltserlaubnis gefährdet ist.

Mirjam Kuhn

Sehr oft geht es um die Sicherung der Existenz, weiß die Sozialpädagogin, die seit 15 Jahren in Ellwangen und Aalen als Migrationsberaterin für erwachsene Zuwanderer tätig ist. Viele Migrantinnen und Migranten kommen zu ihr aus finanzieller Not.

„Wie soll ich über das Wochenende kommen?“, ist eine oft gestellte Frage, erzählt Mirjam Kuhn – zum Beispiel, wenn eine Familie auseinanderbricht oder ein Familienmitglied plötzlich auf medizinische Hilfe angewiesen ist.

Dann ist die Sozialpädagogin froh, dass sie – nicht zuletzt dank der Spenden der Leserinnen und Leser der Schwäbischen Zeitung und ihrer Lokalausgaben – einen Soforthilfe-Topf zur Verfügung hat, mit dem sie Migrantinnen und Migranten in solchen Situationen rasch und unbürokratisch helfen kann.

Dabei geht es nie um große Summen, sondern um Beträge, mit denen die Menschen das Nötigste kaufen können – Lebensmittel, Medikamente oder Pflegeprodukte. Wenn es diesen Spendentopf nicht gäbe, sagt Mirjam Kuhn, „dann hätte ich gar nichts zu geben“.

Die Corona-Pandemie hat die prekäre Lebenssituation vieler Migrantinnen und Migranten noch verschärft – zum Beispiel, wenn der Arbeitgeber pandemiebedingt Teile seiner Belegschaft entlassen muss: „Es gibt Fälle, in denen aufgrund der weggefallenen Arbeits - oder Ausbildungsstelle die Aufenthaltserlaubnis gefährdet ist“, erklärt Mirjam Kuhn.

Oft geht es auch darum, den Betroffenen zu erklären, was im Fall eines Arbeitsplatzverlustes zu tun ist und an welche Stelle man sich wenden muss.

Nach den ersten Kontaktbeschränkungen im Frühjahr habe zunächst „Schockstarre“ geherrscht, erinnert sich die Sozialpädagogin. „Dann aber ging es richtig los“, erklärt sie. Mirjam Kuhn erinnert sich an den Fall eines jungen Syrers, dessen Vater an Covid-19 verstarb und der seine Mutter, die zurzeit in der Türkei lebt, zu sich holen möchte.

Ich habe Leute, die sind schon zehn Jahre bei mir.

Für solche Situationen, in denen die Menschen juristische Beratung brauchen, vermittelt die Caritas auch den Kontakt zu geeigneten Fachanwälten.

Sehr oft erfordert die Arbeit für die Migranten sehr viel Zeit und Energie. Mirjam Kuhn freut sich jedoch, wenn Menschen, denen sie helfen konnte, den Kontakt zu ihr aufrecht erhalten. „Ich habe Leute, die sind schon zehn Jahre bei mir“, sagt die Sozialpädagogin.

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