Auch Aalen gedenkt des Holocaust

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Die Organisatoren haben die erste Veranstaltung in Aalen zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar vorgestellt und dabei auch die Li
Die Organisatoren haben die erste Veranstaltung in Aalen zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar vorgestellt und dabei auch die Liste der 260 bislang bekannten Opfer aus dem Ostalbkreis präsentiert. Unser Bild zeigt von links den Intendanten des Theaters (Foto: Turad)
Schwäbische Zeitung
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Am kommenden Freitag, 27. Januar, ist in Deutschland und international der Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus und des Holocaust. Erstmals wird er auch in Aalen begangen mit einer Lesung in der Stadtkirche, an der das Theater mitwirkt. „Gerade in der heutigen Zeit, in der die Zahl derer zu- und leider nicht abnimmt, die sich dem Gedenken und Erinnern nicht stellen wollen, ist solch eine Veranstaltung von besonderer Bedeutung“, sagt der frühere Landtagsvizepräsident Alfred Geisel.

Er gehört mit dem Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ zu dem breiten Bündnis, das die Gedenkveranstaltung unterstützt. Mit Oberbürgermeister Thilo Rentschler an der Spitze zählen dazu weiter unter anderem das katholische und evangelische Dekanat, CDU, SPD, Grüne und Linke, Gewerkschaften und weitere Organisationen – insgesamt 26 an der Zahl. Ihr Programm beginnt am 27. Januar um 19 Uhr in der Stadtkirche. Dabei liest die Schauspielerin Mirjam Birkl vom Theater der Stadt Texte der überlebenden Zeitzeugen Primo Levi und Rudolf Vraba, musikalisch umrahmt vom Aalener Klarinettisten Christian Bolz und vom Gitarristen Tobias Knecht.

Nach ihren eigenen Worten geht es den Veranstaltern darum, diesen Abend von tagesaktuellen Bezügen freizuhalten und sich ganz der Erinnerung zu widmen. Damit wollen sie zugleich einen Beitrag zu einer demokratischen und humanistischen Selbstvergewisserung leisten. Dabei habe man eine möglichst breite Unterstützung für diese Gedenkveranstaltung angestrebt.

1,1 Millionen Tote in Auschwitz

Den Gedenktag hat der jüngst verstorbene, seinerzeitige Bundespräsident Roman Herzog 1996 auf den 27. Januar festgelegt, den Tag, an dem 1945 die ersten sowjetischen Truppen das Vernichtungslager Auschwitz erreicht hatten. Alleine dort sind 1,1 Millionen Menschen ermordet worden, die meisten in den Gaskammern von Birkenau, ganz überwiegend Juden. 2005 haben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ausgerufen.

Mindestens 260 Menschen aus dem Ostalbkreis gehören zu ihnen. Das hat Rüdiger Walter in den Archiven der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und im Bundesarchiv in Koblenz herausgefunden. Die meisten davon kamen aus dem Altkreis Aalen mit dem Schwerpunkt im Bereich Bopfingen/Lauchheim. Bei 50 bis 60 weiteren Ermordeten steht noch nicht fest, ob sie aus dem Ostalbkreis kamen. Elf Opfer des Holocaust sind nach seinen Recherchen in der Kernstadt Aalen geboren, haben dort gewohnt oder sind in Aalen zu Tode gekommen. Walter: „Viele dieser Menschen wurden in den Vernichtungslagern Treblinka und Auschwitz getötet, andere starben unter den Bedingungen gezielter Aushungerung in Ghettos wie Theresienstadt.“

Stolpersteine würdigen Opfer

Am Recherchieren ist auch die Aalener Stolperstein-Initiative, berichtet Volkmar Wieland und verweist darauf, dass einige dieser Aalener Bürgerinnen und Bürger nicht einmal mehr namentlich in historischen Werken aufzufinden sind. Die Initiative jedenfalls möchte die Verfolgten und Ermordeten durch jeweils einen entsprechenden Stolperstein an ihrem ehemaligen Wohnort würdigen und sie so dem Vergessen entreißen, wie es Wieland ausdrückt. Wann in Aalen der erste Stolperstein – mit dem die Initiative auch ein Zeichen gegen Intoleranz und die Verachtung der Menschenwürde setzen will – angebracht wird, steht noch nicht fest. In Schwäbisch Gmünd gibt es übrigens bereits 17 Stolpersteine.

Ein Schicksal, dem der erste Stolperstein in Aalen gewidmet sein könnte, hat Wieland schon im Kopf: Willi Heilbronn. Er wurde am 26. Juli 1904 in Aalen als Sohn des Warenhausbesitzers Eduard Heilbronn und seiner Frau Friederike geborene Stern geboren. Der Sohn war geistig behindert und lebte seit seinem siebten Lebensjahr in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten im Remstal. Seine Familie war jüdischen Glaubens. Am 10. September 1940 wurde Willi Heilbronn mit 74 anderen Pfleglingen nach Grafeneck gebracht und am gleichen Tag umgebracht.

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