Barockensemble spielt mit Energie und Gelassenheit

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In voller Besetzung überzeugte das Ensemble mit ambitionierter Interpretation.
In voller Besetzung überzeugte das Ensemble mit ambitionierter Interpretation. (Foto: Peter Schlipf)
Schwäbische Zeitung
Gerhard Krehlik

Ein Barockensemble rund um die Cellistin Daniela Wartenberg hat am Sonntagabend in der Villa Stützel ein Neujahrskonzert gespielt. Hausherrin Sandra Röddiger lud ihre Gäste dazu ein, am Beginn des neuen Jahres nochmal innezuhalten, auch wenn man mitunter das Gefühl habe, schon wieder mittendrin zu sein in diesem Jahr 2018.

Daniela Wartenberg und ihre fünf Kolleginnen und Kollegen – Alexandra Wiedner und Emmanuele Breda (Violinen), Zeynep Tamay (Viola), Johannes Vogt (Theorbe) und Alexander Strauß (Cembalo) – widmen sich in verschiedenen Ensembles und Orchestern der historischen Aufführungspraxis barocker Musik und waren in dieser Besetzung schon mehrmals zu Gast in der Villa Stützel.

Der Salon der Villa bietet einen exklusiven, intimen Rahmen für kammermusikalische Aktivitäten, hat allerdings auch seine Tücken. Die Akustik ist trocken, kein Nachhall stützt und veredelt den Ton des Instruments. Interpreten und Zuhörer sitzen auf Tuchfühlung. Akustik und räumliche Situation hätten keinen falschen Ton verziehen, wenn denn einer zu hören gewesen wäre. Erschwerend kam hinzu, dass das Sextett auf Streichinstrumenten mit Saiten aus Naturdarm spielte, die nicht nur besonders empfindlich auf die Temperatur, sondern auch auf die Luftfeuchtigkeit reagieren. Bei gut 40 Personen in einem relativ kleinen Raum war das eine ständige Herausforderung an die Intonation.

Diese räumlichen und akustischen Besonderheiten beeinträchtigten ein klein wenig die Fantasien von Henry Purcell und John Jenkins, die in wechselnden Besetzungen nur von den Streichern gespielt wurden.

In voller Besetzung, also mit dem klangvollen Cembalo und der Theorbe, wie etwa beim einleitenden Concerto grosso von Arcangelo Corelli, zuweilen auch als „Weihnachtskonzert“ bezeichnet, überzeugte das Ensemble mit einer ambitionierten, leidenschaftlichen Interpretation. Sprühende musikalische Energie in den raschen Sätzen und verträumte Gelassenheit in den langsamen Passagen prägten das Concerto. Darüber hinaus überzeugte das Sextett hier, wie auch in den Sonaten von Franz Biber oder den temperamentvollen Chaconne von Jaques Aubert und Purcell, durch seine virtuose technische Perfektion, durch homogene agogische Linien und einen tänzerisch beschwingten Duktus.

Zeynep Tamay übernahm ausgesprochen gefühlvoll mit ihrer Viola das Tenorsolo in der Arie „Ich will nur Dir zu Ehren“ aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und Alexander Strauß bereicherte das Programm mit der filigran und virtuos interpretierten Euterpe-Suite von Johann Caspar Ferdinand Fischer. Nach dem überraschend flott interpretierten Bourrée aus Händels Feuerwerksmusik wurde der begeisterte Beifall des Publikums mit dem unsterblichen „Air“ aus der D-Dur-Orchestersuite von Bach belohnt.

Sowohl das Dreikönigskonzert am 7. als auch das Neujahrskonzert am 14. Januar in der Villa Stützel waren der Barockmusik gewidmet, was zum einen die persönlichen Vorlieben der Organisatoren der Kulturveranstaltungen in der Villa Stützel widerspiegelt, zum anderen schon als Einstimmung auf das erste Festival Alte Musik Aalen („Fama 2018“, vom 7. bis zum 15. Juli) zu verstehen ist.

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