Afro-Soul der ganz feinen Art

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Was für ein fulminantes Finale: Die Sängerin Ntjam Rosie aus Holland und die Brachial-Gute-Laune-Funker von Electro Deluxe aus Paris haben dem 27. Aalener Jazzfest am Sonntagabend im Oberkochener Zeiss-Forum einen niveauvollen und später auch lautstarken Schlussakkord gesetzt.

Zunächst aber Ntjam Rosie. Die junge (und bekennende) Holländerin mit Wurzeln in Kamerun und ihre fünfköpfige Band entpuppten sich als Meister der leisen Töne. Afro-Soul, mit feiner Nadel gestrickt, und dazu eine charismatische Sängerin. „Schreib auch, dass sie eine wundervolle, klare Stimme hat“, diktiert ein Zuschauer dem Berichterstatter in den Block. Klar, machen wir, wären wir aber auch von selbst drauf gekommen. Denn diese Stimme, die hat es – neben dem gewinnenden Lächeln – wahrlich in sich. „Ich bin ein philosophischer Mensch“, erklärt Ntjam Rosie ihren Zuhörern, „ich denke viel nach.“

Und was dabei heraus kommt, dass machte das Publikum staunen. „L’amour“ zum Beispiel, ein hauchzartes Stück, aber auch „Farafina“, bei dem die Beine von ganz alleine mitwippten. „Nsissim Zambe“ sang sie sogar im Dialekt Bulu, der Sprache ihrer Heimat. Bei „Foolish“ entfuhr einem Zuschauer ganz kurz, bevor der Applaus einsetzte, ein hörbares „Wow“. Das sagt eigentlich alles.

Etwas überraschend musste sie ohne Zugabe die Bühne räumen für die letzte Band des 27. Aalener Jazzfests: Electro Deluxe. Nach einer Pause im Vorjahr waren sie nach ihren Auftritten 2015 und 2016 wieder dabei. Die Wiedersehensfreude der Aalener Fans fiel lautstark aus, ein warmer Willkommensbeifall empfing die Formation um den US-amerikanischen Sänger James Copley.

Keiner kann so schön mit den Augen rollen

Keiner kann so schön mit den Augen rollen, Grimassen ziehen, grinsen oder die vordersten Reihen anflehen wie Copley. Seine kräftige Stimme kommt nur halb so gut zur Geltung, wenn einem der Blick auf die Bühne versperrt ist. Man muss ihn gesehen haben. „We all got a little devil inside“ heißt es in ihrem Stück „Devil“, und Copley grinst der Teufel quasi aus dem Gesicht. „Hier gibt’s kein Rumstehen“, faucht er das Publikum an. Hatte auch niemand wirklich vor.

Electro Deluxe (Gaël Cadoux, Keyboards; Jérémie Coke, Bass; Arnaud Renaville, Schlagzeug; Thomas Faure, Saxofon; Vincent Payen, Trompete; Bertrand Luzignan, Posaune), die sich auf ihrer Homepage als „Wolf im Schafspelz“ bezeichnen, sind die Rock’n’Roller unter den Funkbands, der Leibhaftige in Musikergestalt, der wahrhaftig gewordene Groove – und schon deshalb ein würdiger Abschluss des Aalener Jazzfests.

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