Aus Schlammloch wird wunderschönes Biotop

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Seit Dienstag wird der Greut-Teich entschlammt. Robert Jenewein vom städtischen Grünflächen- und Umweltamt (links) und Bernhard
Seit Dienstag wird der Greut-Teich entschlammt. Robert Jenewein vom städtischen Grünflächen- und Umweltamt (links) und Bernhard Schmid, stellvertretender Leiter des städtischen Bau- und Grünflächenbetriebs, sind mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden. (Foto: Thomas Siedler)
Redakteurin/DigitAalen

Der Fußweg, der am Greut-Teich entlang zum Waldfriedhof führt, ist wegen der Arbeiten seit Montag gesperrt. Die Sperrung dauert noch voraussichtlich bis Montag, 13. August, an. Auch der Eingang zum Friedhof ist so lange gesperrt. Friedhofbesucher können jedoch den Haupteingang oder den Eingang an der Zeppelinstraße nutzen.

Einst ein Paradies für exotische Mandarinenten, Fische und Libellen ist der Greut-Teich in den vergangenen Jahren immer mehr verkommen. Sein trostloses und vermülltes Dasein hat jetzt ein Ende. Seit Dienstag wird der Teich entschlammt. Noch ist einiges zu tun, doch nicht mehr lange und der Greut-Teich werde die Spaziergänger als wunderschönes Biotop erfreuen, sagte Robert Jenewein vom städtischen Grünflächen- und Umweltamt bei einer Begehung mit den „Aalener Nachrichten“ am Donnerstagmorgen.

Sicherlich wäre es einfacher gewesen, den seit 50 Jahren bestehenden Teich zuzuschütten, sagt Jenewein. Doch die Stadt Aalen sei dem Wunsch vieler Bürger gefolgt, denen es ein Herzensanliegen sei, den Greut-Teich zu erhalten, in dem in der Anfangszeit die Aalener Ziegelwarenfabrik Trost Ton abgebaut habe. Der Teich, der von einem Bach südlich des Waldfriedhofes gespeist wird, wurde bereits im November vergangenen Jahres abgelassen. Dafür wurden die Bretter des sogenannten Mönchs, also des Ablaufs des Teiches, entfernt, so dass das Wasser in den städtischen Kanal abfließen konnte, erklärt Jenewein.

Die Schlammmassen, die nach dem Trockenlegen des 800 Quadratmeter großen Teichs zum Vorschein kamen, seien mächtig gewesen. Der Schlamm habe sich bis zu 1,50 Meter hoch in dem Greut-Teich getürmt, sagt Jenewein. Kein Wunder. Schließlich sei dieser seit seines Bestehens noch nie abgelassen worden. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, hier zwischen 1000 und 1200 Kubikmeter abtragen zu müssen. „Zum Stand jetzt werden es zwischen 800 bis 1000 Kubikmeter werden“, sagt Jenewein.

Abgetragener Schlamm dient als Dünger für den Acker

Den Greut-Teich von außen per Bagger von dem Faulschlamm zu befreien, habe sich wegen der Böschung als nicht praktikabel herausgestellt. Deshalb sei eine Baustraße aus Kalkschotter in den Teich gelegt worden, auf der der Bagger problemlos hineinfahren könne. Die Arbeiten gehen unter der Regie des städtischen Bau- und Grünflächenbetriebs über die Bühne, der für das Entschlammen und das Abtransportieren des Faulschlamms die Firma Kling aus Ellenberg mit ins Boot geholt hat. Mit zwei Schleppern, die jeweils mit einer sogenannten Halfpipe-Mulde ausgestattet sind, wird dieser auf einen städtischen Acker bei Oberrombach abgefahren. Der Schlamm sei unbelastet und könne problemlos als Dünger verwertet werden, sagt Jenewein. Dies habe die Analyse von zehn Proben ergeben, die die Firma Geotechnik Aalen entnommen habe und die in Hohenheim analysiert worden seien.

50 Fuhren liegen bereits auf dem über einen Hektar großen Acker, den ein Landwirt von der Stadt gepachtet habe. „Auf dem abgeernteten Getreidefeld werden maximal zehn Zentimeter Schlamm aufgebracht, der ab Montag per Planierraupe eingearbeitet wird“, sagt Bernhard Schmid, stellvertretender Leiter des städtischen Bau- und Grünflächenbetriebs. Wenn dieser dann trocken ist, werde er feinplaniert, so dass ihn der Landwirt einarbeiten und die Nährstoffe des Schlamms dem Boden zuführen kann.

Stimmen aus der Bevölkerung, die Kritik daran geübt haben, dass die Entschlammung des Greut-Teichs bereits nach dem Ablassen des Wassers im November hätte vonstatten gehen können, hält Jenewein entgegen, dass solche Arbeiten erst im Sommer möglich seien. Zum einen befänden sich die im Teich beheimateten Amphibien in der Winterzeit in Winterstarre, zum anderen hätte das von der Umsetzung her nicht funktioniert. Nicht geklappt hätte das Entschlammen auch, wenn es die vergangenen Wochen geregnet hätte und massenhaft Wasser vom Bach südlich des Waldfriedhofes in den Teich gelaufen wäre. „Angesichts der derzeit günstigen Wetterprognosen haben wir deshalb die Arbeiten auch um eine Woche vorverlegt“, sagt Schmid.

Nach dem Aushub, der bereits am Donnerstag beendet werden konnte, geht es jetzt an die Feinarbeiten, in die das städtische Grünflächen- und Umweltamt eingebunden ist. Der für die Baustraße in den Teich verwendete Kalkschotter soll für die Ufersicherung verwendet werden. Auch die Böschung werde damit modelliert, sagt Jenewein. Diese soll flacher gestaltet werden, damit am Teich eine Schilfzone und eine Wasserwechselzone für Amphibien und Insekten wie Libellen entstehen können. In den Teich sollten künftig bewusst keine Tiere wie Fische oder Enten eingesetzt werden. Die Wasserfläche soll als Biotop gestaltet werden und nicht als Fischteich oder Entenschauteich. Auch um den Unterhaltungsaufwand herunterzuschrauben. „Nach der Fertigstellung kommen die Enten schon von alleine und bringen in ihrem Gefieder auch jede Menge Fischlaich mit“, weiß Jenewein aus Erfahrung.

In seiner Zeit beim Grünflächen- und Umweltamt habe er schon einige Kuriositäten erlebt. Unter anderem denkt er an von Bürgern entsorgte Goldfische, die im Friedhofsweiher in Wasseralfingen gelandet seien und sich dort rasch vermehrt hätten. „Zwei Zentner mussten wir aus dem Wasser herausfischen.“ Auch ein ostasiatischer Spiegelkarpfen sei einmal in einer Hülbe auf dem Härtsfeld gelandet und genieße seit seiner Rettung sein Leben neben Eisbären und Co. in der Wilhelma in Stuttgart.

Greut-Teich wird nicht mehr verpachtet

War der Greut-Teich bis 2016 verpachtet, bleibt er künftig als neu gestaltetes Biotop im Besitz der Stadt, die sich auch um die Pflege kümmern wird. „Unter den Gesichtspunkten des Naturschutzes“, betont Jenewein und baut damit der Kritik von Spaziergängern vor, die sich selbst an stehen gelassenen Brennnesseln stören würden. Toll sei das Biotop künftig auch für die Kinder der Kindertagesstätte im Greut, die anhand dessen etwas zum Thema Umwelt lernen können.

Karl Gsell machte aus dem Greut-Teich ein Paradies

Seine Blütezeit hatte der Greut-Teich unter der Regie von Karl Gsell. 1988 pachtete er das 1800 Quadratmeter große Gelände zwischen Rohrwang und dem Wohngebiet Greut von der Stadt Aalen. Gemeinsam mit drei Freunden verwandelte er das damals verwilderte Grundstück mit dem schlammigen Teich in ein kleines Naturparadies. Für die Enten bauten die Männer sogar schwimmende Häuser.

2008 kündigte Gsell den Pachtvertrag mit der Stadt. Die Pflege des Areals konnte der damals 80-Jährige nicht mehr alleine schultern. Von der Pächtergemeinschaft war zu dieser Zeit nicht mehr viel übrig. Ein Mitglied war weggezogen, ein anderes musste aus gesundheitlichen Gründen das Hobby aufgeben. Der Versuch von Gsell, Gleichgesinnte zu finden, die das Projekt mit ihm fortführen, schlug ins Leere. Eine Weile kümmerte sich der ehemalige städtische Angestellte noch alleine um das Gelände und die Tiere. Doch irgendwann wurde dem naturverbundenen Aalener die Arbeit zu viel.

Auf Gsell folgten drei weitere Pächter, doch alle führten die Arbeit des 80-jährigen Naturliebhabers nicht lange und auch nicht in dem Maße fort. Alle kündigten im Laufe der Zeit den Pachtvertrag mit der Stadt.

Der Fußweg, der am Greut-Teich entlang zum Waldfriedhof führt, ist wegen der Arbeiten seit Montag gesperrt. Die Sperrung dauert noch voraussichtlich bis Montag, 13. August, an. Auch der Eingang zum Friedhof ist so lange gesperrt. Friedhofbesucher können jedoch den Haupteingang oder den Eingang an der Zeppelinstraße nutzen.

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