Bayerischer Nikolaus mit randvollem Pointen-Magazin

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Michael Mittermeier brachte mit seinem Programm „Lucky Punch – Die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ die Fans zum Brüllen.
Michael Mittermeier brachte mit seinem Programm „Lucky Punch – Die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ die Fans zum Brüllen. (Foto: Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Auf das Blöde und das Böse hat es Michael Mittermeier in seinem neuen Programm „Lucky Punch – Die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ abgesehen. Und Treffer bekommt das Publikum mit Pointen genau zwischen die Augen. Oder mancher Zeitgenosse auch mal ein Stück Blei in den Hohlraum zwischen den Ohren aus der Walther PPK. James-Bond-Style.

Altersmilde ist der 52-Jährige nicht geworden. In der Aalener Stadthalle zeigte er, wie man mit den Unzumutbarkeiten des Lebens umzugehen hat: bissig, mit Humor, niemals aufgeben. Seine Fans waren im siebten Himmel. Obwohl da alles andere als der Heilige Geist locker zwei Stunden über die Bühne fegte, lästerte, den schon lange ausverkauften Saal zum Brüllen brachte und sich kaum eine Sekunde Ruhe nahm. Alles im Stehen. Klassische Stand-Up-Comedy eben.

Der vielfach ausgezeichnete bayerische Comedian ist zurück in Aalen. Nach anderthalb Jahren. Im April 2017 war er zum letzten Mal da mit seinem Programm „Wild“. Jetzt steht er da im schicken Anzug und legt sofort los. So wie man den Michl kennt. Rastlos vermischt er die Weltpolitik mit dem Privaten, streut Salz in die offenen Wunden der Gesellschaft und auch die eigene Familie schont er nicht.

Lästerte er früher gerne über werdende oder leibhaftige Eltern, so ist er jetzt selbst Vater einer Tochter in der „Vorpubertät“. Was heißt da „Vor“? So wie Vorglühen vor dem Oktoberfest? Die junge Dame scheint die Späße des Papas nicht immer zu goutieren: „Haha, wie witzig!“

Mittermeier springt in Sekunden durch die Zeit oder über Kontinente. In seinem Dorf als Kind machte man gern den „Heiligen Geist“ verantwortlich. Für Schwängerungsfälle und alles Mögliche und Unmögliche sonst. Er nennt ihn den „katholischen Pumuckl – für uns Menschen unsichtbar, aber an allem schuld.“

Noch so ein merkwürdiges Wesen ist die „Todes-Wuchtl“ im Programmnamen. Angeblich eine lange vergessene, berüchtigte Geheimwaffe, „geschmiedet in dunklen Gewölben einer antiken austrianischen Spaßdynastie“, und vermeintlich sein einziger Verbündeter. Sieht man mal von den johlenden und lachbrüllenden Fans ab.

Mittermeier kennt keine Tabus

Tabus kennt Mittermeier nicht. Weil er gegen das Böse bayerisches Karate einsetzt. Auch den Amoklauf an einer US-Schule nimmt er her. Und zitiert den Präsidenten. Oder waren’s wieder „Fake News“? Die Forderung, Lehrer mit Waffen auszurüsten, ist für ihn natürlich ein gefundenes Fressen. Er stellt sich vor – oder will sich nicht lieber nicht vorstellen –, wie das gewesen wäre, wenn der Mathe-Lehrer bei ihm mit einem AK-47-Sturmgewehr bewaffnet gewesen wäre. Andrerseits kann er sich Lehrer mit Großkalibrigem aber auch ganz gut vorstellen: Als letztes Mittel gegen „die Kampfmittel von Arschloch-Kindern“.

Dann nimmt er sich in der Stadthalle und unter lauter „Vollschwaben“ ganz konkret und genüsslich einige Lehrer aus dem Publikum vor. Aber er kehrt auch gern vor der eigenen (bayerischen) Haustür. Ein Rücktritt von Markus Söder nach dem CSU-Wahldebakel? No way! Denn der Mann hat „Eier“, er besteht „zu 110 Prozent aus Hoden. Der tritt nicht zurück, der schwillt ab.“

Nach der CSU kommen die „Orangen“ dran, die Freien Wähler. In Berlin, behauptet er, kennt man die gar nicht. Oder hält sie für irgendwas mit Bio. Freilaufend und so…. Bei der Farbe Orange fällt ihm wieder Donald Trump ein. „Der einzige Mensch mit Orangenhaut im Gesicht.“ Die Mädels, weiß er, können das ja mit einer Leggings kaschieren. Der US-Präsident bräuchte eine Unterhosen-Burka zum übers Gesicht ziehen. Schon mal in den USA, geht’s kurz zu „Baywatch“, Chuck Norris oder Batman. Zum Nikolaustag hat er auch was mitgebracht. Eine Anekdote, wie er im ausgeweiteten Familienkreis den Mann mit Bart und im feinen Ornat gibt und dem Vierjährigen ein Star-Wars-Laserschwert mitbringt, der damit Darth Vader die Rübe vom Leib abtrennen möchte. Fast logisch, dass er kurz den Maskenmann „mit dem bösen Asthma“ gibt und zur Tochter schnaubt: „Ich bin Dein Vater“! Als Nikolaus will er heute – hoh hoh hoh – im Bischofs-Nikolaus-Gewand die Familie mit Schwagern und Anhang heimsuchen. Und mit einem Bischofsstab. Als Bischof, feixt er, sollte man aber heutzutage vor Kindern auf den Satz verzichten: „Wer will denn meine Stange halten?“ So isser halt, der Michl.

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