Als Hobby-Archäologe auf der Kocherburg

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Johannes Müller

Eigentlich arbeitet Marcel Friedel bei der Firma Scholz in Essingen. Aber in seiner Freizeit zieht der 44-jährige Unterkochener los und betätigt sich als Hobby-Archäologe hauptsächlich auf der Ruine Kocherburg. Seine Leidenschaft gilt seit frühester Kindheit der Geschichte. Sein Wissen holt er sich aus Büchern und bei Fachleuten.

„Schon meine Großeltern haben mich bei Spaziergängen auf seltsam geformte Steine aufmerksam gemacht“, erzählt Marcel Friedel in einem Gespräch mit den „Aalener Nachrichten /Ipf- und Jagst-Zeitung“. Sein Onkel, Diakon Josef Friedel, habe ihm geschichtliche Bücher geschenkt oder geliehen. Wertvolle Informationen über Unterkochener Heimatgeschichte erhielt er von Gerhard Thalheimer, der zwar nicht mehr der Lehrer des 1976 geborenen Marcel war, aber seine Kenntnisse gerne an den aufgeweckten und interessierten Buben weitergab.

Sammlung ist umfangreich

Nachdem er zunächst allein auf die Ruine Kocherburg ging und dann dort auf manch farbige glasierte Keramikstücke stieß, kam er 2011 in Kontakt mit der von Erich Holzwarth, Artur Grimm und Dieter Matzik zur Freilegung und zum Erhalt der Kocherburg-Ruine geleiteten Initiative und wurde Mitarbeiter in diesem Team. Wertvolle Impulse und Beratung holte sich der wissbegierige Unterkochener von Benny Rieger und der Archäologin Dana Herrmann, die für das Landesdenkmalamt tätig sind.

„Im Lauf der Jahre konnte ich eine umfangreiche Sammlung von Fundstücken zusammenstellen“, berichtet Marcel Friedel. Chronologisch und nach Fundort sortiert zeigt er uns Stücke von grünglasierter und rotbemalter helltöniger Irdenware. Manches stammte von offensichtlich prachtvollen Kachelöfen und von gut bestücktem und fein dekoriertem Küchengeschirr. „Die Herren auf der Kocherburg, Angestellte der Fürstpropstei Ellwangen, haben wohl in großem Wohlstand gelebt,“ schließt Marcel aus seinen Funden.

Die wertvollsten und seltensten Stücke hat er natürlich, wie es Gesetz und Vorschrift befehlen, dem Landesdenkmalamt zur Verfügung gestellt. Darunter ist beispielsweise ein Eckstück der Krönungskeramik aus der oberen Umrandung der Kachelöfen mit der bis jetzt einmaligen Darstellung eines Pudels. Das Tier nimmt Bezug auf eine alte Legende, in der der Pudel auf der Kocherburg eine symbolträchtige Rolle spielt. Auch eine kostbare Münze aus dem 11. Jahrhundert hat Friedel abgegeben. „Was ich noch habe, ist mir interessant genug“, stellt er zufrieden fest.

Darüber hinaus gilt sein Interesse den Mittelaltermärkten, wie sie in der Region regelmäßig stattfinden. Stilecht bekleidet in selbstgefertigter Gewandung nimmt er daran teil und engagiert sich in Gruppen, die bis nach Burgrieden ins Oberland zum „Mittelalter-Spektakulum“ fahren. Wenn er dann noch ein Kettenhemd anlegt, fühlt er sich wie ein mittelalterlicher Ritter.

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