Affen wohin man schaut

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Irmela Maier ist die zehnte Preisträgerin der Aalener VR-Bank (Foto: Kullmann)
Schwäbische Zeitung
Herbert Kullmann

Mich laust der Affe, mag man angesichts des Affentheaters ausrufen, das im Ökologiegebäude von Schloss Fachsenfeld zu sehen ist. Um Missverständnisse zu vermeiden: Der Freiherren mediterraner Landsitz wird nicht zum zoologischen Garten. Im Gegenteil, ist doch das „Affentheater“ Teil einer großen Kunstschau und so ganz im Sinne des künstlerischen Auftrags, für den die Stiftung Schloss Fachsenfeld steht. Kunst gibt es kommende Woche, wenn am 6. April der diesjährige VR-Bank-Kunstpreis vergeben wird. Von einer Jury als Preisträgerin auserkoren, reiste bereits gestern Vormittag die Ettlingener Künstlerin Irmela Maier an, um ihren Werken einen adäquaten Platz zuzuweisen.

Affen, wohin man schaut: Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen, Paviane und Mandrill-Äffchen. Im Halbdunkel der Scheune wirkt die Verwandtschaft des Menschen überraschend lebendig. Bei genauerer Betrachtung reduziert sich die Primatenschar auf ein künstlerisch gestaltetes Konglomerat aus Putzwolle, Kupfer- und Hasendraht. Recyclingmaterial, das sich auch im Innenleben der Skulpturen wiederfindet: Kronkorken, weggeworfene Tupperware. Gesicht und Hände sind aus gebranntem Ton geformt. Mit „Jenseits von Afrika“ hat das Ganze freilich wenig gemein. Ihre zeichnerischen Studien fertigt Irmela Maier bei stundenlangen Sitzungen vor Affenkäfigen im Stuttgarter und Frankfurter Zoo. „Dabei erkenne ich immer wieder, welch charakterstarke Persönlichkeiten mir Modell stehen.“ Für die Künstlerin eine Herausforderung, übernimmt sie doch den Ausdruck von Wut, Freude, Lebenslust in ihre Plastiken. Was allerdings nicht immer gelingt. „Ich wollte einen Schimpansen porträtieren, doch der hat sich lieber einen Sack über den Kopf gezogen.“ Persönlichkeitsschutz mal anders - vermutlich.

Irmela Maier ist die zehnte Preisträgerin der Aalener VR-Bank, weshalb zum runden Jubiläum nicht nur die bisher ausgezeichneten Künstler bei der Preisvergabe anwesend sein werden – mit beispielhaften Arbeiten versteht sich. Wegen eigener Ausstellungen haben Werner Pokorny und Uwe Lindau abgesagt. Anwesend sind: Dorothea Schulz, Stephan Kern, Johannes Hüppi, Heinrich Weid, Daniel Sigloch und Peter Holl. Die Preisträgerin von 2006 Romane Holderried Kaesdorf verstarb bereits 2007.

Mit der jährlichen Preisvergabe wolle die VR-Bank Aalen zum kulturellen Leben der Stadt beitragen, betonte Marita Hermann und hob den hohen Qualitätsmaßstab hervor, den die Jury an die ausgewählten künstlerischen Arbeiten lege. Die Besucher der Ausstellung haben dazu beste Vergleichsmöglichkeiten, denn nicht nur Werke aller zehn Künstler sind zu sehen, auch ein dementsprechender Katalog erscheint.

Der VR-Bank-Kunstpreis wird am 6. April um 11 Uhr auf Schloss Fachsenfeld vergeben. Die Ausstellung selbst dauert bis zum 29. Mai.

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