Allein unter Männern: Als einzige weibliche Fraktionschefin im Aalener Gemeinderat

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Der Preis, in der Kommunalpolitik mitzuarbeiten, sei für eine Frau höher als für einen Mann, sagt Senta D´Onofrio.
Der Preis, in der Kommunalpolitik mitzuarbeiten, sei für eine Frau höher als für einen Mann, sagt Senta D´Onofrio. (Foto: Thomas Siedler)
Redakteurin/DigitAalen

Als einzige weibliche Fraktionsvorsitzende im Aalener Gemeinderat ist Senta D´Onofrio (SPD) oft allein unter Männern. Das macht ihr aber nichts aus. Ob sie sich nicht manchmal gewünscht habe, ein Mann zu sein? „Nein“ – ist die nachdrückliche Antwort. Als Kind? Auch da nicht. Alles, was sie sich damals gewünscht habe, sei ein Name gewesen, der sich weniger nach Hund anhörte.

Außerdem ist sie in ihrer Fraktion als Frau in guter Gesellschaft: In der SPD-Fraktion sind mehr Frauen als Männer. Das macht den Austausch angenehmer, sagt D´Onofrio. In großen Gremien ist oft das Problem:„Je mehr Männer, desto mehr Fensterreden.“ Da werde lieber fünfmal ein und dasselbe gesagt, als die Gefahr zulaufen, nicht zu Wort zu kommen. „Frauen müssen nicht immer etwas gesagt haben. Sie sagen nur etwas, wenn sie etwas zu sagen haben.“ Und könnten es mal aushalten ruhig zu sein.

Emotionale Ebene gehört in der Politik dazu

Überhaupt gebe es mit Frauen eine andere Diskussionskultur. Andere Themen werden besprochen, Zwischentöne herausgefiltert. Was sehr wichtig ist, sagt D´Onofrio. „In der Kommunalpolitik hat man mit Menschen zu tun. Da gehört die emotionale Ebene dazu.“ Man könne nicht nur nach den Fakten entscheiden. Wobei sie selbst durch ihren Beruf als Anwältin auch darauf getrimmt sei, faktenorientiert zu arbeiten. „Ich versuch´ das Wesentliche aus den Gesprächen zu filtern und die Emotionen nicht außer Acht zu lassen.“

Zur Kommunalpolitik kam sie „wie die Jungfrau zum Kinde“. Als sie aber 2005 familiär bedingt von Berlin auf die Ostalb kam, wurde sie kurz darauf von Peter Ott für die SPD Wasseralfingen geworben. Eigentlich hatte sie zu dem Zeitpunkt genug von der Politik - eine „Überdosis Berlin“, wie sie sagt. Ließ sich dann aber doch für die Liste aufstellen. „Dumm gelaufen.“ Sie wurde sofort in den Gemeinderat gewählt.

„Wir können nicht erwarten, dass die Männer ihre Pfründe freiwillig aufgeben. Warum auch? Andersherum würden wir es auch nicht machen.“

Sie habe nie das Gefühl gehabt, dass sie es als Mann leichter gehabt hätte. Allerdings: Als Frau schaue man eben doch danach, dass der Kühlschrank gefüllt werde und die Kinder versorgt werden, sagt die Mutter zweier Söhne. Oft habe sie das Gefühl, dass es für Frauen ärgerlicher sei, wenn Treffen in Ausschüssen länger dauern, als für die Männer. Ihre Söhne kamen beide mit einem Jahr in die Krippe, außerdem hatte sie die Großeltern, die sie unterstützt haben erzählt D´Onofrio.

Unverständnis für politisch engagierte Frauen

Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei zwar viel Struktur da – aber oft genug höre man, dass die Familie ja auch noch für etwas da sein müsse. „Es gibt immer noch viele Bereiche, in denen Frauen nicht vorwärts gehen.“ Für ehrenamtliches Engagement von Frauen gebe es außerhalb von Kuchenbacken für den Sportverein noch wenig Verständnis. Während arbeitende Mütter angesehen seien, stoße frau doch oft auf Unverständnis, wenn sie sich von der Familie für ein Treffen der Fraktion oder des Gemeinderats verabschiede.

Keine Hobbys, dafür eine Menge Ämter

„Hobbys gibt es bis heute nicht in meinem Leben.“ Dafür hat sie eine ganze Menge Ämter zu betreuen: Sie ist Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, im Präsidium des MTV und Vorstandsmitglied bei der AWO und im Stadtverband für Sport und Kultur Wasseralfingen. Klar, das politische Engagement sei ein zusätzlicher Aufwand, das sei Fakt. „Aber es lohnt sich.“ Gerade für Frauen: „Wir können nicht erwarten, dass die Männer ihre Pfründe freiwillig aufgeben. Warum auch? Andersherum würden wir es auch nicht machen.“

Von der Frauenquote ist sie nicht wirklich überzeugt. „Die Frauenquote zeigt immer noch, dass wir keine Normalität an dieser Stelle haben.“ Daher sei es wichtig, dass sich Frauen einbringen. „Wir müssen viel mehr netzwerken.“ Und es höre sich zwar schrecklich nach Emanzenspruch an, aber: „Gemeinsam sind wir stark.“ Und das ginge eben nur, wenn Frauen untereinander weniger bissig agierten, sondern sich unterstützten. „Wir müssen für uns selber den letzten Schritt machen zum Umdenken.“

„Ich denke oft, was tust du dir da an.“

Viele Männer arbeiteten da anders: Sie bilden Netzwerke, stimmen sich untereinander ab, planen, organisieren vorher Mehrheiten und schauen, wen sie noch aktivieren können, erzählt D´Onofrio. „Sie überlegen genau, wie sie strategisch vorgehen können.“ Frauen ticken ihrer Meinung nach anders, aber: „Sie können ihren eigenen Weg nicht gehen, weil die Männer die Spielregeln vorgeben.

Die ehrenamtliche Arbeit mache ihr grundsätzlich Spaß. „Es geht darum, etwas bewegen zu können.“ Sie wolle aber niemand zu einer Kandidatur überreden. „Weil ich es sehr gut nachvollziehen kann, wie schwierig die Umsetzung dann ist.“ „Der Preis ist hoch – höher als für einen Mann.“ Mit den Kindern und dem Drumherum – Frauen haben andere Wünsche ans Leben. „Männer definieren sich oft über Posten – ich kleb´nicht an meinem Amt.“ Ob sie es manchmal bereut habe? „Ständig“, sagt D´Onofrio spaßeshalber. „Ich denke oft, was tust du dir da an.“ Und dann käme wieder eine Phase, in der es richtig Spaß macht.

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