August ist der Chef im Ring

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Sichtlich wohl fühlen sich die vier Auerochs-Exemplare bereits am Aalener Hirschhof. Bulle August (rechts) ist unübersehbar der (Foto: Scheiderer)
Schwäbische Zeitung

Obwohl noch nicht einmal völlig ausgewachsen, hat August binnen weniger Tage schon richtig Karriere gemacht: vom Jungbullen am Sixenbach im Ellwanger Schleifhäusle zum Chef im Ring auf der neuen Auerochsen-Wiese am Aalener Hirschhof. Dort ist am Mittwochvormittag der auch optisch schon beeindruckende Zuwachs gebührend gefeiert worden.

Zur Familie von „Chef“ August gehören noch die Ur-Rind-Kühe Sarah und Saphira sowie Sarahs Kalb, die alle drei den Weg von einem Züchter aus Schrobenhausen im Donaumoos ans obere Ende des reizvollen Aalener Hirschbachtals gefunden haben. Dass die vier hier überhaupt hierher kamen, diese Idee wurde allerdings nicht auf dem Hirschhof und von seinen „Hausherren“ Thomas und Iris Thiehle geboren, sondern von Ralf Worm, dem Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Ostalbkreis, und von Andreas Stütz, einem der ehrenamtlichen Naturschutzwarte des Ostalbkreises, der zugleich auch Fachbeirat im LEV ist. Die Thiehles haben sich aber ziemlich schnell auf die Idee eingelassen, nach dem Sixenbach bei Ellwangen und einer Fläche an der Sechta bei Bopfingen hier in einem dritten Projekt im Kreis Auerochsen zur Bewirtschaftung krummer Bachläufe wieder anzusiedeln. Und jetzt sind sie begeistert.

Am Montag, so erzählt Thomas Thiele beim kleinen Umtrunk auf die neuen Mitbewohner (zunftgerecht natürlich aus dem Hornbecher), habe er selbst den Bullen August in Ellwangen abgeholt, was mithilfe einer kleinen Betäubung auch gelungen sei. „Die schon anwesenden Kühe haben ihn dann hier dazu animiert, dass er doch wieder am Leben teilnehmen wollte“, erzählt Thiele schmunzelnd. Jetzt würden sich die vier Tiere wunderbar vertragen, und die Oma vom Hirschhof, die direkt nebenan wohnt, hat August auch schon besucht.

7,5 Hektar völlig naturbelassenes Hangwiesengelände stehen den vier Auerochs-Exemplaren am Hirschhof zur Verfügung. Die massiven Pfähle für die rund 1,5 Kilometer lange Umzäunung hat Zaunbauer Manfred Läpple mit einer hydraulischen Ramme einen Meter tief in den Boden getrieben. Die heutigen Auerochsen, so erzählt Worm, seien Rückzüchtungen der um 1620 in Polen ausgestorbenen Ur-Rasse, könnten aber genauso das ganze Jahr über draußen blieben. Dank eines dicken Winterfells auch bei Eis und Schnee. Und weil die Lebensweise dieser Ur-Rindviecher nicht nur gesünder und artgerechter sei, sondern die Gelände-Bewirtschaftung mit ihnen auch viel ökologischer, sei ihre Ansiedlung am Hirschhof eine rundum gelungene Sache. „Ein Juwel für Aalen“, wie Stütz meint, der wie Robert Jenewein, Landschaftsplaner bei der Stadt Aalen, nicht zuletzt auch auf die Attraktivität der vier „Ur-Viecher“ für Wanderer, Erholungssuchende und Touristen an einer der landschaftlich reizvollsten Stellen am Aalener Stadtrand zwischen Braunenberg und Hirschbachtal verweist.

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