Bürger nehmen Carsharing-Angebot kaum an

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Gerade selbst ohne Auto? Mit einer Carsharing-App finden sich viele potenzielle Fahrzeuge der verschiedenen Anbieter im Umkreis
Gerade selbst ohne Auto? Mit einer Carsharing-App finden sich viele potenzielle Fahrzeuge der verschiedenen Anbieter im Umkreis. (Foto: Karolin Krämer)
Redakteurin/DigitAalen

Es sind aktuell 112 Privatkunden in Aalen, die das E-Carsharing der Stadtwerke nutzen. Das Modell dahinter klingt einleuchtend: Die Stadtwerke stellen vier elektrische Autos bereit – zwei Smarts und zwei VW – über eine App buchen die Kunden die Autos und holen sie an den Standorten in der Rathaus Tiefgarage oder am Park & Ride am Bahnhof ab.

So richtig angekommen ist das Modell bei den Aalener Bürgern aber noch nicht: Rund 150 Stunden im Monat sind die Autos verbucht. Wobei darin sämtliche Dienst-, Messe-, und Gewinnerfahrten der Stadtwerke enthalten sind. Im Schnitt nehmen die Stadtwerke pro Auto 500 Euro netto pro Monat ein. Damit sind die System-, Strom- und TÜV-Kosten gedeckt. Reparatur und Personal seien aktuell noch nicht finanzierbar.

Reichweite: 80 bis 100 Kilometer

Die Stadtwerke wollen das Verleih-Modell weiter publik machen. „Wir haben die Kapazitätsgrenze noch nicht erreicht“, sagt Wolfgang Weiß, kommissarischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Was seiner Meinung nach mit daran liegen könne, dass in ländlichem Gebiet viele Familien schon zwei Autos haben.

Außerdem problematisch: Die Reichweiten von 100 bis 120 Kilometern sind relativ klein. „Im Winter können das auch mal nur 80 Kilometer sein“, sagt Oliver Pusch, Prokurist bei den Stadtwerken Aalen. Daher sei eine Fahrt nach Ulm oder Stuttgart ohne Stop nicht möglich. „Der Einsatz für Kurzstrecken im Ostalbkreis ist aber sehr gut.“ Als Modell für ein Stadt-Carsharing seien die elektrischen Autos prädestiniert.

Neben den Privatkunden gibt es in Aalen auch eine Handvoll gewerbliche Nutzer des Systems, darunter das Lokal Rosmarie und das Modegeschäft Dr. Skate.

Wir wollen der erste Betrieb in Aalen sein, der CO2-frei Essen ausliefert

 sagt Cüneyt Fettan vom Rosmarie. Das Modell passe gut zu dem nachhaltigen, regionalen Restaurant. Und warum solle er selber ein E-Auto kaufen, wenn die Stadtwerke Autos herum stehen haben? „Wir denken uns schon was dabei.“ Auch Uli Riegel von Dr. Skate ist überzeugt von dem Modell. Er fahre selbst zu 99 Prozent mit dem Rad zu Arbeit, nur wenn er Auswärtstermine habe, nutze er die E-Autos der Stadtwerke – im Schnitt vielleicht drei Mal im Monat. „Es ist ein pflegeleichtes System – das ist ideal.“

Seit Oktober 2016 läuft die Buchung voll automatisiert ab. Sprich: Kunden laden sich die App herunter und können direkt über das Smartphone die Verfügbarkeit und den Standort der Autos prüfen. Mit einer Karte – die vorher im Informationscenter eingerichtet wird – öffnen sie über einen Sensor das Auto, das an der Ladestation steht. Der Schlüssel ist in im Inneren hinterlegt, die Fahrt kann losgehen.

Die Buchung wird über Flinkster abgewickelt, ein System, das bundesweit genutzt wird. Somit können Kunden aus Aalen auch in anderen Städten Autos mieten. In der Stadt taucht in der App neben den Stadtwerke-Standorten auch das Hotel Estilo in Aalen auf. Allerdings habe er kein Fahrzeug, sondern nur die Ladestation sagt Geschäftsführer Patrick Schiehlen . Er habe es sich überlegt, aber die Anschaffung wäre ein Riesenakt geworden. „Da gibt es viele bürokratische Hürden.“

Pedelecs werden oft ausgeliehen

Außer den Autos gibt es am Infozentrum der Stadtwerke auch Pedelecs und E-Roller zu mieten. „Das wird jetzt wieder gefragter, wenn das Wetter schön wird“, sagt Ulrich Walter vom Kundeninformationszentrum. In der Regel würden die elektrischen Räder ein bis zwei Wochen vorher gebucht. Dieses Angebot werde rege genutzt, Stadtwerke-Kunden dürfen die Räder kostenlos ausleihen. Nicht jede Woche, aber er habe schon Stammkunden, die dreimal pro Saison kämen, sagt Walter. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Auch für Touristen sei das Modell spannend. „Radtouristen geben im Schnitt mehr Geld aus als andere Touristen“, sagt Weiß. Und der Kocher-Jagst-Weg biete sich schließlich an.

Bisher 16 Ladestationen

Der nächste Schritt in Sachen E-Mobilität in der Stadt sei eine bessere Lade-Infrastruktur, sagt Weiß. Bisher gibt es 16 Ladestationen in der Stadt. Das solle in der Sitzungsrunde im Juni in Angriff genommen werden. „Wir haben einen Konzessionsvertrag mit der Stadt für E-Mobilität im PKW-Bereich.“ Ein flächendeckendes Netz sei wichtig, vorgesehen sei beispielsweise auch eine Ladestation an der Hochschule, die auf dem Thema E-Mobilität Experte ist.

An dem Aufbauplan der Ladestationen werde mit Hochdruck gearbeitet. Man müsse auch planen, wo Leitungen verlegt werden könnten. „Das wird am Anfang keine Goldmiene sein“, sagt Weiß, da könne man keine 200 Meter Tiefbau betreiben. Werde das Projekt vom Land gefördert, könne man den Zeitplan sicher beschleunigen. Angewiesen seien die Stadtwerke auf die Förderung aber nicht. Der Plan sei – so oder so – in den nächsten drei bis fünf Jahren das komplette Stadtgebiet mit Ladestationen erschlossen zu haben.

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