Brückenprüferim Einsatz: Mit einem Hammer wird die Betonoberfläche des Brückenpfeilers untersucht.
Brückenprüferim Einsatz: Mit einem Hammer wird die Betonoberfläche des Brückenpfeilers untersucht. (Foto: Thomas Frey)
Manfred Laduch

Oftmals hat man Gelegenheit dazu, sich über typisch deutsche Gründlichkeit zu ärgern. Besonders gerne bei Behörden. Wenn es allerdings um die Sicherheit von Brücken geht, sollte man sich darüber eher freuen.

Ängstliche Naturen steuern ihre Fahrzeuge seit dem 14. August vielleicht weniger gern über große Brückenbauwerke. An diesem Tag stürzte das Polcevera-Viadukts einer innerstädtischen Autobahnbrücke in Genua teilweise ein. 43 Menschen kamen dabei ums Leben.

Trotz dieser Katastrophe: In Deutschland müsse niemand Bedenken haben, wenn er über eine Brücke fährt. „Das ist völlig unnötig“, sagt Hermann Klyeisen, Referatsleiter beim Regierungspräsidium Stuttgart. Sein Referat 43 „Ingenieurbau“ ist sowohl für die Planung von Brückenbauwerken in Nordwürttemberg als auch für deren Überwachung zuständig – wenn sich diese auf Autobahnen, Bundes- oder Landesstraßen befinden. Dafür stehen nicht nur vier Prüfingenieure parat, sondern man kann auch auf das Wissen mehrerer externer Spezialisten zugreifen.

Wie nicht anders zu erwarten, unterliegt das Prüfen von Brückenbauwerken in Deutschland einer Norm: DIN 1076 regelt, dass eine Brücke alle sechs Jahre einer „handnahen, gründlichen und umfassenden Hauptprüfung“ unterzogen wird. Dabei werden alle Brückenteile gesichtet und auf Schäden untersucht.

„Hauptwerkzeug dabei ist ein Hammer. Wenn man den Beton abklopft, merkt man Probleme sofort am Klang. Am besten ist, wenn einem das Ding quasi ins Gesicht zurückspringt, dann ist alles in Ordnung“, schildert Hermann Klyeisen. Übergänge, Lager, mögliche Risse – alles wird bewertet und in einem Prüfbericht verarbeitet. Der listet dann auch gleich Vorschläge für Maßnahmen auf.

Zwischen diesen großen Aktionen gibt es einfache Prüfungen, um bei der Begehung Veränderungen festzustellen. Alle drei Jahre macht das das Referat 43, jährlich und im Grunde genommen ständig der Straßenbetriebsdienst.

Im Ostalbkreis weist lediglich eine Brücke Mängel auf

Beim Zustand der Brücken im Ostalbkreis sei es, wie im gesamten Land, sagt der Referatsleiter: Einige sind sehr gut, der große Hauptteil in Ordnung und bei einigen wenigen besteht Handlungsbedarf. Landesweit, so das Verkehrsministerium, seien das aktuell 60 Brücken, die einzige auf der Ostalb ist in Unterkochen.

Ein Ereignis wie in Genua kann sich Hermann Klyeisen für Deutschland nicht vorstellen: „Wenn wir Schäden erkennen, die gravierend zu werden drohen, treffen wir Sofortmaßnahmen – etwa durch Verengungen oder Abstandsgebote. Und wenn es sein muss auch durch eine Sperrung samt Anordnung von Umleitungen.“

Nach genau den gleichen Kriterien geht auch die Stadt Schwäbisch Gmünd bei der Kontrolle ihrer 80 Brücken vor, sagt Bauingenieurin Eva Hafner von der Abteilung Straßen- und Verkehrswesen. Sie ist im Bereich Ingenieurbauwerke auch für Fußgängerbrücken (37), Durchlässe, Fußgängerunterführungen (10), Stützmauern und Lärmschutzwände einschließlich Gabionen (36) zuständig.

Dabei befindet sich die Stadt in einer halbwegs komfortablen Situation: Eine ganze Reihe von Brücken, die vor einigen Jahren noch problematisch waren, wurden im Rahmen des Stadtumbaus für die Landesgartenschau von Grund auf saniert, wie die Karl-Olga-Brücke oder die Joosenbrücke, oder ersetzt, wie der Schillersteg oder der Kroatensteg.

Aktuell stehen zwei Projekte an: Eine Teil-Sanierung des Rotrinnenstegs (im Volksmund: „Sägbock“) und der Abriss der verkehrsuntüchtig gewordenen Birkhof-Brücke, die durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Für beide Projekte kommt es der Stadt entgegen, dass die Bahn die Gleise zwischen Gmünd und Aalen auswechseln muss und deshalb vom 20. August bis zum 6. Oktober keine Züge fahren. Außerdem steht demnächst eine Sanierung der Rems-Brücke bei der Buchauffahrt auf dem Programm.

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