Als Minister war Kinkel zweimal in Aalen

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 Klaus Kinkel, damals Außenminister, gehörte zu den prominenten Gratulanten zu Gustav Wabros 65. Geburtstag im Wasseralfinger Sc
Klaus Kinkel, damals Außenminister, gehörte zu den prominenten Gratulanten zu Gustav Wabros 65. Geburtstag im Wasseralfinger Schloss. Das Bild zeigt ihn mit Dieter Kress (rechts) sowie Anita und Georg Brunnhuber (links). (Foto: Archiv: Stefanie Schuster)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Der frühere Vizekanzler und Außenminister Klaus Kinkel ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Als Justizminister hatte er Anfang der 90er Jahre der Redaktion der „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“ einen denkwürdigen Besuch abgestattet. Unser früherer Redakteur Viktor Turad erinnert sich.

Eines Tages erhielt ich einen Anruf aus dem damals noch in Bonn ansässigen Bundesjustizministerium: Ob wir bereit wären, Minister Klaus Kinkel zu einem Redaktionsgespräch zu empfangen? Ich erbat mir Bedenkzeit und rief dann im Ministerium zurück, um sicherzugehen, dass ich nicht einem Scherzbold auf den Leim ging. Nein, es war tatsächlich der Minister.

Und auf Aalen war die Wahl gefallen, erzählte er mir bei seinem Besuch, weil er wegen eines FDP-Parteitags in der Region war. Der fand in Schwäbisch Gmünd statt, aber dort wollte Kinkel nicht seinen Parteifreunden die Schau stehlen.

Vor Kinkels Besuch erhielt ich auch einen Anruf aus dem Aalener Rathaus. Der seinerzeitige Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle wollte wissen, ob wir einen prominenten Redaktionsgast erwarteten.

Auch Pfeifle war sich nicht sicher, ob sich nicht jemand einen Scherz mit ihm erlauben wollte. Als ich ihm sagte, dass ich Kinkel erwarte, war für den Minister der Weg ins Rathaus frei. Dort trug er sich zuerst ins Goldene Buch ein.

Unter Landsleuten

Währenddessen durchsuchten Kinkels Personenschützer die Redaktion, die damals noch im Schwabenverlagsgebäude, Bahnhofstraße 21, war. Sie fanden natürlich nichts und das Gespräch konnte stattfinden. Es war eine angenehme Atmosphäre und ein angeregtes Gespräch, schließlich war der Schwabe Kinkel, der aus seinem Zungenschlag auch nie einen Hehl gemacht hatte, unter Landsleuten.

Als Außenminister war er später, 1998, noch einmal in Aalen, kurz bevor er wegen der Wahlniederlage der damaligen schwarz-gelben Koalition aus dem Amt schied. Kinkel gab Gustav Wabro die Ehre, der im Wasseralfinger Schloss seinen 65. Geburtstag feierte.

Die beiden Männer verband nämlich eine lange Freundschaft. Sie waren Studienkollegen in Tübingen und beide Mitglied der Akademischen Vereinigung Guestfalia, einer katholischen Studentenvereinigung. Und sie hatten zusammen im Bundesinnenministerium in Bonn gearbeitet. Wabro dürfte es auch gewesen sein, der Kinkel den Tipp gab, bei den „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“ vorbeizuschauen.

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