Auf du und du mit dem Wolf

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 Siedelt sich der Wolf auf der Ostalb an? Expertin Gudrun Pflüger nimmt in einem Interview Stellung dazu.
Siedelt sich der Wolf auf der Ostalb an? Expertin Gudrun Pflüger nimmt in einem Interview Stellung dazu. (Foto: Tom Wetzling /dpa)
Aalener Nachrichten

An diesem Mittwoch, 30. September, kommt die Wolfsexpertin Gudrun Pflüger in die Mensa des Berufsschulzentrums Aalen. Im Vorfeld haben sich Carl-Heinz Rieger und Uta Widmann von der BUND-Ortsgruppe Aalen mit der Biologin, Autorin und Filmemacherin unterhalten.

Frau Pflüger, in den vergangenen zwei bis drei Jahren tauchten immer wieder einzelne Wölfe in Ostwürttemberg und dem angrenzenden bayrischen Gebiet auf, wie zum Beispiel in Bartholomä, bei Eschach, im Göppinger Raum und bei Frankenhardt, unweit von Ellwangen. Ist mit der Ansiedlung von Populationen zu rechnen?

Ich denke, dass ein Vorkommen von Wölfen in Ostwürttemberg als Erfolg gewertet werden kann, der durch großräumige Biotopvernetzung und weitsichtiges Planen engagierter Menschen möglich wurde. Insoweit ist seine Ansiedelung keine Überraschung, denn der Wolf kann in Mitteleuropa jederzeit und überall auftauchen. Ich sage es noch einmal: solange wir ihn lassen. Der Wolf sollte als Indikator für Toleranz, Flexibilität und Kreativität der lokalen Bevölkerung und nicht für Wildnis gelten.

Hier bei uns in Ostwürttemberg und auch im Ostalbkreis und Aalener Raum gibt es viele Landwirte, welche kleinere Bestände an Rindern, Schafen und Ziegen im Freiland halten. Auch existieren einige größere Schäfereibetriebe. Können Sie Ratschläge erteilen, wie diese der Wiederansiedlung des Wolfes konkret begegnen können?

Die positiven Eigenschaften des Wolfes im Auge behalten und individuelle Herdenschutzmaßnahmen vornehmen, wäre das eine, die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden sowie Nachtpferche das andere. Auch könnte ich mir vorstellen, dass Produzenten und Konsumenten sich die Hand reichen, indem Produkte von geschützten Herden im Verkauf eindeutig gekennzeichnet werden und eventuell etwas teurer sind.

Sie kämpfen für die Rückkehr des Wolfes in Westeuropa und Deutschland. Können Sie erklären, welche ökologische Bedeutung der Wolf für unsere Natur haben kann?

Der Wolf reduziert durch seine Art des Jagens, die Hetzjagd, das alte, junge, allgemein kranke und schwache Wild. Er verhindert somit das Ausweiten von Krankheiten und den Verbiss an Bäumen, drückt aber auch den Bestand des Fuchses und anderer kleiner Beutegreifer wie Waschbär und Goldschakal.

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